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Hans Apel: Ich glaub, mich tritt ein Pferd

Apel - Bundestag
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Der frühere Finanz- und Verteidigungsminister ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Von der Partei geliebt - und zurückgestoßen.

„Ich glaub, mich tritt ein Pferd“. Dies ist wohl einer der berühmtesten Sprüche des Hanseaten, und in seinen Erinnerungen hat er geschrieben: „Wenn ich ein Motto für meinen Grabstein suchte, dann sollte ich diesen Spruch wählen“. Der Barmbeker Bub, der Sozialdemokrat und ehemalige Bundesminister Hans Apel ist am 6. September 2011 im Alter von 79 Jahren gestorben. In seinen Erinnerungen steht auch der Satz: „Wer aufsteigen will, muss wissen, dass sein Abstieg unvermeidlich kommt. Es sei denn, er segnet vorher das Zeitliche“. „Hänschen“ Apel ist danach gestorben.

Auch als Kronprinz von Schmidt gehandelt

Der Hamburger Sozialdemokrat und protestantische Christ gehörte zu den profiliertesten Köpfen der „Bonner Republik“. Er war führender Vertreter der konservativen „Kanalarbeiter“ in der SPD-Bundestagsfraktion und kam schon früh in Regierungsämter. Im Jahr 1972 wurde er Parlamentarischer Staatssekretär im Auswärtigen Amt, zwei Jahre später Bundesfinanzminister in der Regierung Helmut Schmidt, um dann 1978 ins Verteidigungsministerium zu wechseln, dem er bis 1982 vorstand. Zeitweise wurde er auch als Kronprinz von Schmidt gehandelt – aber das sollte sich bald ändern.

Apel stolperte über den NATO-Nachrüstungsbeschluss

Hans Apel, der Schnelldenker mit der flinken Zunge, der eckte natürlich in seiner politischen Karriere nicht selten an. „Wenn Sie sich über mein Temperament beklagen wollen, stimme ich ihnen von vornherein zu, obwohl in den letzten 10 bis 15 Jahren manches auch besser geworden ist“. Dazu registrierten die Stenographen des Bundestags in der Sitzung vom 7. Dezember 1978 „anhaltende Heiterkeit“. Ein knappes Jahrzehnt später gab es nicht mehr viel zu lachen. Als im Jahr 1987 kräftig – und schließlich erfolgreich - am Stuhl des SPD-Vorsitzenden Willy Brandt gesägt wurde, war er noch dabei. Apel prägte seinerzeit das Kürzel „BMW“ – Brandt muss weg.

Aber ein Jahr später, in 1988, war er selbst an der Reihe: Der ehemalige Verteidigungsminister und konservative Sozialdemokrat verteidigte den höchst umstrittenen Nachrüstungsbeschluss der NATO aus dem Anfang der 1980er Jahre. Die Quittung kam umgehend: Er wurde nicht mehr in den SPD-Bundesvorstand gewählt. Das vollzog sich in einer Sitzung am 28. September 1988. In seinem Buch „Der Abstieg“ beschreibt er den Vorgang. Es gab ein letztes Gespräch mit dem damaligen Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel, das nach zwei Minuten zu Ende war. Apel in seinen Erinnerungen: „Ich sagte ihm, dass ich nach diesem Gespräch wisse, das ich nichts mehr von der Partei zu erwarten habe. Er widerspricht nicht“.

Zwischendurch in Berlin gegen Diepgen kandidiert

Damit war das Ende einer zweieinhalb Jahrzehnte währenden politischen Arbeit in Bonn eingeläutet, die er dann im Jahr 1990 endgültig abschloss. Zwischendurch, 1985, hatte er noch einen Abstecher nach Berlin versucht: Er kandierte für das Amt des Regierenden Bürgermeisters und unterlag dem Christdemokraten Eberhard Diepgen.

Die Auseinandersetzung mit dem Sinn des Lebens

„Hans, mach Du das“ heißt der Titel zu seinen Lebenserinnerungen, die im Jahr 2010 erschienen sind. Ein Wort – wie konnte es anders sein – von dem anderen Sozialdemokraten aus Hamburg, von Helmut Schmidt. Aber in der Politik wollte Apel schließlich nichts mehr „machen“. In diesem Buch offenbart er eine subtile innere Auseinandersetzung mit dem Sinn des Lebens und dem Christentum. Da war schließlich nichts mehr von dem flotten Spruch, „Ich glaub, mich tritt ein Pferd“, übrig geblieben. – Ein Satz übrigens, der gefallen war im Jahr 1975 in einem Interview mit dem Fernsehkommentator Friedrich Nowottny, als der Finanzminister nach einer Auslandsreise auf unvorhergesehene Löcher im Bundesetat hingewiesen wurde.

Hans Apel war im Alter leise, vielleicht weise geworden. Aber ein Fan des FC St. Pauli ist er immer geblieben.

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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