Hat die Serie "Anna und die Liebe" eine Zukunft?

Die Diskussion unter Fachleuten wirft zahlreiche Fragen zur Soap auf

Jeanette Biedermann und Roy Peter Link - SAT.1 / Claudius Pflug
Jeanette Biedermann und Roy Peter Link - SAT.1 / Claudius Pflug
Die neue Telenovela mit Jeanette Biedermann in der Titelrolle hat keinen guten Start erwischt. Die Quoten der täglichen Serie auf SAT.1 enttäuschen. Woran liegt das?

Das Onlinemagazin Quotenmeter.de ist ein von Film- und Fernsehmachern hochgeschätzter Informationsdienst. Die Redakteure Manuel Weis und Fabian Riedner diskutieren in ihrer Ausgabe vom 09. September 2008 unter der Headline Pro und Contra darüber, ob die Serie „Anna und die Liebe“ eine Zukunft hat oder nicht.

Worum geht es bei „Anna und die Liebe“?

Die Telenovela erzählt die Geschichte der jungen Berlinerin Anna Polauke, die es nicht schafft, ihre extreme Schüchternheit in Situationen oder Menschen gegenüber zu überwinden, die für sie wichtig sind. Ihr Traum ist eine Karriere bei der Werbeagentur Broda und Broda am Kurfürstendamm. Dass Anna sich zudem in den Juniorchef Jonas Broda verliebt, erleichtert ihr Leben nicht gerade. Die Entertainerin und Schauspielerin Jeanette Biedermann ist in der Titelrolle zu sehen; der Schauspieler Roy-Peter Link als Jonas Broda.

Durchschnittlich zehn Prozent der für die Werbekunden der Privatsender wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer schalten täglich ein; was nahezu und abgerundet die Hälfte des Marktanteiles ausmacht, den die Serie „Alles was zählt“ (kurz: AWZ) erreicht. Diese läuft quasi zur gleichen Zeit auf RTL und spricht dieselbe Zielgruppe an. Um die zehn Prozent Marktanteil sind für SAT.1 zu wenig, da sich nach diesen Zahlen der Umsatz errechnet, den SAT.1 mit den im Umfeld dieser Serie platzierten Werbespots erzielt. Am 10. September 2008 wurden nur 7,4 Prozent Marktanteil erreicht. Ein Tiefschlag für die Serie.

Die Ansicht von Quotenmeter.de: Fabian Riedner sieht noch Chancen für einen Erfolg

Mit Ausnahme des Erfolgformats „Verliebt in Berlin 1“ mit Alexandra Neldel mussten alle neuen Soaps und Telenovelas am Ausstrahlungsbeginn um ihre Zuschauer kämpfen. Den Serien „Lotta in Love“ (ProSieben) und „Schmetterlinge im Bauch“ (SAT.1) ist es nicht gelungen, erfolgreich zu werden. Die RTL-Serie „Alles was zählt“ erreicht nach schlechtem Start inzwischen fast täglich 20 Prozent Marktanteil innerhalb der Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer. Fabian Riedner von Quotenmeter.de räumt auch „Anna und die Liebe“ noch eine Chance ein, zum Erfolg zu werden. Er setzt jedoch voraus, dass die Geschichten weniger banal werden. Er kritisiert die Einfallslosigkeit der Drehbuchautoren. Fabian Riedner meint, dass spannendere Drehbücher und ein Beschleunigen der Werbemaschinerie „Anna und die Liebe“ noch nach vorne bringen könnte.

Manuel Weis widerspricht der Ansicht seines Kollegen Fabian Riedner und sieht wenig Chancen

Der Chefredakteur von Quotenmeter.de, Manuel Weis, bezieht sich ebenfalls auf AWZ und stellt fest, dass diese Serie sich auch deswegen zum Erfolg für RTL entwickelt hat, weil die zum Zeitpunkt der Premiere von AWZ zeitgleich laufende Serie „Verliebt in Berlin 2“ mit Tim Sander fast die Hälfte der Zuschauer vom unmittelbaren Vorgänger „Verliebt in Berlin 1“ verloren hat: Das Format verlor zehn von 20 Prozent Marktanteil.

Nun ist „Anna und die Liebe“ mit Jeanette Biedermann zwar prominent besetzt, aber das Publikum von „Alles was zählt“ ist nicht unzufrieden mit seiner Serie. Wieso sollten also die Fans der Serie von RTL den Geschichten und ihren inzwischen im Laufe von 500 Folgen liebgewonnenen Charakteren den Rücken kehren und zu „Anna und die Liebe“ wechseln? Zumal die Geschichten insgesamt spannender rüberkommen, als bei „Anna und die Liebe“.

Manuel Weis sieht wie sein Kollege Riedner ebenfalls Schwächen in den Geschichten, die er als zu harmlos und weichgespült einstuft. Doch er räumt Nachbesserungen keine Chancen mehr ein, „Anna und die Liebe“ noch erfolgreich werden zu lassen, weil diese wegen der langen Produktionsvorlaufzeit zu spät greifen würden.

Tragen Jeanette Biedermann und Roy-Peter Link die Schuld an den schlechten Quoten?

Unzählige Auszeichnungen und ein hohes Maß an Popularität prädestinieren Jeanette Biedermann geradezu für eine solche Serienhauptrolle. Sie verleiht der Anna Anmut und Charme und trifft damit mitten ins Herz der Zuschauer. Roy-Peter Link gibt zwar in der Bild-Zeitung zu, seinen Lebenslauf durch Hinzufügen einer Schauspielausbildung geschönt zu haben, doch nötig hat er es nicht: Der telegen aussehende Link liefert eine gute Performance ab und hat sicher noch Potential für eine erfolgreiche Fernsehzukunft. An der Hauptrollenbesetzung scheitert „Anna und die Liebe“ also nicht.

Wer ist nun wirklich verantwortlich?

Allein die Programmplanung von SAT.1! Auch die Actionserie „GSG9“ scheiterte an zu schlechten Quoten, weil der Sender sie kampflustig gegen den Marktführer dieses Genres, „Alarm für Cobra 11“, programmiert hatte. Stellen sich die Eigentümer von SAT.1 schon die Frage, wieso man bei SAT.1 mit derart hohen Investitionen, wie es Serien nun einmal sind, derart riskant umgeht und dabei aus Fehlern nicht einmal lernt?

„Anna und die Liebe“ wäre besser auf einem Sendeplatz um die 18 Uhr 40 aufgehoben gewesen, um sich im Interesse der Fans (Kundschaft) nahezu nahtlos zwischen „Marienhof“ und „Alles was zählt“ in die Soapschiene einzufügen. Auch Christian Popp, der Produzent der Serie, soll dieser Auffassung gewesen sein und soll dagegen gewesen sein, die Serie gegen AWZ zu platzieren.

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