
- Besuch bei der Tiertafel - Tiertafel Deutschland
Rund 26 Millionen Haustiere werden derzeit in Deutschland gehalten. In Familien erfreuen sich oft Kinder ebenso wie deren Eltern an den tierischen Mitbewohnern. Für Alleinstehende ist nicht selten, besonders im Alter, das Haustier der "engste Vertraute". Aber die Tierhaltung hat auch ihren Preis: Ein mittelgroßer Hund beispielsweise verbraucht monatlich Futter im Wert von mindestens 60 bis 100 Euro. "Spezialfutter bei Allergien, Übergewicht oder anderen Krankheiten kann durchaus bis zu 200 Euro im Monat kosten", erklärt Claudia Hollm vom Verein "Tiertafel Deutschland". Hinzu kommen 120 Euro Hundesteuer im Jahr und völlig unkalkulierbare Tierarztkosten. Allein die notwendige Dreifachimpfung für Jungtiere wird mit etwa 50 Euro berechnet, eine Kastration liegt bei 110 Euro, wer ein Tier sterilisieren lässt, muss mit 250 Euro rechnen.
6,5 Millionen Menschen lebten im September 2009 in einer Bedarfsgemeinschaft nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II), waren also umgangssprachlich formuliert Hartz-IV-Empfänger und mussten zum Beispiel als Alleinstehende von einem monatlichen Regelsatz von 359 Euro leben. "Dennoch wollen viele Bedürftige sich nicht von ihrem Haustier trennen, verzichten lieber auf das eigene Frühstück als beim Futter ihres Lieblings Abstriche zu machen", sagt Evamarie König vom Berliner Tierschutzverein. Das gehe auch mitunter so lang gut, bis einmal eine tierärztliche Behandlung notwendig werde.
Es gibt bei Bedürftigkeit keine staatliche Hilfe für Tierhalter
Der Gesetzgeber legt sich hier klar fest. "Tierärzte müssen sich an die offizielle Gebührenordnung halten, auch wenn in seltenen Einzelfällen ein kleiner individueller Handlungsspielraum im Ermessen des jeweiligen Mediziners liegt", betont der Landestierschutzbeauftragte in Berlin, Dr. Klaus Lüdcke. Gerade im Krankheitsfall des Haustieres führt deshalb der Weg besonders häufig in eines der 519 Tierheime in Deutschland. Die Zahl der Aufnahmen aufgrund finanzieller Not steigt hier in den vergangenen Jahren stetig. Besonders alte und chronisch kranke Haustiere werden immer häufiger abgegeben.
- Überdenken Sie deshalb Ihre bisherigen Prioritäten bei den Ausgaben. Richten Sie diese auf die Tierhaltung aus, statt beispielsweise überflüssige Investitionen ins Auto oder die Anschaffung von elektronischen Geräten zu tätigen.
- Bemühen Sie sich um Futterspenden, die man unter Umständen (mit abgelaufenen Verfallsdatum) bei kleineren Futtermittelvertrieben erhält.
- Versuchen Sie zumindest eine kleine finanzielle Rücklage für den tierärztlichen Notfall zu schaffen.
- Sollte Ihr Tier erkranken, versuchen Sie einen Arzt zu finden, der sich im Idealfall (noch) auf eine Ratenzahlung einlässt.
- Wer bereits bedürftig ist, sollte sich kein neues Haustier anschaffen. Experten empfehlen stattdessen, einen sogenannten Pflegeplatz anzubieten. Dazu meldet man sich beim Tierschutzverein oder einer Tiertafel und nimmt ein dort abgegebenes Haustier bei sich zur Pflege auf. Entstehende Futter- und Arztkosten werden dann in aller Regel von den Vereinen übernommen.
Unkonventionelle Direkthilfe bieten die Tiertafeln
Seit 2006 hilft die "Tiertafel Deutschland e.V." Menschen, die ihre Bedürftigkeit mit einem Hartz IV- oder Rentenbescheid nachweisen können, ihre Tiere trotz Armut möglichst artgerecht zu halten. So wird in derzeit 23 Stationen deutschlandweit einmal wöchentlich für die rund 18.000 registrierten Haustiere entsprechendes Futter für jeweils vier bis fünf Tage an die Halter ausgegeben. Darüber hinaus erhält man aus Sachspenden beispielsweise Leinen, einen Kratzbaum für Katzen oder einen Futtertrog. Bei der Berliner Tiertafel sind am Ausgabetag auch ein Tierfriseur, ein Hundetrainer und eine Tierheilpraktikerin anwesend, die im Bedarfsfall kostenlos ihre Dienste anbieten. Außerdem steht eine Sozialarbeiterin zur Verfügung, die bereits in vielen Fällen unterstützend tätig werden konnte wenn es darum ging, zum Teil institutionelle Hilfe zu organisieren, die nicht immer mit der Tierhaltung direkt zu tun hatte.
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