"Harry Potter und der Halbblutprinz" - Rezension

Daniel Radcliffe als junger Zauberer im sechsten Kinofilm der Serie

Filmposter Harry Potter - Warner Brothers
Filmposter Harry Potter - Warner Brothers
David Yates setzt in der Verfilmung von "Harry Potter and the Half-Blood Prince" stark auf Komik, vernachlässigt dafür die Treue zur Buchvorlage.

Bereits zum sechsten Mal finden sich Massen von "Harry Potter"-Fans in Kinosälen ein, um die verfilmte Version des Bucherfolges der Britin J.K. Rowling zu sehen. Wie die meisten Vorgänger setzt auch der "Halbblutprinz" ein großes Vorwissen der Zuseher voraus, am besten gleich die Lektüre des Buches, denn mit Erklärungen oder genauen Details wird diesmal keine Zeit verschwendet.

Wie mit der Achterbahn durch die Handlung

Ein bisschen gehetzt fühlt sich der Film vor allem in der ersten Hälfte an. Während zahlreiche Szenen stark verändert wurden (so etwa die Anfangsszene oder der "Besuch" von Bellatrix Lestrange im Fuchsbau), ließ der Regisseur teilweise wichtige Schlüsselmomente schlicht und einfach weg. Man kann argumentieren, dass der Großteil der Zuseher ohnehin die Buchvorlage kennt und sich dessen bewusst ist, aber man verlässt den Kinosaal trotz allem mit einem etwas bitteren Nachgeschmack und vermisst all die Kleinigkeiten, die die Welt von Harry Potter so lebendig machen.

Die Komik steht im Vordergrund

Ob es an den großartigen Schauspielern liegt oder einfach am Medium Film, zu lachen gibt es auch diesmal wieder reichlich. Wem bei Rons verliebten Grimassen, ausgelöst durch versehentlich eingenommenen Liebestrank, kein Schmunzeln auskommt, der wird auch sonst nicht viel Freude an diesem Film haben. Denn "Harry Potter und der Halbblutprinz" lebt von den vielen Lachern, von Hermines schlagfertigen Kommentaren, Rons Gesichtern und Harrys großartiger Darstellung eines mit Zaubertrank Betrunkenen. Selbst Hagrids kurzer Auftritt – in dem der Halbriese eigentlich sehr traurig ist – wird stark ins Lächerliche gezogen und verliert so die Balance zwischen Tragik und Komik, die der Autorin im Buch so gut gelungen ist.

Der große Show-Down

In der zweiten Hälfte des Filmes wird es zunehmend düster und spannend. Michael Gambons Darstellung des Schuldirektors Albus Dumbledore gleicht zwar immer noch der einer Witzfigur, doch Alan Rickman als Snape macht dieses Manko durch seine faszinierende Art und seine samtig-gefährliche Stimme wieder wett. Das Ende, die großen Überraschungen (für diejenigen, die vielleicht doch ahnungslos ins Kino gehen), waren erstaunlich ernüchternd und relativ lieblos gedreht. Auch das Geheimnis um den Halbblutprinzen geht so völlig in der Handlung unter und man fühlt sich, als habe der Regisseur sich nicht ganz entscheiden können, welchen Aspekt er denn nun genauer behandeln möchte – die ersten Liebesgeschichten der Hauptcharaktere, die dunkle Bedrohung Voldemorts, den mysteriösen Halbblutprinzen oder die Erinnerungen an Tom Riddles Kindheit – und als habe er sich dann einfach entschlossen, von allem nur ein bisschen zu zeigen. Mit dem Ergebnis, dass man als Zuseher, auch als Kenner der Bücher, leicht verwirrt und ziemlich unzufrieden zurückgelassen wird.

Ein eher laues Potter-Abenteuer mit relativ hohem Lachfaktor, das einen umso mehr auf das zweiteilige Finale hoffen lässt.

Harry Potter und der Halbblutprinz. Seit 16. Juli 2009 im Kino. Regie: David Yates. Schauspieler: Daniel Radcliffe, Alan Rickman, Helena Bonham Carter. Länge: 153 min.

Originaltitel: Harry Potter and the Half-Blood Prince

Nadine Gemeinböck, Nadine Gemeinböck

Nadine Gemeinböck - Nadine Gemeinböck begann ihre Karriere im zarten Alter von 3 Jahren, mit dem sie das Lesen und Schreiben erlernte. Von dahin war es ...

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