Handball-EM - Doch kein Märchen

Wie aus Heiner Brands Spielern gestrandete Helden wurden

Als B-Sport abgestempelt, wurde Handball immer populärer und die Spieler zu Helden einer Nation. Als EM- Vierter bleibt vom Glanz der WM jetzt nicht mehr viel übrig.

Was den Fußballern im "Sommermärchen 2006" verwehrt blieb, gelang der Handball- Nationalmannschaft im "Wintermärchen 2007" bei der WM im eigenen Land. Jetzt standen die Deutschen Helden erneut im goldenen Trikot auf dem internationalem Parkett, um nach der Europameisterschafts-Krone zu greifen. Vergeblich.

Die besten Teams galt es zu schlagen

In der Gruppenphase lief, bis auf eine Niederlage gegen Spanien, alles nach Plan. Klare Siege gegen Weißrussland und Ungarn ließen Erinnerungen jubelnder Massen aufleben. Plötzlich war Handball wieder Volkssport Nummer Eins, vor allem weil die Fußball-Bundesliga noch im Winterschlaf verweilte. Schwarz-Rot-Gold waren auch wieder die Farben dieses Winters, zu verdanken war das den Jungs um Trainer Heiner Brand, der wohl bekannteste Schnauzer in der Sportlandschaft seit Mark Spitz. Dank ihm haben Namen wie Pascal Hens, Markus Baur, Michael Kraus, Oliver Roggisch und Henning Fritz ihren Platz im Allgemeinwissen der Gesellschaft eingenommen.

Mach es noch einmal, Heiner!

Mit der EM wurde eine Wiederholung des Wintermärchens verlangt und erwartet. Vielleicht hatte man die Handballhelden den Sommer über eingemottet, aber jetzt wurden ihre Namen wieder gesungen, ihre Trikots gekauft und ihre Tore bejubelt. Zumindest für eine kleine Weile. Irgendwie hätte man es ahnen können. Im ersten Gruppenspiel gegen Weißrussland waren gerade einmal vier Minuten gespielt, als der Deutsche Oleg Velyky nach einem Zweikampf vom Platz humpelte. Diagnose: Einriss im rechten Außenmeniskus. Es musste nachnominiert werden. Und: Es würde nicht die letzte Verletzung im Team bleiben. Mit einer Niederlage gegen Spanien zogen die Deutschen in die Hauptrunde ein, gewannen gegen Island und Schweden, verloren gegen Frankreich und erreichten das Halbfinale. Die Stimmung war auf dem Höhepunkt und das nächste Märchen ganz nah!

Gestrandete Helden

Doch Dänemark, späterer Europameister, stoppte die Deutsche Euphorie in einem dramatischen Halbfinale mit 26:25 in den Schlusssekunden. Aus. Vorbei. Kein Gold. Kein Finale. Welche Zukunft wird der Sport jetzt haben, da die Brand-Truppe nicht wie erwartet das Finale erreicht hat? Der große Triumph blieb aus, verletzte Spieler blieben zurück. Vergisst man die Jungs jetzt wieder, weil Handball eben leider doch eine Art Stiefbruder des Fußballs ist und bleibt? Als Favorit des Augenblicks genoss der Handball wieder Aufmerksamkeit, doch was passiert jetzt? Ohne Gold zurück nach Hause gekommen bleibt nur die Hoffnung auf Olympia 2008 in Peking. Nicht nur den Spielern, auch dem Sport und seinen Fans wünscht man eine längere Haltbarkeit als nur bis zum kommenden Sommer, wenn die Fußball-EM in Österreich und der Schweiz die Blicke auf sich ziehen wird. Wäre es doch schade, wenn der Sport um den kleinen Ball und die großen Kerle viel zu schnell wieder von der Bildfläche verschwinden würde.

So müssen sich Helden fühlen, wenn sie ausziehen, um mit Gold zurück nach Hause zu kommen – und doch nur leere Hände mitbringen. Ein undankbarer 4. Platz.

Der Fairness halber sollte man den sympathischen Jungs um Heiner Brand aber die Chance geben das alles wieder gut zu machen. Olympia im Sommer, dann gibt es vielleicht endlich auch für die Handballer ein "Sommermärchen".

Adriana Popescu, Autorin, Adriana Popescu

Adriana Popescu - Adriana Popescu Geboren 1980 in München Autorin, Continuity, vor allem aber Geschichtenerzählerin, so lässt es sich ...

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