HBO: Die Sender-Marke

Weltweit erfolgreich durch Qualitätsserien wie "Sex and the City"

Schreiber-Icon - Illustration: Friederike Rave
Schreiber-Icon - Illustration: Friederike Rave
Das erfolgreiche Geschäftsmodell des amerikanischen Abo-Kanals HBO, die derzeit bekannteste Adresse für innovative, eigenproduzierte US-Serien wie "True Blood".

Der Werdegang von HBO ist eng mit der Geschäftspolitik des Senders verknüpft. Mit dem Anstieg der DVD-Verkäufe und der Vermehrung von Spielfilmkanälen mit mehrmaligen Sehmöglichkeiten für einen Film sind die eigenproduzierten Serien des Abo-Kanals von immenser Bedeutung für sein Image. Indem HBO sich als Abonnementenkanal direkt seinen Zuschauern anbietet, ist er frei von den restriktiven Auflagen der öffentlichen Sender und muss auch nicht den Werbekunden gefallen. HBO ist es auf diesem Wege möglich Sendungen zu produzieren, die sein kühnes Marketingslogan bestätigen: It’s not TV, it’s HBO.

Werbeslogan mehr als leere Worte "It’s not TV, it´s HBO"

Während das öffentliche Fernsehen einen großen Anteil seines Programms mit billig produzierten Reality-Formaten wie "Big Brother", "Survivor" und "Frauentausch" bestreitet, besteht das Marketingkonzept von HBO daraus, sich selbst als ein Markenprodukt an die Kunden zu verkaufen, das nicht wie gewöhnliches Fernsehen daherkommt.

Der Sender muss seinen Werbekunden nicht gefallen und so können die Verantwortlichen ihren Showrunnern ein nahezu unbegrenztes Maß an kreativer Freiheit ermöglichen. Dies können dann Serien mit teilweise kontroversen Themenmaterial produzieren, die mit Standards bezüglich Sex, Gewalt, Nacktheit und vulgärer Ausdrucksweise aufwarten, die es so im normalen US-Fernsehen nicht zu sehen gibt.

HBO bietet exklusive Eigenproduktionen und ein kundenorientiertes Programmschema

Damit die Kunden HBO abonnieren anstatt sich mit dem mittelmäßigen Programmangebot der öffentlichen Sender zufrieden zu geben, werden Serien wie "Sex and the city" oder "Die Sopranos" produziert, um ihnen ein gutes Gefühl für ihre Kaufentscheidung zu vermitteln, da sie nirgendwo anders ein solches Programmangebot bekommen.

Dabei ist die Programmierung so gestaltet, dass sie flexibles Sehen erlaubt und somit geschäftige Lebensstile in Rechnung nimmt. Eine Serie wie "True Blood", die am Sonntag Premiere hat, wird danach in der Woche noch mehrmals wiederholt. Diese Methode zahlt sich zum Vorteil von HBO aus, da der Sender die Einschaltquote für eine Serienepisode aus der Premiere und den anschließenden Wiederholungen zusammenrechnen kann. Die daraus resultierende Quote schneidet dann im Vergleich mit einer Networkserie wie "The Mentalist" relativ gut ab.

HBO-Serien bekommen Zeit ihr Publikum zu finden

Obgleich heftiger Promotion des Originalprogramms, unter anderem auf der Internetseite des Senders, und den zahllosen Lobpreisungen der Senderverantwortlichen kontroversen Programminhalt zu produzieren, kommt es überraschend, dass man auch eine Menge gewöhnliches Fernsehen auf dem Kabelkanal findet. Es sind nicht Hochglanzproduktionen wie "Big Love" oder "Deadwood", sondern Sportereignisse wie Boxen und Sendereihen wie die "Real Sex Series", die die Quotenbringer sind und die Sendeplätze füllen.

HBO ist damit doch gar nicht so verschieden wie andere Fernsehstationen, besonders wenn man bedenkt, dass der Sender lediglich ein Unternehmenszweig von Time Warner Inc. ist. Hierzu gehört auch Warner Brothers TV, Produzent von Mainstreamserien wie "Without a trace" oder "E.R.".

Da woanders im Unternehmen das Geld gemacht wird, kann es sich der Mutterkonzern Time Warner bei HBO erlauben, den eigenproduzierten Serien Zeit zu geben, sich ein Publikum aufzubauen. Stimmt allerdings weder die inhaltliche Qualität einer Serie noch die Quote, dann kann es bereits nach nur einer Staffel das Aus für diese bedeuten, wie es zum Beispiel im Fall des Surferdramas "John from Cincinetti" der Fall gewesen ist.

(Quelle: Kim Akass/Janet McCabe: Reading Six Feet Under)

Harald von Treuenfels, Fotograf: Horst Werner

Harald von Treuenfels - Mitte der 1990er Jahre entdeckte ich meine Leidenschaft zum Film, die mit einem wöchentlichen Besuch im Kino kultiviert wurde. Damals ...

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