Vier bis sechsmal am Tag sowie kein- bis einmal in der Nacht gelten als normale Frequenz der Urinentleerung. Das individuelle Trinkverhalten ist stark an die Häufigkeit gekoppelt. Wer am Tag nur zwei Tassen Kaffee und ein Glas Saft oder Mineralwasser zu sich nimmt, hat natürlich gegebenermaßen weit weniger Harndrang als die Vertreter einer täglichen großen Trinkmenge von zwei bis drei Litern Flüssigkeit. Auch die Ernährung spielt eine große Rolle. Obst und Gemüse bestehen zwischen 80 und 90 Prozent aus Wasser, können nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen durchaus zur Trinkmenge hinzugerechnet werden und haben natürlich auch Einfluss auf die Häufigkeit des Toilettengangs.

Wer bisher sein ganzes Leben lang öfters Wasser lassen muss, wird diesem Umstand keine besondere Bedeutung zukommen lassen, da es ja immer schon so war und zur Normalität gehört. Wenn sich jedoch plötzlich mehr oder weniger schnell eine Erhöhung der Frequenz zeigt, ist dies ein Zeichen dafür, dass im Körper etwas abläuft, was gegebenenfalls sogar eine Krankheit als Grund hat.

Die häufigsten Ursachen für häufiges Wasserlassen

  • Blasenentzündung
Der Harnwegsinfekt ist mit der häufigste Grund für ständigen Harndrang. Die klassischen Begleitsymptome sind Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen, aber es kann durchaus auch eine Zystitits ohne diese Symptomatik vorliegen.

  • Gutartige Prostatavergrößerung
Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist eine recht häufig vorkommende gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse im höheren Lebensalter des Mannes. Typische Beschwerden sind zunehmende Probleme beim Wasserlassen, die sich in einem längeren Warten zu Beginn des Toilettenganges, einer Erhöhung der Frequenz, einem abgeschwächten Harnstrahl und Restharnbildung bis hin zum Harnverhalt im fortgeschrittenen Stadium äußert. Auch können während des Urinierens Schmerzen auftreten und der Harn noch nach Beendigung nachtröpfeln.

  • Diabetes mellitus
Bei einem Diabetes kann je nach Typ I oder II der Körper das produzierte Insulin nicht oder nur unzureichend verwerten oder es wird kaum oder überhaupt kein Insulin mehr produziert werden. Ab einem Blutzuckerwert von 160-180 mg/dl wird ein Teil der Glucose von den Nieren in den Urin abfiltriert. Diese Abfiltration bewirkt jedoch, dass dem Körper Wasser entzogen wird und dadurch das Harnvolumen steigt. Das gesteigerte Harnvolumen bewirkt häufiges Wasserlassen meist in Kombination mit erhöhtem Durst.

  • Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft wächst die Gebärmutter und drückt auf die Blase, was zu einem vermehrten Wasserlassen führt. Aber nicht selten haben einige Frauen schon ganz zu Beginn der Schwangerschaft vermehrt Harndrang. Dies beruht auf der Tatsache, dass die Blutzufuhr zu den Unterleibsorganen erhöht ist, wovon die Blase auch betroffen ist. Sie wird irritiert und reagiert bereits bei kleinen Urinmengen, so dass die werdende Mutter den Drang verspürt, ihre Blase entleeren zu müssen.

  • Reizblase
Bei einer Reizblasensymptomatik meldet der Blasenmuskel fälschlicherweise ein starkes Harndrangsignal, obwohl die Blase nur wenig gefüllt ist. Es finden sich keine organischen Veränderungen und die Ursache ist unbekannt. Oft sind die Beschwerden an bestimmte Situationen und Voraussetzungen gekoppelt. In der Diskussion steht die Annahme, dass die Nerven einen falschen Füllungszustand der Blase an das Gehirn signalisieren. Weitere Informationen finden Sie im Artikel: Reizblase – Ursachen, Symptome und Therapie.

  • Diuretika
Diuretika, in der Umgangssprache auch Wassertabletten genannt, bewirken, dass die Nieren verstärkt Wasser und Natrium ausscheiden. Sie werden unter anderem zur Therapie des Bluthochdrucks und der verminderten Pumpleistung des Herzens (Herzinsuffizienz) und zur Ausschwemmung von Ödemen eingesetzt.

Weitere Gründe für häufiges Wasserlassen und ständigen Harndrang können sein: Blasensteine, bestimmte Nierenerkrankungen, neurologische Erkrankungen, Diabetes insipidus, Blasen- und Prostatakrebs.

Medizinische Abklärung erkennt die Ursachen und leitet spezifische Therapie ein

Häufiges Wasserlassen und ständiger Harndrang - die Gründe sind vielseitig und reichen vom freudigen Ereignis einer Schwangerschaft über eine meist harmlose und unkompliziert verlaufende Blasenentzündung, eine organisch nicht zuzuordnende Reizblase bis hin zu schweren Erkrankungen. Eine medizinische Abklärung sollte nicht lange hinaus gezögert werden, um eine behandlungsbedürftige Symptomatik möglichst schnell zu therapieren.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel niemals ärztlichen Rat ersetzen kann!