Hans-Beimler-Denkmal in Chemnitz verfällt

Hans-Beimler-Denkmal - Jonny Michel
Hans-Beimler-Denkmal - Jonny Michel
In Chemnitz ist ein Denkmal, geschaffen von Bildhauer Volker Beier, in die Jahre gekommen. Es soll gerettet werden. Die Planungen sind in vollem Gang.

Es ist schon einige Zeit her, als Bewohner und Besucher des Chemnitzer Wohngebietes Gablenz besorgt beim Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten e.V. (VVN-BdA e.V.) anriefen. Besorgt; weil das 1979 eingeweihte Denkmal für den Spanienkämpfer Hans Beimler, dessen Name damals auch dieses Wohngebiet trug, erste Zerfallserscheinungen zeigte. Das Denkmal, fünf Meter hoch, aus Beton gegossen, hoch oben mit einer Bronze-Plastik geschmückt, steht direkt neben einem großen Einkaufszentrum. Gefertigt wurde es vom Chemnitzer Bildhauer Volker Beier, dessen Kunstwerke an zahlreichen Orten der Stadt zu finden sind. Der VVN-BdA e.V. und natürlich auch der Künstler nahmen die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger ernst. Sie begutachteten das Denkmal, doch seither ist viel Zeit ins Land gegangen, bis die Akteure kürzlich mit ersten Ergebnissen vor die Presse treten konnten.

Volker Beier erinnert sich

Während des Pressegespräches erinnert der Künstler an die Entstehung der Stele. Vom damaligen Rat des Stadtbezirkes Süd (für Leser aus den alten Bundesländern: So hießen in der DDR die Kommunalverwaltungen der Stadtbezirke in den Großstädten) sei er beauftragt worden, solch ein Denkmal zu schaffen. Für Volker Beier sei es eine echte Herausforderung gewesen; schließlich habe er als Künstler technisches Neuland betreten müssen. Fließbeton in solchen Größenordnungen zu verarbeiten, und das aus einem Guss um ein Stahlgerüst herum, dazu bedurfte es vieler Kenntnisse aus dem Bergbau und dem Wohnungsbau. Und dieses Wissen habe Volker Beier dann auch für die Realisierung genutzt. „Dass ich heute noch einmal solch ein Projekt in Angriff nehmen würde, glaube ich nicht. Damals war ich jung und mit einer gewissen jugendlichen Frechheit an die Sache gegangen“, so der Künstler während des Pressegesprächs.

Die Eigentumsverhältnisse sind geklärt - geht Sanierung bald los?

Jetzt soll die Sanierung in Angriff genommen werden, nachdem die Eigentumsverhältnisse geklärt sind. Die Stadt selbst habe mit der Stele nichts zu tun, meinte vor einiger Zeit die Chemnitzer Baubürgermeisterin, Petra Wesseler. Längst ist Eigentümer der Investor des „Gablenz Centers“. Die Bedenken, dass sich wohl ein Eigentümer eines Einkaufszentrums nicht gerade um Hans Beimler kümmern würde, konnten sich jedoch in Luft auflösen. Genau dieser Eigentümer hat großes Interesse daran, dass das Denkmal erhalten wird. Aufatmen beim VVN-BDA-Vorsitzenden von Chemnitz, Enrico Hilbert und bei Volker Beier. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass die Stele durch Witterung, durch das hohe Verkehrsaufkommen im Wohngebiet und durch natürliche Alterung arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. So müssten, wie Beier weiter ausführte, Risse fachmännisch bearbeitet werden, um geeignete Bindemittel einfüllen zu können. Moderne Technik sei notwendig, und die Stele bekäme erst einmal ein eigenes „Haus“ in Form eines Gerüstes mit Planen. Ehe dies aber losgehen könne, müssten noch weitere Partner für das Projekt begeistert werden.

Einen Partner schon gefunden

Ein Partner ist schon aus den Startlöchern gekommen: Der Bürgerverein für Chemnitz e.V. konnte für die Unterstützung des Projektes gewonnen werden. Frank Blumenstein, Vorsitzender des Vereins, zur Presse: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Schließlich herrscht in der heutigen Zeit über das Thema Spanienkrieg und Hans Beimler nicht überall Konsens. Aber der Verein hat sich mit der Geschichte befasst, der Geschichte des Spanienkrieges und der des Denkmals. Wir sind uns alle einig, dieses Vorhaben verdient unsere Unterstützung. Selbstverständlich brauchen wir aber noch weitere Partner. So sollen beispielsweise die Stadt und auch der Eigentümer des „Gablenz Centers“ mit ins Boot geholt werden“.

Erinnerung nicht nur an Hans Beimler

Beim normalen Sanieren soll es aber nicht bleiben. Da der Spanienkämpfer Hans Beimler selbst nicht den Bezug zu Chemnitz hat, soll dieser mit einer Erweiterung des Denkmals hergestellt werden. Die Vereine konnten deshalb keinen besseren Bildhauer finden, als den Künstler Volker Beier, der sich auch ohne zu zögern zur Mithilfe bereit erklärte. Die Erweiterung soll eine ebenerdige rund zwei Meter breite und anderthalb Meter hohe Betonplastik werden, auf der die 21 Namen der derzeit bekannten Chemnitzer Spanienkämpfer zu lesen sind, das alles aus einem Guss, die Buchstaben dreidimensional sichtbar. Ein kleines Modell und eine Grafik hatte Volker Beier zum Pressegespräch mitgebracht.

Stele steht nicht unter Denkmalschutz

„Das große Ziel, die nötigen Finanzen bis zum Ende 2011 über Spenden zur Verfügung zu haben, wird nicht leicht zu erreichen sein“, erklärt Enrico Hilbert; denn immerhin seien rund 20.000 Euro veranschlagt, die Stele stehe außerdem nicht unter Denkmalschutz. Aber man wolle die zahlreichen, in ganz Deutschland vorhandenen Kontakte nutzen, um dieses Spendenaufkommen zu realisieren. Die Initiatoren des Projektes strahlten trotz des schweren Weges Optimismus aus. "Wir wollen und wir werden das schaffen, dass die Stele in erweiterter Form und mit neuer Standfestigkeit irgendwann im Jahr 2012 wieder an die Geschichte Hans Beimlers, der Antifaschisten aus Chemnitz und des Spanischen Bürgerkrieges erinnert."

Jonny Michel, privat

Jonny Michel - Im vorigen Jahrhundert, 1951, in Chemnitz geboren, hatte ich kurz danach meinen ersten Umzug zu bewältigen - ich zog nach ...

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