In den Staudenbeeten Deutschlands sind Sonnenhüte noch kein alter Hut. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts eroberte die Pflanzengattung Echinacea (Sonnenhut) das europäische Festland. Zuerst machte die traditionelle Heilpflanze aus Nordamerika in der deutschen Phytotherapie Furore, dann entdeckten auch die Staudengärtner die schmucken Igelköpfe für schmucklose Staudengärten: Einer der Vorreiter für die Einigelung der Igelköpfe war wohl Dr. Joseph Karl Maly. Schon im Jahre 1862 erwähnte Dr. Maly den Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) in seinem Werk "Botanik für Damen" als einer "der in Gärten allgemein cultivirten Zierpflanzen" – erstmals im Jahre 1794 erwähnte dagegen den Purpur-Sonnenhut der deutsche Apotheker Conrad Moench. Die zwittrigen Blütenköpfe der frostharten Sonnenhüte eignen sich im Garten allerdings nicht nur für die gepflegten Staudenbeete von Damen, sondern auch für gepflegte Igelkopf-Herrenrunden.

Die Staude: Igelkopf mit Röhrenblüten und Zungenblüten

Die Einordnung in die Unterfamilie Tubuliflorae verrät, dass der Igelkopf des Purpur-Sonnenhuts gegenüber dem Igelkopf der Kugeldistel (Echinops) aus Röhrenblüten und Zungenblüten aufgebaut ist – das griechische Wort "echinos" kommt in beiden Igelköpfen vor und bedeutet überraschenderweise so viel wie "Igel". Dr. Maly beschreibt für die Damen die lineal-lanzettlichen Strahlenblüten als "an der Spitze zweizähnig", und die Scheibenblüten als "dunkelpurpur". Ein Igelkopf erreicht für den deutschen DIN-genormten Herren einen dunkelpurpurnen Durchmesser von etwa 10 bis 15 Zentimeter. Der purpurne Sonnenhut sitzt in einer Höhe von etwa 60 bis 120 Zentimetern auf einem kräftigen und aufrechten Stängel. Der Stängel schlängelt sich aus einer faserigen Wurzel empor, die einen Wurzelstock bilden. Wenn der Purpur-Sonnenhut zwischen Juli und September erblüht, besuchen den blühenden Igelkopf Bienen und Hummeln, Fliegen und Schmetterlinge, sowie Käfer und Arzneimittelhersteller.

Die Heilpflanze: Echinaceae Purpureae Herba & Radix

Während die zweiflügeligen Blütenbesucher auf Nektar und Pollen scharf sind, gelüstet es die zweibeinigen Blütenbesucher nach den Wirkstoffen aus den oberirdischen Pflanzenteilen (lateinisch: Echinaceae Purpureae Herba) und der unterirdischen Wurzel (Echinaceae Purpureae Radix). Mittlerweile fasst man etwa 100 verschiedene Inhaltsstoffe der Sonnenhüte unter vier verschiedenen Wirkstoff-Hüten zusammen: Hier gibt es Alkamide, Glykoproteine, Kaffeesäure-Abkömmlinge und Polysaccharide. Nach Studien mit Mäusen und Menschen weiß man, dass die verschiedenen Inhaltsstoffe in unterschiedlichen Medikamenten manchmal wie Umckaloabo eine positive Wirkung auf das Immunsystem haben: Manch zweibeiniger Blütenbesucher lobpreist und huldigt sein Medikament als ultimative Medizin in der Homöopathie und Phytotherapie, gegen Erkältungen und andere Krankheiten von Mensch und Tier.

Das Staudenbeet: die Prärie Nordamerikas und Mittelfrankens

Gegenüber dem Blassfarbenen Sonnenhut ist der Purpur-Sonnenhut in der Prärie und in steinigen offenen Wäldern Nordamerikas weiter verbreitet. Beide Sonnenhüte spenden aber auch in der Prärie Mittel- und Unterfrankens gerne ihren Schatten – hier liegt das deutsche Hauptanbaugebiet der Arzneipflanzen. Besonders prächtige Igeldickköpfe gedeihen auf sonnigen Prärie-Standorten mit frischem und durchlässigem Prärieboden – stauende Nässe und schwere Böden scheuen die Igelköpfe wie der Teufel das Weihwasser. Auf die beiden Makronährstoffe Kalium und Magnesium sollte man allerdings beim Düngen wie der Teufel achten. Die Samen des Purpur-Sonnenhuts kann man sich ab Februar im Gewächshaus vorziehen, oder ab Mitte April direkt in die Prärie streuen. Zur Belohnung wartet auf die deutschen Damen und Herren Staudengärtner eine der Lieblingspflanzen der indianischen Medizinmänner Nordamerikas. Im thematischen Farbenkontext "Rosa-Lila-Romantisch" erblüht die Purpur-Sonnenhut-Varietät "Magnus" zum Beispiel im Staudengarten der Blumeninsel Mainau.

Systematik

Abteilung: Magnoliophyta – Bedecktsamer

Klasse: Rosopsida – Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige

Unterklasse: Asteridae – Asternähnliche

Ordnung: Asterales – Asternartige

Familie: Asteraceae – Korbblütengewächse

Unterfamilie: Asteroideae (Tubuliflorae) – mit Röhrenblüten und Zungenblüten

Stamm: Heliantheae

Gattung: Echinacea – Sonnenhut

Art: Echinacea (Rudbeckia) purpurea (L.) Moench – Purpur-Sonnenhut, Igelkopf, Kegelblume.

Weitere Informationen und Literatur

  • Herbert Hanus, Klaus-Ulrich Heyland und Ernst R. Keller (Herausgeber, 2006): Handbuch des Pflanzenbaues. Band 4 – Ölfrüchte, Faserpflanzen, Arzneipflanzen und Sonderkulturen. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. ISBN 978-3-8001-3203-4.
  • European Food Safety Authority (EFSA, 2005): Echinacea sp. Study on the Assessment of Plants/Herbs, Plant/Herb Extracts and Their Naturally or Synthetically Produced Components as "Additives" for Use in Animal Production.
  • Ronald L. McGregor (1968): The taxonomy of the genus Echinacea (Compositae). University of Kansas Science Bulletin, 48, Seite 113 bis 142.
  • Dr. Joseph Karl Maly (1862): Botanik für Damen. Enthaltend die Anfangsgründe und Systemkunde nebst der systematischen Beschreibung der in der Hauswirthschaft gebräuchlichen Gewächse und der in Gärten allgemein cultivirten Zierpflanzen. Wien. Druck und Verlag von Carl Gerold's Sohn. 1862.
  • Conrad Moench (1794): Methodus plantas horti botanici et agri Marburgensis a staminum situ describendi.
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