Hans Beimlers Kampf gegen den Faschismus

Gedenkstein Hans Beimler - VVN - BdA - Augsburg
Gedenkstein Hans Beimler - VVN - BdA - Augsburg
Hans Beimler, ein Widerstandskämpfer gegen den Faschismus, wurde im Spanischen Bürgerkrieg auf einem Inspektionsgang erschossen.

Seit 1996 wird in Deutschland am 27. Januar der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Im Mittelpunkt der Gedenkstunde im Bundestag standen in diesem Jahr die ergreifende Rede Marcel Reich-Ranickis und der aktuelle Bezug zu den Geschehnissen in der NS-Zeit, den Bundesratspräsident Norbert Lammert herstellte, indem er die gegenwärtigen Aktivitäten der Neo-Nazis auf das Schärfste verurteilte. Beachtung fand auch der nachdrückliche Hinweis Charlotte Knoblochs, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, dass zunehmend junge Menschen kaum mehr etwas über den Holocaust wüssten und deshalb vor allem auch im Geschichtsunterricht der Schulen intensiver Aufklärung betrieben werden müsse. Auch am weniger bekannten Widerstandskämpfer Hans Beimler kann der jungen Generation eindrucksvoll gezeigt werden, wie sich Menschen unterschiedlichster politischer Ausrichtung unter größten Opfern in jener Zeit für Freiheit und Recht eingesetzt haben. Dr. Max Mannheimer, der Vorsitzende der Dachauer Lagergemeinschaft, schrieb im Vorwort zum Buch von Friedbert Mühldorfer über Hans Beimler: "Was wäre Deutschland und der Welt erspart geblieben, hätten bereits vor 1933 nicht so viele Menschen weggeschaut und verdrängt, was sichtbar war an Bedrohung durch den Nationalsozialismus."

Hans Beimler freundete sich früh mit kommunistischem Gedankengut an

Hans Beimler, am 2. Juli 1895 geboren, war der Sohn eines Landarbeiters und besuchte die Volksschule in Waldthurn in der Oberpfalz, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Er erlernte das Schlosserhandwerk und trat 1913 in den Deutschen Metallarbeiterverein, eine freigewerkschaftliche Interessenvertretung, ein. Während des 1. Weltkriegs diente Beimler als Matrose, schloss sich 1918 in Cuxhaven dem Arbeiter- und Soldatenrat an und trat im gleichen Jahr über den Spartakusbund in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ein. Er kämpfte 1919 mit Parteigenossen um den Erhalt der Münchener Räterepublik mit dem Ziel, einen sozialistischen Staat in Bayern zu etablieren. Nachdem dieses Projekt gescheitert war, arbeitete Hans Beimler nach kurzer Haft wegen politischer Umtriebe als Schlosser,wurde im Münchener Stadtteil Nymphenburg KPD-Vorsitzender und engagierte sich in der Gewerkschaft. In der Zeit der Weimarer Republik machte Beimler sehr schnell Karriere. 1925 saß er in der KPD-Bezirksleitung Südbayern, wurde 1929 Augsburger Stadtrat, stieg 1932 zum Abgeordneten des Bayerischen Landtags und schließlich 1933 zum Reichstagsabgeordneten auf.

Beimler widersetzt sich den Nationalsozialisten

Nach der Machtübernahme durch das NS-Regime auf Grund des Ermächtigunggesetzes vom 24.März begann die Verfogung der politischen Gegner, insbesondere der Sozialdemokraten und Kommunisten. So wurde auch Hans Beimler am 11. April 1933 verhaftet, im Münchener Polizeigefängnis wiederholt gefoltert und schließlich am 25. April 1933 in das Konzentrationslager Dachau verlegt.

Als einem von Wenigen gelang Beimler die Flucht aus Dachau; er floh über München, Berlin nach Prag und weiter in die Sowjetunion, wo er seine Schrift "Im Mörderlager Dachau" - ein erschütterndes Dokument grausamer, menschenverachtender Haftbedingungen - vorstellte. Nachdem Beimler 1934 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, lebte er von 1934 bis 1936 in Zürich und Paris, ehe er dann 1936 am Spanischen Bürgerkrieg gegen das Franco- Regime teilnahm.

Hans Beimler bekämft das Franco-Regime

1936 reiste Hans Beimler nach Barcelona, um auf der Seite der Republikaner gegen das Franco- Regime zu kämpfen.Er half als politischer Kommissar beim Aufbau der "Centuria Thälmann" sowie der internationalen Brigaden, und unter seiner Regie sendete der erste deutschsprachige Sender in Barcelona für die Seite der Franco-Gegner. Beimler kämpfte immer wieder an vorderster Front gegen die Faschisten. Seine Siegeszuversicht soll allerdings nach Aussage von Antonia Stern, einer Freundin Beimlers, wegen zunehmender Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Volksfront gedämpft worden sein. Mit den Waffenlieferungen der Sowjetunion wollte Stalin angeblich seine politischen Auflagen über sowjetische Agenten immer rücksichtsloser durchsetzen. Dem idealistisch eingestellten Kommunisten Hans Beimler konnte, so Antonia Stern , diese Entwicklung nicht gefallen. Er wurde anfangs November 1936 als Kommissar aller deutscher Bataillone nach Madrid gerufen und auf einem Inspektionsgang zu seinen Truppen in einem Hohlweg erschossen. Ob Hans Beimler von Agenten des sowjetischen Geheimdienstes - wie Antonia Stern glaubt - oder einem feindlichen Scharfschützen getötet wurde, bleibt bis heute umstritten.

In der alten Bundesrepublik wurde Hans Beimler nach dem Krieg kaum wahrgenommen - selbst in seiner Geburtsstadt München nicht. Lediglich Augsburg gedachte mit der Beimlerstraße in Pferrsee bereits 1948 des ehemaligen Stadtrats. In der DDR dagegen wurde Beimler zum Mythos, und in Spanien verehrt man ihn bis heute als Vorbild im Kampf gegen den Faschismus und für die Solidarität mit dem spanischen Volk. Hans Beimler wurde auf dem Bergfriedhof von Montjuie in Katalonien beigesetzt. 300000 gaben ihm das letzte Geleit.

Quellen

  • Ute Krogoll: "Im Mörderlager Dachau", Artikel vom 27.01.2012 in der Augsburger Allgemeinen
  • Hans Beimler: "Im Mörderlager Dachau", herausgegeben und um eine biographische Skizze ergänzt von Friedbert Mühldorfer, PapyRossa Verlag, Köln 2011
  • Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten - Kreisverband Augsburg: "Widerstand im 3. Reich"
  • Antonia Stern: "Hans Beimler - ein Lebensweg", Paris 1957

Heinz Bayer - Ruhestand - endlich Zeit, meine Leidenschaft für das Schreiben voll auszuleben! Ich habe zwar während meiner beruflichen ...

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