Selten, aber dann doch überrascht Hollywood mit einer Komödie, die nicht nur zwerchfellerschütternd lustig ist, sondern auch eine durchaus interessante Handlung bietet. Einer dieser aus der Masse an geradezu beleidigend schlechten Komödien wie „Meine Frau, die Spartaner und ich“ herausragenden Streifen heißt „Hangover“. Ein Begriff, der die Katerstimmung am Morgen nach einem Rausch bezeichnet.
Was Regie-Ass Todd Phillips (unter anderem für „Road Trip“, „Der Date Profi“ und „Starsky & Hutch“ verantwortlich) aus der zugegebenermaßen eher dünnen und wenig originell scheinenden Prämisse herausholt, ist nicht weniger als der witzigste Film seit langem.
Viva Las Vegas
Zwei Tage bleiben dem adretten Doug (Justin Bartha) noch, um sein Junggesellenleben auszukosten. Denn an dessen Ende steht ein neuer Lebensabschnitt mit seiner bildhübschen Braut in spe Tracy (Sasha Barrese). Ehe es aber so weit ist, lädt er seine Freunde Phil (Bradley Cooper) und Stu (Ed Helms) zu seiner Abschiedsparty in Las Vegas ein. Aus dem Trio wird ein Quartett, als sich Dougs künftiger Schwager Alan (Zach Galifianakis) gewissermaßen selbst einlädt und die drei Freunde im kostbaren Mercedes von Tracys Vater begleitet.
Im Spielerparadies angekommen, überschlagen sich die Ereignisse rasch: Am nächsten Morgen wachen Phil, Stu und Alan mit einem Kater auf und können sich an die Geschehnisse der letzten Nacht nicht mehr erinnern. Weder wissen sie, weshalb im Badezimmer ihrer Suite ein ausgewachsener Tiger haust, ein Huhn über die Flure huscht oder der Hotelpage statt des Mercedes einen offenbar geklauten Polizeiwagen vorfährt und sie mit „Officer“ anspricht. Am Schlimmsten aber: Doug ist spurlos verschwunden und der Countdown bis zum Hochzeitstermin läuft unerbittlich…
„Memento“ stand Pate
Was „Hangover“ zur Top-Komödie avancieren lässt, ist zum einen die extrem clevere Handlung: Statt die Exzesse des Quartetts Szene für Szene dem Zuschauer zu präsentieren, wandelt der Film in den Fußstapfen von Christopher Nolans genialem Thriller „Memento“: Die Protagonisten müssen auf Grund ihres völligen Gedächtnisverlustes über die Ereignisse der letzten Stunden rekonstruieren, was geschehen ist, um somit ihren Freund Doug wiederzufinden.
Gags und Slapstick nonstop
Dabei stolpern die Figuren von einer Peinlichkeit in die nächste und müssen mitunter demütigende Erfahrungen durchmachen. Doch egal, was auch immer den nicht besonders hellen Köpfen zustößt: Sie verlieren nie ihren sarkastischen Humor und ihr Ziel aus den Augen. Und dies, obwohl ihre Beharrlichkeit zu äußerst prekären Situationen führt. Etwa einer unangenehmen Begegnung mit chinesischen Gangstern oder einer fiesen „Ersatzstrafe“ durch die Polizei.
Einen bemerkenswerten Gastauftritt legt Ex-Boxstar Mike Tyson aufs Parkett: Am Klavier sitzend sinniert er über die Schönheit von Phil Collins Hit „In The Air Tonight“ nach und fordert die völlig perplexen Protagonisten zum Mitsingen auf. Und auch hierbei beweist Regisseur und Produzent Todd Phillips ein feines Händchen für kluge Plot-Entwicklung. Denn anders als in vielen ähnlichen Genrebeiträgen treibt dieser Auftritt die Handlung tatsächlich ein entscheidendes Stückchen vorwärts, statt lediglich einen optischen Gag zu bieten.
Perfekte Unterhaltung abseits des Mainstream
Was „Hangover“ neben der enorm hohen Gagdichte und den tadellosen Schauspielleistungen noch auszeichnet, ist der Mut zu durchaus gewagten Witzen und Anspielungen. Beispielsweise müssen Doug und seine Freunde erfahren, dass sich Alan aus bestimmten Gründen keiner Schule mehr nähern darf. Ein heißes Eisen, das der Film ohne mit der falschen Wimper zu zucken quasi im Vorbeigehen aufgreift und damit sogar spielt.
Nicht nur deshalb erhielt „Hangover“ in den USA das gefürchtete „R-Rating“ verpasst, das Zuschauer unter 17 Jahren vom Filmbesuch ausschließt. Trotzdem ist Phillips’ bereits als Kultfilm gefeierter Geniestreich in den USA die bislang erfolgreichste Komödie mit „R-Rating“ überhaupt. Philosophische Erkenntnisse wird aus dem Film wohl keiner ziehen können. Genau dies macht „Hangover“ aber zur perfekten Sommerkomödie, die zahlreiche Gags und Anspielungen – etwa auf „Rain Man“ – in einen bemerkenswert intelligenten Plot packt.
Wer endlich mal wieder rund zwei Stunden lang herzhaft über die Missgeschicke anderer lachen möchte, kommt in diesem Film voll auf seine Kosten.
Eine Fortsetzung des wunderbaren Klamauks ist übrigens beschlossene Sache und dürfte schon in zwei Jahren die Lachmuskeln aufs Neue trainieren. Vielleicht wird ja dann auch die leider ungeklärt bleibende Frage gelöst, weshalb ein Huhn durch die Suite lief…
Originaltitel: „The Hangover“
Regie: Todd Phillips
Produktionsland und –jahr: USA 2009
Filmlänge: ca. 100 Minuten
Verleih: Warner
Deutscher Kinostart: 23. Juli 2009
