
- Rosenkranz weiß von nix - Peter Lachnit
Barbara Rosenkranz ist Österreichs "Parademutter". Immerhin hat sie dem Land zehn Kinder geschenkt. Für die FPÖ des sehr weit rechts stehenden Heinz-Christian Strache stieg sie in den Wahlkampf um die Bundespräsidentschaft ein. Es wäre die erste Frau auf diesem Posten gewesen. Jetzt ermittelt die österreichische Staatsanwaltschaft gegen einen ihrer Söhne.
Die heikle Nacht
Zu später Stunde soll Volker Rosenkranz am Tag vor der Präsidentschaftwahl am 24. April in einen Zwischenfall verwickelt gewesen sein. In der Anzeige, die dem Nachrichtenmagazin "News" in der Ausgabe vom 22. Juli 2010 vorliegt, hat das Landespolizeikommando Wien diesen Zeitpunkt bestätigt. Am 25. April fand die Bundespräsidentenwahl statt. Laut vorliegenden Unterlagen des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LTV) Wien und der Wiener Polizei war Volker Rosenkranz vor dem Wiener Rathaus und hat eine Gruppe von Schülern, die gerade den "Ball der Wiener Schulen" verließen, angepöbelt und zwei Mal die Äußerung "Heil Hitler" getätigt und einen Schüler gestoßen.
Anzeige wegen Wiederbetätigung
Jetzt wird gegen Volker Rosenkranz - Sohn der FP-Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz - von der Staatsanwaltschaft Wien wegen des Verdachts des Verstoßes gegen den Paragraph 3g des Verbotsgesetzes ermittelt. Volker Rosenkranz hat in besagter Nacht behauptet, der Sohn der Präsidentschaftskandidatin zu sein, was ihm vorerst nicht geglaubt wurde. Erst als Schüler nach der Wahl Fotos der Präsidentschaftskandidatin mit ihren Kindern sahen wurde Volker Rosenkranz als Sohn von Barbara Rosenkranz identifiziert. Die Ermittlungen wurden demnach am 29. April 2010 vom LVT Wien aufgenommen, die Zeugen einvernommen. Zuständiger Staatsanwalt ist Stefan Apostol, der diese Woche bereits die Anklage gegen den Holocaust-Leugner Gerd Honsik führte.
Gesprochen oder nicht gesprochen?
Gegenüber dem Nachrichtenmagazin "News" meinte Barbara Rosenkranz über die vorliegende Anzeige :"Ich weiß davon nix. Ich muss da erst mit meinen Sohn darüber reden." Zur Austria Presse Agentur sagte sie, sie habe bereits mit ihrem Sohn über die Vorwürfe gesprochen. "Mein Sohn hat sehr glaubwürdig geschworen, dass er das natürlich nicht gesagt hat. Eine derartige Aussage würde auch überhaupt nicht zu ihm passen." Jetzt könnte man sich fast fragen, ob der Sohn Volker seiner Familie sehr weit weg steht. Denn die gebürtige Salzburgerin begann nach der Matura ein Studium der Geschichte und Philosophie an der Universität Wien, das sie nicht beendete. Sie heiratete Horst Rosenkranz, einen ehemaligen Aktivisten der wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung 1988 in Österreich verbotenen rechtsextremen National Demokratischen Partei (NDP). Barbara Rosenkranz ist eine sehr intelligente Frau, die allerdings ihre Mittel zu sehr überdenkbaren Verhaltensmustern einsetzt. Eventuell fällt der Apfel doch nicht so weit vom Stamm.
Für alle in diesem Artikel genannten Personen gilt jegliche Unschuldsvermutung.
