
- Sunsetboat - aboutpixel.de / Sunsetboat © jacques Kohler
Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ berichtet, trieb ein Flüchtlingsboot mit 72 Frauen, Kindern und politischen Flüchtlingen 16 Tage lang im Mittelmeer, nachdem der Treibstoff ausging. Von diesen 72 Flüchtlingen haben nur 11 überlebt.
Nun wird behauptet, dass die Hilferufe von mehreren europäischen Militäreinheiten – unter anderem auch von der NATO – ignoriert wurden. Per Satellitentelefon hätten die in Rom einen Mittelsmann erreicht, der wiederum die italienische Küstenwache verständigt hätte. Ein Hubschrauber sei schließlich gekommen, um Trinkwasser zu bringen und Hilfe zu versprechen, die jedoch nie gekommen war. Später hätten die Flüchtlinge zwei Jets gesehen, die tief über ihrem Boot hinweg flogen, doch auch danach kam keine Hilfe.
"Every morning we would wake up and find more bodies, which we would leave for 24 hours and then throw overboard," berichtet Abu Kurke, einer der Überlebenden, gegenüber dem “Guardian”. "By the final days, we didn't know ourselves … everyone was either praying, or dying." (Quelle) Übersetzt bedeutet dies: “Jeden Morgen wachten wir auf und fanden neue Leichen, die wir nach 24 Stunden über Bord warfen. An den letzten Tagen kannten wir uns selbst nicht mehr…jeder war dabei, entweder zu beten oder zu sterben.“ Mit den letzten Wasserreserven wollte man die zwei Säuglinge, die an Bord waren, retten – doch auch dies misslang.
Scharfe Kritik
Hilfeorganisationen verlangen eine Untersuchung des Falls und das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) verlangt eine bessere Zusammenarbeit von kommerzieller und militärischer Schifffahrt im Meer, um Menschenleben zu retten. "The Mediterranean cannot become the wild west," sagte Sprecherin Laura Boldrini dem “Guardian”. "Those who do not rescue people at sea cannot remain unpunished." (Quelle) Übersetzt bedeutet dies: “Das Mittelmeer darf nicht zum Wilden Westen werden. Jene die Menschen auf See nicht retten dürfen nicht unbestraft bleiben.“
Scharfe Kritik gibt es auch von Vater Moses Zerai, ein eritreischer Priester in Rom: "There was an abdication of responsibility which led to the deaths of over 60 people, including children. That constitutes a crime, and that crime cannot go unpunished just because the victims were African migrants and not tourists on a cruise liner." (Quelle) Übersetzt bedeutet dies: Hier gab es einen Verzicht auf Verantwortung der zum Tod von über 60 Menschen, darunter Kindern, führte. Das stellt ein Verbrechen dar, und dieses Verbrechen darf nicht unbestraft bleiben nur weil die Opfer afrikanische Migranten waren und keine Touristen auf einem Kreuzfahrtschiff.“
NATO dementiert
Ein Sprecher der NATO hingegen behauptet, es hätte keinen Hilferuf des Bootes empfangen und hätte auch keine Aufzeichnungen des Unfalls. Das offizielle Statement der NATO lautet wie folgt: "Nato units are fully aware of their responsibilities with regard to the international maritime law regarding safety of life at sea. Nato ships will answer all distress calls at sea and always provide help when necessary. Saving lives is a priority for any Nato ships." (Quelle) In Übersetzung heißt das: “NATO Einheiten sind sich völlig ihrer Verantwortung im Bezug auf das internationale Seerecht bezugnehmend der Sicherheit von Leben auf dem Meer bewusst. NATO Schiffe werden jeden Hilferuf auf See beantworten und immer Hilfe anbieten, wenn sie notwendig ist. Leben zu retten ist eine Priorität für alle NATO Schiffe.“
