Happy Birthday, Hannelore Hoger

Die Theater- und Fernsehschauspielerin Hannelore Hoger ist am 20. August geboren - doch in welchem Jahr? Die Palette der Angaben reicht von 1941 bis 1943.

Wenn ein Rindvieh nach einem benannt wird, dann ist man wohl wirklich populär. Eine Kunst-Auktion in Niedersachsen unter dem Titel "KuhArtExpo" präsentierte zur Weltausstellung in der Landeshauptstadt Hannover vor elf Jahren eine "Hannelore-Hoger-Kuh". Es gab auch eine Doris-Dörrie- und Nina-Hagen-Kuh, eine Patrick-Lindner- und eine Gotthilf-Fischer-Kuh, allesamt grellbunt eingefärbt und exzentrisch gestaltet. Die Hannelore-Hoger-Kuh dagegen war in schlichtem Weiß gehalten; einziger Schmuck war eine schwarze Decke, und auf dem Rücken der Kuh stand eine rote Miniaturkuh.

Das Ganze war natürlich ein bisschen rätselhaft, aber das ist ja schließlich auch, in gewisser Weise, die Namenspatronin des Hausrinds. Vielleicht wird sie am 20. August gar nicht siebzig, sondern erst nächstes oder gar übernächstes Jahr. Biografische Quellen sind sich da nicht einig; das allwissende Internet bietet mal 1941 (dieses Jahr gibt auch das über jeden Zweifel erhabene Munzinger-Archiv an), mal 1942 und 1943 als Geburtsjahr an. "Jede Frau hat ein süßes Geheimnis", behauptet nicht von ungefähr ein alter Schlager.

Zu frech fürs Theater

Obwohl Hannelore Hoger vermutlich überhaupt nichts mit derlei anti-emanzipatorischen Süßholzraspeleien anfangen kann, die sich natürlich ein Mann (Franz Grothe) ausgedacht und ein anderer (Johannes Heesters, der alte Frackzausel) gesungen hat. Sie hätte den beiden die Schellackplatte wahrscheinlich um die Ohren gehauen.

Zurück zur Kuh, der schlichten weißen: Irgendwie ist das ein stimmiges Bild, denn Hannelore Hoger ist eine schlichte, geradlinige Frau. Man weiß, woran man bei ihr ist. Oder zumindest glaubt man es zu wissen. Sie wirkt nicht wie eine, die beim Drehen im Studio oder Proben auf der Bühne hysterische Anfälle kriegt. Sie ist eine, auf die man sich verlassen kann: als Künstlerin, als Mensch.

Vielleicht nicht einfach, wenn es um die Sache geht. Weil sie zu frech gewesen sei, hat sie einmal erzählt, habe sie immer weniger Rollen im Theater bekommen. Was so schlimm nun auch wieder nicht ist; so konnte sie mehr Filme machen und später Fernsehen, und dem verdankt sie schließlich ihre bundesweite Popularität.

Dickes Lob von Peter Zadek

Damals, am Theater, war sie nur einem verhältnismäßig kleinen Kreis bekannt, aber der schwärmte von der jungen Frau, die nicht im klassischen Sinne schön ist (noch so ein albernes Macho-Klischee), aber ungemein faszinierend nicht zuletzt dank ihrer herb-sinnlichen Stimme. Angefangen hat die Tochter eines Schauspielers und Inspizienten vom Ohnsorg-Theater und einer Schneiderin am Stadttheater Ulm, wo Intendant Kurt Hübner in den frühen 60er Jahren einige der interessantesten und besten Leute um sich versammelt hatte, um aufregendes, aufrüttelndes Theater zu machen: den Regisseur Peter Zadek und den Bühnenbildner Wilfried Minks zum Beispiel, und auf der Bühne standen Friedhelm Ptok und Peter Striebeck, Elisabeth Orth und eben Hannelore Hoger, die damals gerade achtzehn war.

