Hartholzauenwald-Exkursion auf Halles Rabeninsel an der Saale

Fußgängerbrücke von der Rabeninsel aus gesehen - Foto: Gundula Klämt (Nov. 2011)
Fußgängerbrücke von der Rabeninsel aus gesehen - Foto: Gundula Klämt (Nov. 2011)
Für einen Ausflug in die Natur mitten in Halle (Saale) gilt die Rabeninsel als Geheimtipp: Impressionen eines Herbstspaziergangs durch das Naturschutzgebiet

Wie zur Begrüßung erklingt das „Kra Kra“ der Rabenvögel. Über die moderne Fußgängerbrücke geht es im südlich gelegenen halleschen Stadtteil Böllberg-Wörmlitz hinüber auf die Rabeninsel zwischen der Saale und einem ihrer Nebenarme - „Wilde Saale“ genannt. Ein weiterer, bereits 80 Jahre alter Übergang, die sogenannte Rabeninselbrücke, befindet sich nördlich und ist nur über die angrenzende Saaleaue von Halle-Neustadt kommend oder über die Brücke zu den Pulverweiden zu erreichen. Bis 1992 fuhr zusätzlich eine Fähre hinüber. Wie zu jeder Jahreszeit hat diese grüne Insel in der mitteldeutschen Großstadt auch im Herbst ihre Reize und zieht Spaziergänger, Jogger, Hundehalter, Radfahrer an, besonders, wenn einige Sonnenstrahlen am Himmel über Halle an der Saale scheinen.

Ab auf die Insel und die Seele baumeln lassen inmitten der Großstadt Halle (Saale)

Früher hieß die Rabeninsel auch „Krähenholz“. 1929 ging das 41 Hektar große Inselareal aus den Händen des Staates in den Besitz der Stadt Halle über. Die Rabeninsel liegt südlich der hallischen Innenstadt. Zwischen Rabeninsel und den Plattenbauten der Wohnungsgenossenschaften „Frohe Zukunft“ und „Freiheit“ am Böllberger Weg hält die Straßenbahn der Linien 1 (Frohe Zukunft-Beesen) und 6 (Reileck-Südstadt) an der Station „Böllberg“. Von dort aus ist der unverkennbare Mast der Fußgängerbrücke kaum mehr zu übersehen.

Rundgang im Naturschutzgebiet „Rabeninsel und Saaleaue bei Böllberg“

Das abgefallene Laub raschelt unter den Schritten auf dem ufernahen circa drei Kilometer langen Schlenkerweg, der rund um die Rabeninsel führt. Unter den gelblich-braunen Blättern liegt Schotter und Geröll. Das Flussbett lagerte die kleinen Steine und Sedimente bei Überschwemmungen infolge temporärer Hochwasser in den Frühjahren ab. Überhaupt ist es hier ziemlich unaufgeräumt: Bruchholz und abgeknickte Äste ragen aus dem kahlen Dickicht des Auenwaldes. Aber das ist gewollt, denn die Rabeninsel ist seit 1996 Bestandteil des insgesamt etwa 90 Hektar umfassenden Naturschutzgebietes „Rabeninsel und Saaleaue bei Böllberg“. Darum soll das Leben der Flora und Fauna hier möglichst natürlich, also weitestgehend ohne menschliche Eingriffe verlaufen. An einer Kurve im Süden der Rabeninsel rauscht das Saalewasser kraftvoll in den Nebenarm der „Wilden Saale“. Auf dem Fluss sind Ruder- und Kanusportvereine aktiv.

Mühlenruine als Kindergarten – Gruseln inbegriffen

Nach so viel Idylle läuft einem auf Höhe der Schleuse Böllberg beim Anblick der sich im Flusswasser spiegelnden Ruine der Böllberger Mühle ein Schauer des Grauens über den Rücken. Erste Datierungen der Mühle gehen bis 987 zurück. Wie auch die Rabeninsel befand sich die Böllberger Mühle im 13. Jahrhundert im Besitz des Klosters Neuwerk. Beide wurden mit der Auflösung des Klosters im 16. Jahrhundert dem Amt Giebichenstein zugeteilt. Später ging die Mühle zunächst in Privat- und schließlich mit Gründung der DDR in Staatsbesitz über. Zu Beginn der DDR-Zeit wurde Mischfutter produziert. Aufgrund der veralteten Technik wurde die Mühle stillgelegt und in Teilen erstaunlicherweise als Kindergarten und -heim genutzt. Nach der Wende war das bereits damals mehrfach ausgebrannte alte Backsteingebäude am gegenüber liegenden Ufer bis zu den drei letzten Großbränden zwischen 1992 und 1994, die es schließlich zur Altlast machten, technisches Denkmal.

Einzigartige Hartholzaue im urbanen Raum

Auch quer über die Rabeninsel führen weitere vier bis fünf Wege, die es sich zu gehen lohnt. Sie führen durch das Dickicht typischer Baumarten der Hartholzaue, wie Stiel-Eichen, Eschen, Flatter- und Feld-Ulmen zu Reh- und Märchenwiesen. Im üppigen Unterholz sind Holunder, Weißdorn, Haselnuss, Trauben- und Kornelkirsche vertreten. Außer Krähen, die zu zehntausenden auf der kleinen Insel überwintern, sind im urbanen Raum seltene Vogelarten, wie etwa Drossel, Nachtigall, Heckenbraunelle, Zaunkönig, Schwarzspecht, Weidenlaubsänger, Pirol, Klappergras- und Mönchsgrasmücke anzutreffen und zu hören. Im Frühling soll hier ein bunter Teppich aus Buschwindröschen, Waldgoldstern, Hohlem Lerchensporn, Geflecktem Aronstab und Gelben Windröschen blühen.

Alarmsignal für den Naturschutz ist der Nordteil der Rabeninsel

In Richtung Norden wird der wertvolle Auenwaldbestand stetig karger und der Stickstoff-Anzeiger Brennnessel macht sich zunehmend breit. Zu bemängeln sind außerdem etliche beschädigte Bänke. Über die Rabeninselbrücke gelangt man in die Untere Saaleaue und weiter gen Norden zur Pferderennbahn. Wegen seiner Seltenheit wurde der wertvolle Flussauenwald unter Naturschutz gestellt. Das bedeutet der Natur zuliebe ist der Besuch auf die Wege zu beschränken, Hunde sind an der Leine zu führen und Müll darf nicht arglos entsorgt werden. Selbstverständlich verhält man sich in Naturschutzgebieten ruhig und lässt die Pflanzen/-teile unberührt stehen und liegen. Die Gaststätten auf der Insel sind geschlossen worden.

Quellen:

  • Informationstafeln auf der Rabeninsel und an der Fußgängerbrücke am Böllberger Weg
  • „Böllberger Mühle“ unter HalleForum.de

Gundula Klaemt - Liebe Leserinnen und Leser, als universitärer Master of Science (M.Sc., früher Dipl.-Ing.) in "Umweltschutz" interessieren ...

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