Die Ankunft auf dem Flughafen von Havanna ist wie die Ankunft in einer anderen Welt. Es ist nicht die Ankunft in einer anderen Zeit, denn rückständig kann das Land nicht bezeichnet werden, auch wenn so einiges im Lande aus einem Museum zu kommen scheint. Vom verblassenden Glanz alter Zeiten ist immer wieder zu lesen. Aber von welchem Glanz ist die Rede? Ist die Zeit gemeint, als Kuba Urlaubsgebiet und Vergnügungsinsel der USA war? Oder die Zeit, aus der viele der schönen Gebäude im historischen Kern Havannas stammen? Geglänzt hat damals wohl nur die Gier im Auge des Diktators Batista oder früher die Freude der Plantagenbesitzer über soviele kostengünstig arbeitende Sklaven auf den Feldern der Karibikinsel.

Es ist aber wahr, dass die Vergangenheit die Insel geprägt hat und auch ein halbes Jahrhundert Regierung unter der kommunistischen Partei hat Spuren hinterlassen.

Havanna hat einen eigenen Geruch

In Havanna riecht die Luft anders. Er fängt einen ein, sobald das Flugzeug verlassen wird und wird den Besucher fortan begleiten, egal wohin in der Stadt er sich begibt. Ein Teil des Geruches stammt bestimmt von den Oldtimern aus den fünfziger und sechziger Jahren, die auch heute noch in den Straßen unterwegs sind. Ein anderer Teil wahrscheinlich von dem großen Anteil übrig gebliebener Fahrzeuge aus der Sowjet Ära. Woraus sich der Rest zusammensetzt ist schwer zu definieren. Es ist wenig Verkehr für eine Großstadt mit über 2 Millionen Einwohnern, aber das ist normal für Havanna. Die meisten Bewohner haben kein Auto. Bis vor wenigen Jahren gab es noch die Camellos. Große Sattelschlepper, deren Anhänger zu Bussen umgebaut wurden. Mittlerweile wurden diese durch normale Großraumbusse ersetzt.

In einigen Hotels Havannas wird die Vergangenheit lebendig

Der Weg vom Flughafen zu einem der Hotels führt durch die Stadt, vorbei an alten Fabriken und Häusern, die wie es scheint dringend einen neuen Anstrich bräuchten. Aber das ist Teil des Charmes, den Havanna ausstrahlt. Dazu gehören einige der alten Hotels, die auch heute noch betrieben werden – und in neuem Glanz erstrahlen. Das Hotel Nacional liegt, nur durch den Malecón getrennt, am Meer. Es hat auf Kuba Geschichte geschrieben. Das Hotel Inglaterra ist eine Institution. In der Nähe des Kapitols in der Innenstadt gelegen, lässt sich hier eintauchen in das kubanische Leben. Am Abend auf der Dachterrasse mit kubanischer Musik fühlen sich vergangene Zeiten, in denen Ernest Hemingway auf Kuba lebte, sehr nah. Tatsächlich befinden sich Hemingways Lieblings-Bars, die Bodeguita del Medio und die Bar Floridita nur ein paar Straßen entfernt und haben auch heute noch geöffnet.

Havannas Hafen hat ein besonderes Flair

Es sind auch keine fünf Minuten zum Hafen Havannas. Die ölige Brühe, die an das Ufer schwappt gehört allerdings auch dazu. Das Öl kommt vermutlich von den Raffinerien, die am anderen Ende des Hafens zu sehen sind. Davon abgesehen ist die Hafengegend bestimmend für das Flair der karibischen Stadt. Es gibt zwei Fährlinien. Eine verbindet die Innenstadt mit dem gegenüberliegenden Stadtteil Casablanca und der darüber liegenden Christus-Statue, einem meist ruhigen Aussichtspunkt mit eindrucksvollem Blick auf Havanna. Eine andere Fähre verbindet den Stadtteil Regla mit dem historischen Zentrum. Nahe der Raffinerien ist es ein Arbeiterviertel und auch Treffpunkt für Anhänger verschiedenster in Havanna ausgeübter okkulter Aktivitäten.

Direkt am Fähranleger liegt eine kleine Kapelle, vor der tagsüber Priester und Meister verschiedenster Glaubensrichtungen auf ihre Anhänger warten. Die hier weit verbreitete Santería ist vertreten, aber auch andere ähnliche Kulte. Daneben Kartenleger und Wahrsager.

Der Malecón ist Havannas Flaniermeile

Der Malecón ist die Küstenstraße Havannas und Stolz seiner Bewohner. Bricht der Abend an darf ein Spaziergang am Malecón nicht fehlen. Liebespaare machen die Straße zum Ziel ihrer Spaziergänge, die Fischer Havannas werfen ihre Angeln aus, auch wenn sie nie wissen, ob sie etwas fangen oder nicht. Gläubige der Santería rufen Yemayá an, die Gottheit des Meeres. Zwischen all dem Spaziergänger, die die Frische des Meeres suchen und Verkäufer die „cucuruchos de mani“ anbieten, kleine Tüten mit gerösteten Erdnüssen.

Vor allem ist der Malecón ein schöner Ort und der Besuch ist kostenfrei. Nach wie vor ein wichtiger Punkt für die meisten Kubaner, denn obwohl auf Kuba seit kurzem 178 Berufe des Kleingewerbes privatwirtschaftlich erlaubt sind, wirtschaftlich geht es den Bewohnern der Insel nicht gut.