
- Heilpflanze Blassfarbener Sonnenhut (Echinacea pallida) - Dr. Gerald Albach
Fließt das Blut im Schuh des Manitu, kaut ein Indianer die Wurzel des Sonnenhuts und deckt die Wunde mit dem Wurzelbrei zu: Indianer und Kleingärtner kennen keinen Schmerz – steckt jedoch die Grabgabel nicht in der Erde, sondern im Fuß des Gärtners, bewirkt eventuell die Wurzel des Blassfarbenen Sonnenhuts (Echinacea pallida) aus dem Staudenbeet wahre Wunder bei der Wundheilung. Der Blassfarbene Sonnenhut gehört zur phytotherapeutischen Vorhut von neun verschiedenen nordamerikanischen Igelköpfen, die traditionell als Heilpflanzen von den Medizinmännern verschiedener Indianerstämme eingesetzt wurden. Die winterfesten Stauden eignen sich mit ihrem Igelkopf auch als Phytotherapie für das Auge im Staudengarten.
Sonnenhüte stiften manchmal Verwirrung unter Akademiker-Hüten
Der Blassfarbene Sonnenhut ist gegenüber dem Purpur-Sonnenhut etwas kleinwüchsiger und blasser, der Sonnenhut ruht in einer Höhe von etwa 40 bis 100 Zentimetern auf einem aufrechten und unverzweigten Stängel. Vom Sonnenhut hängen die Strahlenblüten blasspurpurn und schlappohrig herab. Von den Sonnenhut-Arten werden als Heilpflanze vorwiegend drei Arten verwendet: der Schmalblättrige Sonnenhut (E. angustifolia), der Blassfarbene Sonnenhut (E. pallida) und der Purpur-Sonnenhut (E. purpurea). Durch Hybridisierung mit E. artrorubens wurde der Schmalblättrige Sonnenhut häufig mit dem Blassfarbenen Sonnenhut verwechselt. Auch sonst werden die Sonnenhüte schon mal verwechselt: So bestellte einst Dr. Gerhard Madaus in Nordmerika für den Arzneipflanzenanbau das Saatgut des Schmalblättrigen Sonnenhuts, erhielt aber Samen des Purpur-Sonnenhuts – aber auch dessen Wirkstoffe zeigten Wirkung.
Die Heilpflanze: Echinaceae Pallidae Herba & Radix
Wenn die Igelköpfe der Sonnenhüte in den Monaten Juli bis September erblühen, ist das ein Fest für Bienen, pollenfressende Käfer und den Heilpflanzenanbau – in Deutschland wurden 2003 etwa 75 Hektar der Sonnenhüte angebaut. Zur Blütezeit werden die oberirdischen Pflanzenteile als Arzneidroge "Echinaceae Pallidae Herba" geerntet. Aus dem Presssaft des frischen Krauts werden dann Dragees oder Tabletten hergestellt. Die unterirdische Pfahlwurzel des Blassfarbenen Sonnenhuts wird dagegen erst im Herbst gesammelt und getrocknet (Echinaceae Pallidae Radix). Man unterscheidet in den Arzneidrogen hauptsächlich vier Wirkstoff-Klassen: Die Alkamide, Glykoproteine, Kaffeesäure-Derivate und Polysaccharide.
Auch Sonnenhut-Studien stiften Verwirrung unter Akademiker-Hüten
In über 100 verschiedenen pharmazeutischen Präparaten stecken die etwa 100 bekannten Inhaltsstoffe des Sonnenhuts. Bei wissenschaftlichen Studien führten Inhaltsstoffe der Sonnenhüte wiederholt zur Verwirrung unter den Akademiker-Hüten: Über 300 Studien widmen sich dem Wirkungsnachweis der Wirkstoffe. Doch verwenden die Untersuchungen oft verschiedene Echinacea-Arten, unterschiedliche Pflanzenteile und Extrakte, oder Kombinationspräparate mit anderen Pflanzen-Wirkstoffen. Trotz der Studienverwirrung weiß man mittlerweile, dass die verschiedenen Wirkstoffe in den verschiedenen Medikamenten manchmal wie Umckaloabo eine stimulierende Wirkung auf das Immunsystem von Mensch und Tier haben. Einige Studien zeigen zum Beispiel eine positive Wirkung gegen Erkältungen in der Homöopathie und Phytotherapie, oder gegen oberflächliche Wunden und andere Krankheiten – andere Studien wiederum nicht.
Das Staudenbeet: die sonnige Prärie Nordamerikas
Der ökologische Sonnenhutanbau in Deutschland zeigt, dass der frostharte Sonnenhut sich auch im heimischen Staudengarten wohlfühlt. Die Heimat des Prärie-Igelkopfs ist die steinige öde Prärie Nordamerikas, sind bewaldete sonnige Abhänge und Lichtungen: Ein perfekter öder Ort im sonnigen Staudenbeet sollte einen nicht zu schweren, humosen und nährstoffreichen Boden aufweisen. Um Staunässe zu vermeiden, darf der Boden ruhig etwas sandig sein und sollte einen schwach alkalischen bis neutralen pH-Wert zwischen pH 6 und 7 haben. Sonnenhutanbauer pflanzen in einem Reihenabstand von 40 bis 50 Zentimeter. Die Vermehrung des Sonnenhuts erfolgt durch eine Aussaat ab Februar im Gewächshaus, oder ab Mitte April direkt auf den öden Ort. Eine Wurzelteilung kann man im Herbst vornehmen. Im Frühjahr kann man mit Kompost düngen, während der Vegetationsperiode mit anderen organischen Düngern.
Systematik
Abteilung: Magnoliophyta – Bedecktsamer
Klasse: Rosopsida – Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige
Unterklasse: Asteridae – Asternähnliche
Ordnung: Asterales – Asternartige
Familie: Asteraceae – Korbblütengewächse
Unterfamilie: Asteroideae (Tubuliflorae) – mit Röhrenblüten und Zungenblüten
Stamm: Heliantheae
Gattung: Echinacea – Sonnenhut
Art: Echinacea pallida Nuttall (Nutt.) – Blassfarbener Sonnenhut oder Prärie-Igelkopf.
Weitere Informationen und Literatur
- Herbert Hanus, Klaus-Ulrich Heyland und Ernst R. Keller (Herausgeber, 2006): Handbuch des Pflanzenbaues. Band 4 – Ölfrüchte, Faserpflanzen, Arzneipflanzen und Sonderkulturen. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. ISBN 978-3-8001-3203-4.
- Bernd Hoppe (2005): Studie zum Stand des Anbaus von Arznei- und Gewürzpflanzen in Deutschland (2003) und Abschätzung der Entwicklungstrends in den Folgejahren.
- European Food Safety Authority (EFSA, 2005): Echinacea sp. Study on the Assessment of Plants/Herbs, Plant/Herb Extracts and Their Naturally or Synthetically Produced Components as "Additives" for Use in Animal Production.
- Ronald L. McGregor (1968): The taxonomy of the genus Echinacea (Compositae). University of Kansas Science Bulletin, 48, Seite 113 bis 142.
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