Das Stadtarchiv Heilbronn bietet seit einigen Jahren während der Sommerferien Führungen an, die eindrucksvolle Blicke hinter die Kulissen der Stadt gewähren. Ein vielbeachtetes Thema war die Geschichte der Heilbronner Bahnhöfe. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn AG, dem Heilbronner Eisenbahnclub und dem Süddeutschen Eisenbahnmuseum Heilbronn-Böckingen ging es Zug um Zug in die Vergangenheit.

1848 erhielt Heilbronn seinen Eisenbahnanschluss nach Stuttgart. Karl Etzel plante den ersten Heilbronner Bahnhof als Kopfstation. Der Bahnhof befand sich in der Bahnhofstraße 8, einem runderneuerten Gebäude, das seit 2004 das Kolping-Bildungszentrum beherbergt. In nördlicher Richtung schließt sich das geplante Areal für die Bundesgartenschau 2019 an den Standort an. Angeführt wurde der Rundgang von Roland Feitenhansl. Er hat seine Doktorarbeit über die Geschichte der Bahnhöfe in Baden-Württemberg geschrieben und darüber ein Buch verfasst. Unter den Teilnehmern waren Jürgen Lang, heutiger Manager des Heilbronner Hauptbahnhofs, und Peter Kurz, quasi dessen Amtsvorgänger mit der damaligen etwas sperrigen Berufsbezeichnung "Niederlassungsleiter Netz". Kurz kam 1983 nach Heilbronn und war zuvor Leiter der Bahnhofsschule in Kornwestheim.

Heilbronn: Alte Reichsstadt - junge Weinstadt

Einen besonderen Höhepunkt stellen bei historischen Rundgängen stets Besichtigungen von Kellern und alten Gewölben dar. Und davon sind in der alten Reichsstadt Heilbronn, deren Stadtkern bei einem verheerenden Bombenangriff am 4. Dezember 1944 zu 80 Prozent zerstört worden war, noch unzählige vorhanden. Die meisten zum Bedauern vieler verbaut oder aus anderen Gründen nicht mehr zugänglich. Auch die Bahnhofstour führte durch zwei große Kellergewölbe, begleitet von Rufen der Begeisterung. Es gehört nicht allzuviel Vorstellungskraft dazu, sich auszumalen wie sich ein restauriertes Gewölbe als Weinausschank machen würde. Das würde der Weinstadt Heilbronn gut zu Gesicht stehen, doch Ausbau und Sanierung eines Jahrzehnte lang brachliegenden Gewölbes unter Einhaltung aller Sicherheitsauflagen sind nahezu unbezahlbar.

Einen gewaltigen Unterbau besitzt der Heilbronner Hauptbahnhof. Die Wände sind aus Sandstein und erstaunlich gut erhalten. Im einstigen Kohlenkeller befand sich die Dampfheizung. Die Ausmaße lassen die riesigen Proportionen auch heute noch erahnen. 1874 entstand am Standort des Hauptbahnhofs ein Neubau. Er fiel dem Luftangriff des Ersten Weltkriegs zum Opfer. Elemente dieses Vorgängerbaus sind im Untergrund heute noch zu finden, beispielsweise die Ansätze eines Treppenaufgangs.

Herman Koziol: Mädchen mit Fisch

Ein spannendes Thema war auch die wechselvolle Geschichte des Bahnhof-Restaurants. Seit vielen Jahren ist es fest in chinesischer Hand. Davor machten das Café Aquarium oder das Café Peppermint von sich reden, ganz früher war die Tanzschule Wolf dort untergebracht, die viele Jahre später an der Allee ihren Standort hatte. Sehr gut erhalten sind die Wände aus Ahorn und Rüster, einer Ulmenart. Die Statue "Mädchen mit Fisch" des Künstlers Hermann Koziol steht fast unbeachtet in der Ecke und fristet dort ein unauffälliges Dasein. Ganz im Gegensatz zu dem bekannten Buntglasfenster, das sich oberhalb der Unterführung zu den Bahngleisen befindet. Dort befanden sich bis in die 60er Jahre noch Schalterhäuschen, an denen jeder Passant kontrolliert wurde. Auch das große Wandmosaik über dem heutigen Service-Zentrum erregt die Aufmerksamkeit von Jung und Alt. Darunter befand sich bis in die 70er Jahre die Gepäckannahme.

Weitere Informationen zu Besichtigungstouren und Objekten gibt es beim Heilbronner Stadtarchiv.