
- 60 Jahre Micky Maus-Magazin - Micky Maus-Magazin
Drohende Verbote wegen Verblödungsgefahr, Schmähungen als unnötiger Schund und Furcht vor asozialer Haltung und Gefühlsverrohung begleiteten das erste Heft bei seinem Erscheinen am 29. August 1951. Verschiedene Jugendschriftenausschüsse in Deutschland empörten sich heftig und befürchteten das Wecken „dunkler Triebe und Instinkte“ durch die Schmuddel-Comics. Die Darstellung von Geschichten allein durch Bilder mit Sprechblasen wurde als „anspruchslose Literatur für Analphabeten“ verdammt.
Die Micky Maus ist gefragt
Heute legen Sammler für eine Erstausgabe von Micky Maus bis zu 13.000 Euro auf den Verkaufstresen. Und die Nachfrage – allerdings für Menschen mit viel schmalerem Geldbeutel – ist so groß, das die ersten Ausgaben schon nachgedruckt werden. Inzwischen ist die 2906. Ausgabe auf dem Markt. Heute wie damals geschieht die Übersetzung beim ehapa-Verlag in Berlin, heute wie damals werden Anglizismen vermieden und heute wie damals gehören Sex, Gewalt, Religion und politische Meinungen zu den ausgesparten Themen. Sie sind immer noch striktes Tabu im "Micky Maus Magazin".
Micky Maus Deutschland und Dr. Erika Fuchs
Dr. Erika Fuchs verstarb 2005 im hohen Alter von 98 Jahren in München. Ihr Lebensweg war außergewöhnlich. So war sie die erste weibliche Gymnasiastin ihrer Stadt. Die promovierte Kunsthistorikerin arbeitete vorwiegend als Übersetzerin. Als Aufträge ausblieben, reiste sie zum Sitz des Verlages und wurde nach einem langen Gespräch für geeignet gehalten, „kindertaugliche Texte“ zu übersetzen und wurde Chefredakteurin des ehapa-Verlages, der einmal im Monat mit seinen drei Mitarbeitern das Micky-Maus-Heft in deutscher Übersetzung zum Kioskpreis von 0,75 DM herausgab. Schnell wuchs der Erfolg, die Auflage schnellte in die Höhe und bald erschien das Micky-Maus-Heft jede Woche. Bis 1988 war Dr. Fuchs alleinige und hauptverantwortliche Übersetzerin des Verlages und Herausgeberin des Micky Maus Magazins..
Die individuelle Textform von Dr. Erika Fuchs
Neben Sprachwitz und Intellekt (Donald: “ Die sind zu zweit, und wir beide sind ganz allein“) erinnert sich jeder alte und junge Leser beim Stichwort „Donald Duck“ sofort an Ausrufe wie
„Grummel" (bei fehlendem Einverständnis), „Schluck“ (Das muss ich erst einmal verdauen), „Ächz" (bei einer Anstrengung), „Würg" (bei Unwohlsein) und „Bibber“ (beim Frieren). Bei diesen Wortschöpfungen bedient sich Dr. Fuchs der Form der englischen Infinitive und läßt im Deutschen die Endungen der Verben aus. Mit diesem Inflektiv gelingt es ihr, den lautmalerischen Charakter der Verben hervorzuheben und über Gebühr zu betonen. Im Laufe der Jahre perfektioniert sie diesen Stil immer weiter. Kein Comic ist heute ohne diese Sprachform denkbar. Nicht ohne Grund wird diese Sprachform auch als Hommage an Dr. Erika Fuchs auch „Erikativ“ genannt..
Quellen: daserste, Tagesschau, hr, ndr, ehapa-Verlag
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