Zu den bekannten psychischen Nebenwirkungen von Cannabis zählen Sedierung, Euphorie, Missstimmung, Gefühl des Kontrollverlustes, Einschränkung der Gedächtnisleistung, veränderte Zeitwahrnehmung, Depression, Halluzinationen; Denkleistung und psychomotorische Leistungsfähigkeit sind vermindert.
Akute Nebenwirkungen von Hanf
Akute, häufig auftretende physische Nebenwirkungen sind ein trockener Mund, Bewegungsstörungen, Muskelschwäche, eine verwaschene Sprache, Steigerung der Herzfrequenz, Blutdruckabfall im Stehen, eventuell gepaart mit Schwindelgefühl. Alle akuten Nebenwirkungen sind dosisabhängig und verschwinden ohne spezifische Therapie im allgemeinen innerhalb von Stunden. Cannabis besitzt darüber hinaus ein Suchtpotential.
Konsum von Cannabis versus medizinische Anwendung
Im Rahmen einer Erkrankung ist Abhängigkeit kein vehementes Problem, ungeachtet dessen können Entzugssymptome (Angst, Unruhe, Speichelfluss, Durchfall) unerwünscht sein. Diese wurden bisher nicht bei Patienten beschrieben, die chronisch mit THC behandelt worden sind, allerdings bei Konsumenten beobachtet, die Cannabis zu Rauschzwecken nutzten.
Beeinflussung von Psychosen durch TCH
Der Verlauf einer Psychose vermag durch THC ungünstig beeinflusst zu werden. Bei entsprechend veranlagten Personen kann möglicherweise der Ausbruch einer Psychose beschleunigt werden. Für eine Vielzahl von Wirkungen ist die Entwicklung einer Toleranz beschrieben, darunter für die psychischen Reaktionen, die psychomotorische Beeinträchtigung, Wirkungen auf Herz und Kreislauf, das Hormonsystem, Augeninnendruck und brechreizhemmende Effekte.
Die Gegenwart in Fakten: Hat Cannabis eine Zukunft?
Das weltweit einzige Dronabinol-Fertigpräparat ist das in den USA hergestellte und dort zugelassene Marinol. Zwei deutsche Firmen stellen Dronabinol aus Faserhanf her, welches von Apotheken zur Herstellung von Arzneimitteln erworben werden kann.
Ein Milligramm Marinol kostet je nach Packungsgröße etwa drei bis fünf Euro, etwa fünfzigmal mehr als natürliche Cannabisprodukte. Der Apothekenabgabepreis beträgt derzeit 534 Euro. Die Kosten für Dronabinol betragen weniger als ein Drittel des Marinol-Preises. 500 Milligramm liegen für den Apotheker bei 210, für den Patienten bei etwa 465 Euro. Die Krankenkassen sind nicht zur Kostenübernahme verpflichtet, natürliche Cannabisprodukte aber sind auch für Patienten nicht legal. Dies gilt selbst für homöopathische Präparate.
Illegalität versus Kosten
Eine wichtige "Nebenwirkung" von Cannabis dürfte somit seine Illegalität sein, die neben der Kriminalisierung von Patienten auch die Reinheit des Angebotes, die damit einhergehende Problematik der Dosierung beinhaltet. Dies haben bereits die Ärzte des 19. Jahrhunderts erfahren - heute wäre es lösbar: Durch auf ihren THC-Gehalt standardisierte, freigegebene Cannabisprodukte natürlichen Ursprungs.
Nach einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vom Juni 2006 befürworten 77 Prozent der Deutschen die medizinische Verwendung von natürlichen Cannabisprodukten, wenn die Krankenkassen die Kosten einer Behandlung mit Dronabinol nicht übernehmen. Das Verbot von Cannabis, so das Ärzteblatt im November 2000, sei ein kollektiver Irrweg.
Literaturhinweise
- Ärzte Zeitung, 13.10.2008 und 21.10.2008, Ärzteblatt 11/ 09
- Dr. med. Franjo Grotenhermen, Hanf als Medizin, AT Verlag, Baden und München 2004
- M. Maurer, Therapeutische Aspekte von Cannabis in der westlichen Medizin, 3. Symposium über psychoaktive Substanzen und veränderte Bewusstseinszustände in Forschung und Therapie. ECBS, Göttingen 1989
- Möller, H., Flenker, I., Cannabis als Arzneimittel. Dtsch. Apoth. Ztg. 141, 2001
- Anand Petal., Pain 2008
- Dr. C. Rätsch, Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. 8. Auflage, 2007, AT Verlag, Aarau 1998
- Schmidt, Sebastian, Die THS-Pille auf Rezept, Hanfblatt 1996
- Dr. Wolf-Dieter Storl: Kräuterkunde. Aurum im Kamphausen Verlag, Bielefeld 2006
