
- Hans Krankl in jungen Jahren - fcbarcelona.com
Es gibt wohl keinen österreichischen Fußballfan, der seinen Namen nicht kennt. Selbst die Jungen haben schon mal von Hans Krankl gehört. Der am 14. Februar 1953 in Wien geborene Johann Krankl hat ein Kunststück vollbracht, das nur wenigen anderen Landsmännern in den letzten Jahrzehnten gelungen ist. Er brachte es als österreichischer Fußballer im Ausland zu Weltruhm.
Die Anfänge beim SK Rapid Wien
Keine Frage, Hans Krankl hat dem SK Rapid viel zu verdanken. Das Gleiche gilt aber auch umgekehrt. Der Stürmer begann seine Fußballer-Karriere beim KSV Straßenbahn Wien, bevor er 1970 erstmal das Dress des SCR überstreifte. Nach einer etwas misslungenen ersten Saison, ging der 18-Jährige ein Jahr lang äußerst erfolgreich für den Wiener AC auf Torjagd. In 26 Spielen gelangen ihm unglaubliche 27 Treffer. Einer Rückkehr zum Traditionsverein aus Hütteldorf stand somit nichts mehr im Weg. Es sollte der Start einer großen Stürmer-Laufbahn werden. Absehbar war das damals noch nicht.
Krankl wird zum Rapid-Superstürmer
Nach seiner Rückkehr nach Hütteldorf musste der Hans erst seinen Status als aufstrebendes Stürmertalent bestätigen. Mit 14 Treffern in 30 Bundesliga-Spielen gelang ihm das eindrucksvoll. Schon das kommende Jahr sollte zeigen welches Potenzial wirklich im jungen Wiener steckt. In der Saison 1973/74 schoss Krankl Rapid mit unglaublichen 36 Toren in 32 Bundesliga-Partien auf den 3. Tabellenrang.
Er wurde schnell zum Um und Auf im Angriff des Rekordmeisters und 1976 zum Rapid-Kapitän ernannt. In den Siebziger Jahren holte er sich sage und schreibe dreimal den Titel des österreichischen Torschützenkönigs. 1977/78 dann die Krönung seiner Stürmer-Laufbahn. In einer Saison gelingen dem Wunderstürmer sensationelle 41 Treffer in Österreichs höchster Spielklasse. Krankl wird dafür mit dem Goldenen Schuh als bester Torschütze in den europäischen Ligen ausgezeichnet. Spitzenteams aus ganz Europa werden auf den Wiener aufmerksam.
Zum Goleador beim FC Barcelona
Im Sommer 1978 dann die Sensation. Hans Krankl unterschreibt einen Vertrag beim FC Barcelona. Alle stellen sich die Frage, ob sich der Österreicher auch in Spanien wird durchsetzen können. Die Antwort gibt Krankl auf beeindruckende Weise. In seiner ersten Saison bei Barca krönt er sich mit 29 Meisterschaftstoren zum spanischen Torschützenkönig und holt mit den Katalanen den Europapokal der Pokalsieger. Von den Barcafans wird er dafür mit dem Namen Goleador, der wohl keiner weiteren Übersetzung bedarf, geehrt.
Nach einem Karrieretief und Problemen in Spanien kehrt Hans Krankl 1981 auf Umwegen zum SK Rapid Wien zurück. 1982 und 1983 führt er die Grün-Weißen zum Meistertitel, 1983, '84 und '85 holt er mit Rapid den heimischen Cup.
Karriere im Nationalteam
Von 1973 bis 1985 schnürte Hans K. seine Fußballschuhe auch für das Nationalteam. In 69 Spielen erzielte er 34 Tore. Unvergessen sein Auftritt bei der WM 1978 in Argentinien. Am 21. Juni kam es in Cordoba zum Spiel des amtierenden Weltmeisters Deutschland gegen Österreich. Die ÖFB-Elf gewann sensationell mit 3:2, wobei Krankl zwei Treffer zum Sieg beisteuerte. Damit war das deutsche Team aus dem Bewerb ausgeschieden. Das Spiel ging als das Wunder von Cordoba in die Geschichtsbücher ein.
Der Spieler Hans Krankl hat viel für das rot-weiß-rote Nationalteam geleistet, den unter 40-Jährigen ist aber wohl eher der Teamtrainer Krankl im Gedächtnis geblieben.
Hans Krankl, der Trainer
Nach seiner aktiven Karriere, die der Goleador nach drei Jahren beim Wiener Sportklub beim SV Austria Salzburg ausklingen ließ, versuchte sich der Stürmer als Trainer. Gemessen an seinen unglaublichen Erfolgen als Spieler, war der Trainer Krankl zum Scheitern verurteilt. Auf Klubebene blieben ihm die großen Erfolge verwehrt und doch wurde der nur mäßig erfolgreiche Trainer Krankl 2002 zum Coach der österreichischen Nationalmannschaft ernannt.
Kritiker sprachen dem Goleador die taktischen Fertigkeiten ab, um als Trainer erfolgreich zu sein. Eines muss man ihm aber auf jeden Fall zugestehen, selten hat die ÖFB-Elf einen derartig guten Motivator gehabt wie in der Krankl-Ära bis 2005. Die lebende Fußball-Legende packte seine Spieler bei der Ehre. Unter seiner Führung gab jeder 100%. Mit zehn Siegen, zehn Unentschieden und elf Niederlagen ist Krankl unter den erfolgreichsten ÖFB-Trainern zu finden.
Krankl als lebende Legende
Abseits des grünen Rasens hat sich Hans Krankl unter anderem als Sänger (legendär seine Hits wie „Lonely Boy“ und „Der Bätmän bin i“), Radio-DJ, Model, TV-Fußball-Experte und Kolumnist versucht. Ganz scheint er den Gedanken an eine erfolgreiche Trainer-Karriere noch nicht aufgegeben zu haben. Zuletzt versuchte er sich 2009 für einige Wochen als Coach des LASK Linz.
Egal, ob Hans Krankl noch den großen Durchbruch als Trainer schafft. Im Herzen der Österreicher und in den Geschichtsbüchern hat der Goleador einen Platz, den ihm keiner mehr streitig machen kann. Nicht nur wegen seiner einmaligen Laufbahn, sondern auch wegen seiner unvergessenen Kommentare. Wie sagte Krankl einst nach dem legendären Nordirland-Spiel: „Das ist irre-regulär“. Immerhin hatte die ÖFB-Elf laut seiner Aussage mit „3:3 gewonnen“.
Bleibt zu guter Letzt Krankls Leitsatz als Credo für die Zukunft: „Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär!“
