Harry Houdini - Zauberer und Entfesslungskönig

Entfesslungskunst - Bernd Teuber
Entfesslungskunst - Bernd Teuber
Harry Houdinis Entfesslungskunststücke beruhten weniger auf Tricks, als vielmehr auf der Beherrschung seiner Muskelkräfte.

Harry Houdini wurde am 24. März 1874 in Budapest geboren. Sein richtiger Name war Erich Weisz. Die Faimlie wanderte bald in die USA aus, wo er zunächst eine Schlosserlehre begann. Das dabei erworbene Wissen konnte er später sehr gut für seine Vorführungen gebrauchen. Natürlich war Weisz kein Name für einen Illusionisten. Und so nannte er sich nach Jean Eugéne Robert-Houdin, einem französischen Zauberkünstler des 19. Jahrhunderts, den er sehr verehrte. Allerdings wandelte er den Namen ein klein wenig ab. Und er ahmte sein Vorbild auch nicht einfach nach, sondern entwickelte einen eigenen Stil. Er wollte das Unmögliche möglich machen.

Seine Shows waren regelmäßig ausverkauft. Immer wieder gelang es ihm, für Aufsehen zu sorgen. In Moskau ließ er sich beispielsweise in eine Zelle für Schwerverbrecher einsperren, in Berlin demonstrierte er, dass sämtliche Handschellen der Polizei kein Hindernis für ihn darstellten. Immer wieder forderte er die Weltöffentlichkeit heraus, ihm Fesselungstechniken zu zeigen, aus denen er sich nicht befreien konnte. Dreißig Jahre hindurch blieb er ungeschlagen. Houdini ließ sich vor die Mündung einer geladenen Kanone binden. Binnen zwanzig Minuten sollte die Zündschnur abbrennen und den Schuss abfeuern. Vor den Augen der atemlosen Menge gelang ihm die Befreiung in dreizehn Minuten. Sieben Minuten länger - und Houdini wäre von der Kanonenkugel zerfetzt worden.

Mit viel Geschick konnte sich Houdini aus jeder Fessel befreien

Houdini war besessen von seiner Arbeit und gab sich nie mit dem zufrieden, was er einmal erreicht hatte. Seine Kunststücke mussten immer sensationeller und immer perfekter werden. Mit dem Kopf nach unten - die Beine in zwei Löcher in einer Metallplatte eingezängt - wurde er langsam in einen Wassertank gesteckt, und konnte sich trotzdem befreien. Die spektakulären Kunststücke beruhten weniger auf irgendwelchen Tricks als vielmehr auf der perfekten Beherrschung der Körpermuskulatur.

In dem Moment, in dem er gefesselt wurde, spannte er bestimmte Muskelpartien an und erreichte so, dass die Fesseln verhältnismäßig locker saßen. Mit viel Geschick konnte er sich dann daraus befreien. Einige Artisten, die ihn nachahmten, verunglückten dabei. Houdini war nicht nur ein genialer Illusionist, er schrieb auch Zeitungsartikel und Bücher. Darin warnte er vor Schwindlern und Betrügern, die sich mit billigen Tricks als Spiritisten ausgaben. Er zeigte den Lesern, wie diese angeblich magischen Kräfte wirklich aussahen.

Houdini arbeitete in Hollywood als Schauspieler und produzierte einige Filme

Auch vor Gericht trat er als Sachverständiger auf, um Richtern und Geschworenen zu demonstrieren, wie die Techniken der Gauner im Detail funktionierten. Darüber hinaus arbeitete Houdini auch als Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur. Aufgrund seiner Popularität war es kein Wunder, dass Hollywood auf ihn aufmerksam wurde und einige Filme mit ihm produzierte.

Houdinis Ende war tragisch. Um seine Muskelkraft zu beweisen, ließ er sich von Zuschauern in die Magengube boxen. Normalerweise spannte er vorher die Muskulatur an, sodass er nicht verletzt werden konnte. Doch eines Abends in Detroit traf ihn ein solcher Schlag völlig unvorbereitet. Zweimal musste er operiert werden, doch den Ärzten gelang es nicht, ihm zu helfen. Harry Houdini starb am 31. Oktober 1926.

Quelle: Werner Waldmann: "Zauberkunst", Heinrich Hugendubel GmbH 1996, ISBN 3-8803-4199-0