heartliners – bis(s) zum Erbrechen, Roman von Edda Klepp

Cover heartliners - Verlag eigene.werte
Cover heartliners - Verlag eigene.werte
Der Roman heartliners über eine Zombieromanverfilmung verbindet eine böse Satire auf den Landestheatermief mit Zitaten aus der Glamourwelt der Bis(s) Romane

Größenwahn gepaart mit Unfähigkeit hat Methode und das vom Portier bis zum Intendanten. So könnte eine kurze Zusammenfassung des Teils von „heartliners“ lauten, der am Theater Dinkelsbühl spielt. Die Autorin Edda Klepp arbeitet selbst als Regieassistentin und Regisseurin, sie weiß also wohl, wovon sie spricht.

Nicht wirklich entscheidend anders geht es in den Augen der Autorin in der großen Welt des Films zu. Regisseur Gigi hat sich die Rechte zur Verfilmung des Zombiebestsellers „Deadliners“ gesichert und setzt diese nun mit Hilfe seiner Assistentin Betty, seiner Tochter Julia und wenig Geld in die Tat um. Die „Deadliners Trilogie“ ist Klepps literarisches Alter Ego der „Biss – Romane“ von Stephanie Meyer. Die Bis(s) belesene Tochter des Rezensenten konnte einzelne der beschriebenen Filmszenen mühelos als Bis(s) Zitate identifizieren. Und sogar der Rezensent hatte es bemerkt, obwohl er, außer von seiner Katze, noch nie einen Biss in der Hand hatte, sonst hätte er die Tochter ja nicht gefragt.

Die Story des Romans „heartliners“

Richard Löning, seines Zeichens vom Bühnenarbeiter zum Nebendarsteller aufgerückter Mitarbeiter des Theaters Dinkelsbühl, fliegt zu einem Casting nach London, wo er den Roy aus der „Deadliners Trilogie“ geben soll. In seiner Begleitung, neben einer großen Verunsicherung und Flugangst, ein „im doppelten Sinne eingebildetes Frettchen“. Es existiert nämlich einerseits nur in Richards Phantasie und konfrontiert ihn andererseits mit unangenehmen Wahrheiten aus seinem Inneren.

Richard hat nicht nur mit seinem psychischen Innenleben zu kämpfen, sondern über große Teile des Romans auch mit seinem Verdauungstrakt. Letzteres führt dazu, dass er sich bei seiner späteren Filmpartnerin Julia einführt, indem er ihr ins Dekolletee kotzt. Das Kotzen und die mangelnde Körperhygiene ist ein Leitmotiv, das die Figur Richard Löning durch den Roman begleitet.

Der Film wird ein Erfolg, Richard Löning zum Star. Dem Starruhm und seinen unangenehmen Konsequenzen ist er als Landei aus Dinkelsbühl auf Dauer nicht gewachsen. Er möchte lieber mit seiner Filmpartnerin Julia Kinder in die Welt setzen und in Ruhe leben.

Was will uns „heartliners“ sagen?

„Dieses Buch erhebt keinerlei Anspruch auf Anspruch“ stellt die Autorin ihrem Werk als Präambel voran. Nun es erhebt zumindest den Anspruch zu unterhalten und das tut es auch. Richard, der reine Tor – rein im geistigen Sinne, nicht im Sinne der Körperpflege – und sein gerissener, aber dennoch erfolgloser, Bruder Wolfram bieten in comedyhafter Verflachung der Charaktere eine Spielwiese für überspitzt klischeehafte Situationen, die den modernen Showbetrieb aufs Korn nehmen. Man darf der Autorin allerdings anlasten, dass sie als wichtigstes satirisches Stilmittel die maßlose Übertreibung etwas exzessiv einsetzt. Es mag damit auf schräge Weise Kritik am heutigen Comedyhumor geübt werden, dem Buch hätte etwas feine Ironie oder ein bisschen hintersinniger Humor gut getan. Auch Richard Lönings Psychofrettchen ist damit leider überfordert.

Positiv hebt sich das Buch durch ein sorgfältiges Layout aus der Masse gegenwärtiger Buchproduktionen heraus. Gedankliche Einschübe, ironische Kommentare und ähnliche kleine Auflockerungen werden durch Schriftart und grafische Elemente aus dem Text herausgehoben, die Drehbuchszenen sehr großzügig in altertümlichem Dramenstil dargestellt. Gut getroffen ist Sprache und Stil der Auseinandersetzungen in Internetforen und auch hier ist die Darstellung im Layout konsequent. Die sorgfältige verlegerische Arbeit macht neugierig auf weitere Bücher aus dem Verlag “eigene.werte“ aus Bremerhaven.

Insgesamt gelingt der jungen Autorin Edda Klepp in ihrem Erstling „heartliners“ eine in Teilen amüsant zu lesende Satire auf Theater und Showbizz. Etwas schade ist, dass die überraschende Wendung am Schluss des Romans durch ein geschmackloses Zitat aus dem Leben der Lady Di überlagert wird.

Edda Klepp: heartliners. Verlag eigene.werte, 2010. Taschenbuch, 245 Seiten, Euro 10,50

Rainer Hitzler , Rainer Hitzler

Rainer Hitzler - Wie so viele Autoren bin ich Autor aus Berufung, fast seit ich lesen und schreiben kann. Mittlerweile 50 Jahre alt kann ich somit auf ...

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