Trensen und Kandaren aus Leder, die individuell und als Maßarbeit angefertigt werden, sind für immer mehr Pferdebesitzer, gerade im Dressursport, ein schönes Accessoire, das sie sich gerne gönnen. Wer einen solchen indivduellen Zaum in Auftrag gibt, sollte gut darüber informiert sein, welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen.
Lederzaum - hoher Materialverbrauch
Gebraucht werden für einen Zaum ungefähr elf Meter Leder. Griffiges, haltbares Zaumleder. Geschirrleder ist dehnbarer, weil es stärker gefettet ist und daher nicht für die Verwendung bei Zäumen geeignet. Die Qualität der Lederprodukte aus der Alvesloher Lederwerkstatt und ihr Erfolg, sind darin begründet, dass jedes einzelne Lederstück sorgfältig ausgesucht wird. Nur besondere Zaumleder werden gewählt, nur handverlesene Lederstücke verwendet. Die besonderen Merkmale, die die spezielle Qualität ausmachen, sind ein streng gehütetes Geheimnis, das nicht preisgegeben wird. Verraten wird nur so viel: Das Leder stammt immer vom Rind, oft kommt es aus Amerika.
Kernstück - besonders wertvoll
Dieses Kernstück ist entscheidend für die Qualität eines Zaums. Es verleiht Trense oder Kandare dauerhafte Form und Haltbarkeit. Das Verfahren der Auswahl über die Handlese ist zwar zeitintensiv, stellt aber auch sicher, dass die Lederstücke aller gefertigten Teile den Anforderungen entsprechen. Leder ist als natürliches Material nicht nur von Rinder-Rasse zu Rinder-Rasse unterschiedlich. Sogar von Charge zu Charge und von Gerber zu Gerber sind Unterschiede feststellbar. Vor allem zwei Tests geben Aufschluss über die tatsächliche Eignung eines Lederstücks. Zum einen der Anschnitt. Er verrät dem Fachmann wie sich das Leder weiter verarbeiten lässt. Zum anderen der Knicktest. Beim Umschlagen darf das Leder nicht brechen. Eine Eigenschaft die besonders bei den Schnallenteilen zählt.
Varianten der Verarbeitung
Bei den unterschiedlichen Anfertigungen sind vor allem die aufwendigen Doublierungen gefragt. Hierfür werden zwei speziell vorbereitete Haarseiten, das sind die glatten Seiten des Leders, zu einem Strang verarbeitet. Nach außen hin sieht der Zaum normal aus. Die Unterseite, die auf dem Pferdekopf aufliegt, zeigt jedoch ebenfalls eine weiche Haarseite. Vorteilhaft für Pferde mit empfindlichem Fell, die zu Druck und Scheuerstellen neigen. Und mit Sicherheit angenehm für jedes Pferd. Zudem erhöht diese Art der Herstellung die Haltbarkeit des Zaums. Kehrseite der Medaille: der Lederverbrauch ist doppelt so hoch wie bei der herkömmlichen Produktion. Einen Zaum direkt aus weichem Leder herzustellen, kommt aber nicht in Frage. Dehnbarkeit ist bei Zaumleder nicht gewünscht. Wenn durch Körperwärme oder Kaubewegung Dehnung entsteht, darf der Zaum nur minimal nachgeben, sonst würde er rasch ausleiern und rutschen. Gerade bei einem maßgefertigten Zaum ist aber langfristig gute Passform gefragt.
Verzierungen sind gefragt
Neben Bombierungen – der Einarbeitung von Kordeln oder Leder - ist bei den Verzierungen eine Unterlage mit cognacfarbenem Leder der Renner. Die Kanten der Lederstränge werden mit einer eigens entwickelten und ausgetüftelten Kantenfarbe versehen. Variationen mit drei Farben sind auch schon produziert worden, ebenso wie Zäume, die mit Biesen verziert sind.
Bei einigen Leder-Werkstätten und Sattlern kann der Zaum auch mit Flechtsträngen aus feinem Goldfaden, den Kumihimu-Strängen, verziert werden. Die Flechttechnik aus Japan kann zum Beispiel in ein Lochmuster eingelegt werden, das mit Hand aus dem Leder herausgeschnitten wird – eine besonders aufwendige Art der Verzierung, die einen sehr eigenen Effekt hervorbringt.
