Heilpflanze Bärlauch - Anbau & Ernte im Garten

Der Schwachzehrer eignet sich für Direktsaat oder Zwiebel-Pflanzung

Bärlauch: Schattenpflanze aus unseren Laubwäldern - Dr. Gerald Albach
Bärlauch: Schattenpflanze aus unseren Laubwäldern - Dr. Gerald Albach
Bärlauch fühlt sich im Naturgarten im Schatten einer Wildsträucher-Hecke pudelwohl. Als Schwachzehrer benötigt er keine besondere Pflege und kann ab März geerntet werden.

Früher war der Bärlauch wohl häufiger in unseren Gärten zu finden, denn schon der Römische Kaiser Karl der Große (747 bis 814) führte in der Landgüterverordnung Capitulare de villis vel curtis imperii die "uniones" auf, mit der wohl Bärlauch und Winterzwiebel gemeint waren. Heute gibt es wieder eine Rückbesinnung und Renaissance alter Heilpflanzen und Wildgemüse-Arten in deutschen Gärten und im ökologischen Landbau, sogar die Pharma-Industrie zeigt verstärkt Interesse an den Inhaltsstoffen und Anbaumethoden alter Heilpflanzen und Arzneipflanzen, die vormals in der Volksmedizin genutzt wurden. Trotzdem wird der Bärlauch bis heute überwiegend aus Wildsammlungen gewonnen, obwohl zum Beispiel die Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising schon Anbauversuche unternahm, gilt der Bärlauch-Anbau momentan noch als unwirtschaftlich. Doch hat man ein halbschattiges Plätzchen im Garten frei, könnte der Bärlauch dort seine neue Heimat finden.

Bärlauch ist ein Schwachzehrer aus unseren Laubwäldern für die Wildsträucher-Hecke

Der Wildgemüse-Durchlaucht Bärlauch wächst in unseren Laubwäldern als Schattenpflanze, als Kennart des pflanzensoziologisch erlauchten Kreises Fagetalia sylvaticae wächst er an relativ wärmebedürftigen und frostempfindlichen Standorten im Schutz der Laubbäume. Im Naturgarten eignet sich dazu zum Beispiel der Lebensraum aus heimischen Wildsträucher-Hecken. Dort kann die Schattenpflanze Bärlauch in Böden mit schwach basischen pH-Bereich als Schwachzehrer angepflanzt werden, und muss dann normalerweise nicht einmal gedüngt oder besonders gepflegt werden. Wenn der Boden in der Wildsträucher-Hecke immer etwas feucht ist und keine stauende Nässe vorliegt, fühlt sich das ausdauernde Wildgemüse Bärlauch pudelwohl und wird sich alsbald von ganz alleine aussamen und ausbreiten.

Bärlauch - Pflanzung als Zwiebel-Geophyt oder Aussaat

Das Lauchgewächs Bärlauch ist ein so genannter Zwiebel-Geophyt aus einer schlanken weißen Zwiebel, im Garten kann man den Bärlauch-Anbau deshalb entweder mit Direktsaat oder Zwiebel-Pflanzung durchführen. In der Staatlichen Versuchsstation Baumannshof wurden die Bärlauch-Zwiebeln per Hand im Herbst etwa sieben Zentimeter tief eingepflanzt, wobei ein Reihenabstand von etwa 15 bis 25 Zentimeter gewählt wurde. Möchte man Bärlauch per Direktsaat aussäen, muss man die so genannte Vernalisation der Bärlauch-Samen beachten. Für die Keimung benötigen die Samen des Bärlauchs eine längere Kälteperiode - der Zeitpunkt der Aussaat sollte zum Beispiel entweder im Herbst oder zeitig ab Februar im Frühjahr erfolgen. Der Samen-Keimung kann man mit der so genannten Stratifikation nachhelfen, dazu muss man die Samen im Kühlschrank stratifizieren, einfach den Bärlauch-Samen bei etwa 5 Grad Celsius über 4 bis 6 Wochen in den Kühlschrank legen. Die Schattenpflanze Bärlauch ist ein Dunkelkeimer, deshalb sollte der Bärlauchsamen gut mit Laub oder Erde abgedeckt werden. Für zehn Quadratmeter Anbaufläche benötigt man etwa drei Gramm Bärlauch-Samen, für den etwas größeren Naturgarten sollte man mit etwa 270.000 Bärlauch-Zwiebeln pro Hektar rechnen.

Der beste Erntezeitpunkt für Bärlauch ist vor, während und nach der Blüte

Die Laubblätter des Bärlauchs können für Wildgemüse und andere Zubereitungen von Anfang März bis zur Blüte gesammelt werden. Abhängig vom Erntezeitpunkt verändert sich der Geschmack und das Aroma der geernteten Pflanzenteile, da wie beim Knoblauch der Gehalt an den Cystein-Sulfoxiden Alliin, Isoalliin und Methiin variieren kann, die im Bärlauch etwa in etwa gleichen Mengen vorliegen und die wichtigsten primären und sekundären Aroma-Komponenten bilden. Auch die Blüten kann man für verschiedene Gerichte verwenden, trotz intensiver Anbauversuche konnte man bisher aber keine Blüten vor der Blütezeit gewinnen. Nach der Blütezeit blüht der Bärlauch-Zwiebel nichts gutes, auch sie kann in der Küche für die verschiedensten Gerichte eingesetzt werden. Wild und wohl bekomm's!

Systematik

Abteilung: Magnoliophyta – Bedecktsamer

Klasse: Liliopsida – Einkeimblättrige

Unterklasse: Liliidae – Lilienähnliche

Über-Ordnung: Liliianaea

Ordnung: Amaryllidales – Narzissenartige

Familie: Alliaceae – Lauchgewächse

Unterfamilie: Allioideae

Stamm: Allieae

Gattung: Allium – Zwiebel, Lauch

Art: Allium ursinum – Bärlauch

Weiterführende Literatur:

  • Prof. Dr. Ulrich Bomme (2007): Untersuchungen zum Einfluss verschiedener Schattierungs- und Mulchmaterialien auf Wachstum und Ertrag von Bärlauch (Allium ursinum L.). Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft.
  • Steffen Guido Fleischhauer (2006): Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen - 1500 Pflanzen Mitteleuropas mit 400 Farbfotos. AT Verlag. ISBN 3-85502-889-3.
  • Eric Block (2010): Garlic and Other Alliums: The Lore and the Science. The Royal Society of Chemistry. ISBN: 978-0-85404-190-9.
  • Bild-Informationen:
  • Einen kleinen Teil meiner leicht nach Knoblauch duftenden erbärmlauchigen Photographien finden Sie in der Kunst-Galerie mygall.
Dr. Gerald Albach, Dr. Gerald Albach

Dr. Gerald Albach - Schreiben macht Spaß: mit Licht und mit Worten! Damit ich weiß, worüber ich schreibe, habe ich als Diplom-Biologe in der ...

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