Hautpflege mit Gerbstoffen

Hautcreme - Ricarda Schünadel
Hautcreme - Ricarda Schünadel
Die Nutzung von pflanzlichen Gerbstoffen bei der Lederherstellung und ihre Bedeutung heute in Medizin und Kosmetik, besonders bei Hautproblemen.

Pflanzen schützen sich unter anderem durch unangenehmen Geschmack. Gerbstoffe schmecken bitter, doch schon sehr früh fanden Menschen heraus, dass sie Tierhäute durch die Behandlung mit bestimmten Pflanzen – nämlich gerbstoffhaltigen – vor dem Fäulnisprozess schützen und widerstandsfähig machen konnten. Häute, eines der ältesten bearbeiteten Materialien der Menschen, wurden gegerbt, das heißt zu Leder verarbeitet.

Pflanzliche Gerbstoffe kommen in Blättern, Rinden, Hölzern und Früchten vor. Eine besonders wichtige Stellung bei der Gerbung mit Pflanzenstoffen nimmt die Eichenrinde ein. Heutzutage werden sowohl Gerbstoffe pflanzlichen Ursprungs als auch synthetisch hergestellte in Lösungen, Cremes und Salben eingesetzt. Hier gewinnt die synthetische Herstellung an Bedeutung, da so eine gleich bleibende pharmazeutische Qualität besser gewährleistet werden kann. Außerdem besteht nicht die Gefahr, dass unerwünschte Begleitstoffe enthalten sein könnten.

In der Lederindustrie gibt es bedeutende Hersteller, die aus Umweltschutzgründen auf rein pflanzliche Gerbung zurückgehen. Sie wollen jede Behandlung mit Chemie vermeiden.

Wie wirken die Gerbstoffe?

Beim Gerben werden Eiweißstoffe der Haut – sowohl der Tierhaut, die man nutzen möchte, als auch der zu pflegenden menschlichen Haut – gebunden und in eine widerstandsfähige, unlösliche Verbindung gebracht. Durch das Aufbringen von Gerbstoffen in hoher Konzentration vernetzen sich die Proteine und mit der zusammenziehenden Wirkung entsteht stabiles Leder. In sehr niedriger Konzentration auf die menschliche Haut aufgebracht, reagieren auch hier die Gerbstoffe mit den kollagenen Fasern und verbinden sich mit dem Hauteiweiß. Das Gewebe wird oberflächlich verdichtet, fester, unempfindlicher und bildet eine Schutzschicht. Bakterien können nicht mehr eindringen, Wunden heilen oder es kommt gar nicht erst zu Hautdefekten. Durch die Verdickung der Haut kann Feuchtigkeit besser in der Haut gespeichert werden. Das hat nicht nur kosmetisch einen positiven Effekt, sondern schützt auch vor Kälte. Das bedeutet, die Austrocknung wird gemindert und dadurch entstehen weniger Juckreiz und weniger gerötete Hautreizungen.

Bedeutung der Gerbstoffe in der Hautpflege

Seit etwa vierzig Jahren verlässt man sich nicht mehr nur auf die positiven Erfahrungen, die man in der Hautpflege mit Gerbstoffen gemacht hat, sondern forscht und kann nun wissenschaftlich nachweisen, dass Gerbstoff in sehr niedriger Konzentration adstringierend (zusammenziehend) wirkt, die Haut widerstandsfähiger macht, die Wundheilung fördert, reizmildernd und keimhemmend wirkt und Juckreiz stillt. Durch die zusammenziehende Wirkung werden auch geringe Blutungen gestillt und der Schweißaustritt verringert.

So gibt es viele wichtige Einsatzgebiete für Lotionen, Cremes und Salben bei Patienten mit Entzündungen, Reizungen, Ekzemen und oberflächlichen Verletzungen. Große Bedeutung haben gerbstoffhaltige Pflegemittel auch bei Neurodermitis. Nicht nur, dass die empfindliche Haut widerstandsfähiger wird, man kann die Behandlung mit kortisonhaltigen Präparaten verringern. Durch die gute Verträglichkeit finden Pflegeprodukte mit Gerbstoffen auch häufig Anwendung bei Kindern.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Quellen:

onmeda.de

kraeuter-verzeichnis.de

reformhaus-fachlexikon.de

medizinfo.de

hautpflege-online.com

uni-greifswald.de

Ricarda Schünadel - freie Autorin - Roman, Kurzgeschichten

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