Am Beispiel der Heilbronner Nordstadt wird deutlich, was dabei herauskommen kann, wenn Bürger sich an der Verschönerung ihres Wohnquartiers aktiv beteiligen. Die Heilbronner Nordstadt ist ein Paradebeispeil für gelungene Teamarbeit. Das Ergebnis ist nicht nur äußerlich sichtbar. Ganze Straßenzüge haben ein neues Gesicht erhalten, aber, schöner noch: Das gemeinsam angegangene Projekt hat die Bewohner zusammengeschweißt. Viele der realisierten Maßnahmen sind auf Initiative oder in direkter Zusammenarbeit mit den Anwohnern entstanden. Und nun sind sie stolz wie Bolle, an der Verschönerung ihres persönliches Umfelds maßgeblich mitgewirkt zu haben.

Initiative "Soziale Nordstadt" soll helfen, soziale Unterschiede ausgleichen

Die Nordstadt gehört seit 2002 zum Förderprogramm „Soziale Stadt" - einer Initiative des Landes Baden-Württemberg und einzelner Kommunen. In der Heilbronner Nordstadt leben rund 5000 Menschen aus 29 Nationen. Neben städtebaulichen Veränderungen war das vorrangige Ziel, die kulturellen, sprachlichen und sozialen Unterschiede auszugleichen, eine gemeinsame Entwicklung zu ermöglichen und die Identifikation mit dem Stadtteil zu stärken.

Neues Familienbildungszentrum ist das erste seiner Art in Baden-Württemberg

4,2 Millionen Euro sind derzeit für Bauvorhaben vorgesehen, davon bezahlt die Stadt Heilbronn zwei Millionen Euro. Ziel ist es, die Wohnqualität zu verbessern. Zudem lösen solche Investitionen erfahrungsgemäß auch private Folgeinvestitionen aus.

Frisch umgestaltet ist beispielsweise die Dammstraße: Eine verengte Fahrbahn ermöglicht breitere Gehwege, Baumquartiere, Sitzgelegenheiten und neue Parkplätze. Im gleichen Stil erfolgte der Umbau der Sichererstraße. Dort ist für 655.000 Euro ein Neubau für das Familienbildungszentrum (Early-Excellence-Center) entstanden, direkt beim Kindertagheim Olgakrippe. Das Familienbildungszentrum ist das erste seiner Art in Baden-Württemberg. Dort sollen zukunftsweisende Konzept für integrierte Bildung und Erziehung umgesetzt, Stärken und Kompetenzen der Kinder gestärkt und Elternarbeit forciert werden.

Quartiersgarten soll zum Herzstück des Stadteils werden

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Realisierung eines Quartiersgartens. Er soll nicht nur ein Stück Natur zurück in das dicht besiedelte Quartier bringen, sondern zusammen mit dem Familienbildungszentrum das Herzstück künftigen Stadtteilebens bilden. Der Quartiersgarten wird zunächst von Kindergärten, Schulen, der Kirchengemeinde und Diakonie genutzt. Die Diakonie wird mit einer eigens eingestellten Fachkraft Spiel-, Freizeit- und Beratungsangebote für die Nordstadtbewohner erarbeiten und so den Zugang zum Garten an Nachmittagen, in den Schulferien und an Wochenenden ermöglichen. Auch die Ausgestaltung des Quartiersgartens zum Beispiel mit einer Tischplatte aus Mosaiken, mit Holzmöbeln, einer Geschirrhütte oder einem Windspiel haben Bewohnergruppen übernommen.

Neues Lebensgefühl für einen sozialen Brennpunkt

In den vergangenen Jahren waren schon der Spielplatz in der Lessingstraße sowie Grünanlagen in der Paulinenstraße und in der Sicherer-/ Ecke Wartbergstraße ausgebaut worden. Bevor dem Gemeinderat das Projekt zur Genehmigung vorgelegt wurde, fanden Gespräche mit den Nordstadtbewohnern statt. Es wurde notiert, wo Defizite waren, die ganze Wohnsituation in dem als sozialer Brennpunkt geltenden Stadtteil, kam auf den Tisch. Analysen, Ideen, Wünsche und Visionen wurden formuliert - immer unter Beteiligung der Anwohnern. BIs schließlich ein plausibles Konzept zur Verbesserung der Kommunikation und der Integration verabschiedet werden konnte und dem Stadtteilleben neuen Atem einhauchte und allen Beteiligten ein neues Lebensgefühl gegeben hat. Ein Versuch, der gelungen ist. Zur Nachahmung empfohlen.

Soziale Themen mit Kultur verbinden

Grundlage für eine Vielzahl von Projekten bieten die Themen Kunst, Kultur und Architektur, die durch die Anwohner in Zusammenarbeit mit Heilbronner Künstlern umgesetzt werden, bei Bedarf unterstützt durch städtische Einrichtungen wie den Städtischen Museen oder dem Stadttheater. Den organisatorischen Rahmen stellen vor Ort ansässige Einrichtungen wie Schulen, Diakonie oder das Familienzentrum in der Sichererstraße. Entstanden sind ein „Poesiepfad", der durchs Viertel führt. „Schattenrisse" von Schulkindern säumen die Straßen, großformatige Fotos zeigen, wie die Bewohner ihr Viertel sehen. Und bei Baumschnitzaktionen werden die Straßen zu Freilichtateliers.