Hans Fallada hat seinen wohl bekanntesten Roman „Kleiner Mann – was nun?“ zu Beginn der 1930er-Jahren geschrieben, bevor er 1932 veröffentlicht wurde. Die Entstehungszeit fällt demnach in die Zeit der Weltwirtschaftskrise. Hinter dem Pseudonym Hans Fallada (geboren am 21. Juli 1893 in Greifswald, verstorben am 5. Februar 1947 in Berlin) verbirgt sich der bürgerliche Name Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen. Sein „nom de plume“ setzt auch den Figuren aus zwei Märchen der Gebrüder Grimm zusammen, nämlich einmal aus dem „Hans im Glück“ sowie aus dem Namen des Pferdes Falada aus dem etwas unbekannteren Märchen „Die Gänsemagd“. Der Kopf des treuen Pferdes wird nach seinem Tod vom Leichnam abgetrennt und an das Stadttor genagelt, von wo aus es die wahre Identität der Gänsemagd als rechtmäßige Königstochter offenbart, so dass ihr Status am Ende des Märchens wiederhergestellt wird.
Der Roman der "kleinen Leute"
Der Roman „Kleiner Mann – was nun?!“ wird vorwiegend als Kleiner-Leute-Roman klassifiziert. Das Werk ist sicherlich dem Milieu der kleinen Leute gewidmet, allgemein ist das Stück in das Genre der Gesellschaftsstudie einzuordnen. Das Verhaftetsein dem Milieu der kleinen Leute, des Kleinbürger offenbart sich an der Figurenkonstellation um den Protagonisten Johannes Pinneberg. Fallada hat mit dem vorliegenden Roman den Begriff des „kleinen Manns“ wenn nicht geschaffen, so doch wesentlich geprägt. Fallada widmet sich dem Leben des Kleinbürgers Johannes Pinneberg, der durch die wirtschaftlichen Wirren seine Anstellung verliert und an den Rand des Existenzminimums getrieben wird. Neben seiner sozialen Einbettung geht Fallada sehr liebevoll und detailreich auf seine Beziehung zu Emma ein, deren Charakter sich mit zunehmendem Verlauf des Romans immer weiter herauskristallisiert. Während Pinneberg passiv und hilflos den Ereignissen gegenüber steht, wächst Emma an ihrer Rolle und wird durch ihre charakterliche Entwicklung zur heimlichen Hauptfigur des Romans.
Wer ist der "kleine Mann"?
Was zeichnet den Begriff des „kleinen Manns“ aus? In der noch weit bis ins 20. Jahrhundert ständisch geprägten deutschen Gesellschaft kristallisiert sich die Klasse der „kleinen Leute“ an sich erst durch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen im Folge der Weltwirtschaftskrise in den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts heraus. Es handelt sich dabei um die die Gruppe der Angestellten, die – bleibt man den Mechanismen des Klassensystems treu – eine Art Zwischenklasse zwischen der Arbeiterklasse und dem (Klein-) Bürgertum bilden. Auch wenn sich die Angestellten dem Bürgertum zurechnen, so bewirken doch die wirtschaftlichen Bedingungen in den späten zwanziger Jahren einen Abstieg zur Arbeiterklasse. Es kommt zu weit verbreiteter Unzufriedenheit, denn das Bewusstsein des Kleinbürgers verträgt sich nicht dem der Arbeiterklasse, zu denen die Angestellten stets ihre bessere gesellschaftliche Position betont hatten. Unter diesen Unzufriedenen finden Nationalsozialisten leicht zu überzeugende Wähler. Der Roman Falladas gibt nun einen Einblick in das Milieu, das Klima dieser Klasse während der Notzeit der Weltwirtschaftskrise in der Endzeit der Weimarer Republik zu Beginn der 1930er-Jahre.
Die Probleme der "kleinen Manns"
Die Gesellschaftsstudie „Kleiner Mann – was nun?!“ geht allgemein auf die Lage der Arbeitslosen und speziell jene der Angestellten in den letzten Jahren der Weimarer Republik ein. Überlagert wird die Atmosphäre des Romans von dem Gefühl der Boden-und Perspektivlosigkeit. Pinneberg sieht sich exemplarisch für seine Klasse dem neuen Phänomen der Massengesellschaft gegenüber, was in ihm die Empfindung des „entbürgerlichten Bürgers“ hervorruft. Soweit zu der gesellschaftlichen Einbettung. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund entwirft Fallada das Schicksal der Familie des kleinen Angestellten Pinnebergs. Die Stimmung ist von der Allgegenwärtigkeit von alltäglicher Tristesse, Aussichtslosigkeit, Bodenlosigkeit sowie sozialer Abstiegsangst bestimmt. In der Mitter der Erzählung steht das kleinbürgerliche Ehepaar Pinneberg, bestehend aus Frau Emma Pinneberg geborene Mörschel, liebevoll „Lämmchen“ gerufen, und Herrn Johannes Pinneberg, von Emma oft „Junge“ genannt. Angesichts dieser schwierigen, deprimierenden, äußerlichen Umständen nehmen die Pinnebergs Zuflucht zu einer Traumwelt, der auf sich beschränkten Zweisamkeit als Flucht vor der Realität.
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Weiterführende Literaturhinweise und -empfehlungen zu Hans Fallada (Auswahl):
- Hans Fallada: Kleiner Mann - was nun? 396 Seiten, Aufbau Verlag Taschenbuch (ISBN: 978-3-7466-2676-5 )
- Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein. 704 Seiten. Aufbau Verlag gebunden (ISBN: 978-3-351-03349-1 )