Über sie hat Peter Zadek später geschrieben: "Schauspieler, die in der Lage sind, diesen Schwebezustand (zwischen Spiel und Realität) herzustellen, gibt es ganz selten. Ein paar von ihnen kenne ich. Eine heißt Hannelore Hoger. Sie beherrscht das Spiel zu einem hohen Grad, so dass das Spiel nie verloren geht und die Realität auch nicht." Folglich hat Zadek sie mit nach Bremen genommen, nach Stuttgart und anschließend nach Bochum: "Ihre Direktheit traf, besonders in den 60er und 70er Jahren, die Aggressionen und auch die Sehnsüchte vor allem des jüngeren Publikums sehr genau."

Als der Adenauer-Mief aus der Republik geblasen wurde

Da war sie also nun mitten drin in der Truppe, die zu den wichtigsten, experimentier- und risikofreudigsten der Bundesrepublik gehörte und hat mit ihrer Arbeit auch einen kleinen Teil dazu beigesteuert, dass der unerträgliche Adenauer-Mief allmählich aus dem Land geblasen wurde.

Später hat sich Hannelore Hoger dann dezidiert politisch engagiert. Für Willy Brandt klebte sie in den 70er Jahren Plakate. Die damalige Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein unterstützte sie unter dem Slogan "Starke Frauen für Heide Simonis" mit zahlreichen Kolleginnen bei ihrem Landtagswahlkampf. Obwohl sie eigentlich etwas gegen das Klischee von den "starken Frauen" hat. Die würden immer gleich in so eine Schublade gesteckt, wo "hart" und "kalt" und "extrem belastbar" draufgeschrieben steht.

Der klügste Kopf in der SPD

Auch mit Gerhard Schröder hat sie an einem Tisch gesessen, um mit ihm und anderen Künstlerkollegen ein "kulturpolitisches Manifest" zu verabschieden. Wobei sie beim Treffen mit dem Bundeskanzler nicht "gerade vor lauter Begeisterung vom Stuhl gefallen" ist. Überhaupt war Oskar Lafontaine für sie der "klügste Kopf in der SPD" - lang, lang ist's her. Für klüger hält sie nur noch Nelson Mandela, Woody Allen und Alexander Kluge.

Dem verdankt sie auch ihre erste Filmrolle: Sie war 1968 die Trapezkünstlerin Leni Peikert in "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos", in welcher der Zirkus eine Metapher für die Zustände in der Bundesrepublik Ende der 60er Jahre ist. Politisches hat sie auch im Film immer mehr interessiert als unterhaltsamer Mainstream, was sich in der Wahl ihrer Fernsehrollen zeigt: Klischeefrauen findet sie langweilig.

Bella Block - eine Frau mit Kopf und Köpfchen

Das über die Jahre erfolgreichste Beispiel für einen Charakter nach Hogers Geschmack ist die Kriminalkommissarin Bella Block: eine Frau mit Köpfchen und einem Kopf, der manchmal durch die Wand will (und es auch schafft). Vor allem aber ist Bella Block unberechenbar, wofür Hannelore Hoger selbst gesorgt hat: Sonst, hat sie einmal gesagt, würde sie diese Figur langweilen, und dann wäre auch ganz schnell der Zuschauer gelangweilt. Gerne hätte sie darüber hinaus - wie in der ersten Folge - einen jüngeren Liebhaber für Bella Block gehabt. Den hat man ihr jedoch nicht gegönnt.

Schade eigentlich. Denn was Männern recht ist - je höher an Jahren, desto frischer die Partnerin -, das sollte Frauen schon lange billig sein; schließlich ist denen auf der Spaßfaktor-Skala eine Zehn ebenfalls lieber als eine Null. Ganz allgemein würde Hannelor Hoger auch mehr Vertreter der 50er, 60er und 70er Jahre auf dem Bildschirm erleben wollen - und letztere nicht nur in Oma- und Oparollen. Der Jugendkult im Fernsehen sei ohnehin "eine Erfindung alter Männer mit dicken Bäuchen und jungen Geliebten".

Immerhin einen Vorteil sieht die Schauspielerin im Alter: "Ich verdiene besser. Mein Leben lang habe ich hart gearbeitet. Jetzt werde ich dafür auch anständig bezahlt."