IMit drei Jahren ließ Kaiser Otto II. im Mai 983 auf einem Hoftag in Verona seinen Sohn Otto III: von den Großen des Reiches zum König wählen. Mit Teilnehmern des Hoftages reiste der junge Thronfolger nach Aachen. Weihnachten 983 wurde er von den Erzbischöfen Willigis von Mainz und Johannes von Ravenna zum König gekrönt. Nach den Feiern zur Krönung traf die Nachricht vom Tod seines Vaters in Aachen ein.
Danach kam es zu einer Auseinandersetzung in der Familie der Liudolfinger um die Königswürde. Der bayrische Herzog Heinrich der Zänker meldete Ansprüche an.
Die Stellung von Heinrich dem Zänker
Otto II. hatte den bayrischen Herzog Heinrich den Zänker 978 endgültig seiner Ämter enthoben und ihn in Utrecht beim Bischof Folcmar in Haft nehmen lassen. Nach dem Tod von Otto II. kam er unverzüglich frei.
Heinrich war der nächste männliche Verwandte des jungen Königs. So übergab der Erzbischof von Köln ihm nach Verwandtschaftsrecht den gerade gekrönten Knaben. Denn seine Mutter Theophanu, seine Großmutter Adelheid von Burgund und seine Tante Mathilde waren noch in Italien.
Heinrich der Zänker wollte nicht nur die Vormundschaft für das Kind wahrnehmen sondern selbst an der Königsherrschaft teilhaben. Heinrich verabredete direkt mit dem westfränkischen König Lothar ein Treffen in Breisach. Denn Lothar war in gleichem Grade wie Heinrich mit dem jungen Otto III. verwandt.
Heinrich suchte in Sachsen Zustimmung
Doch Heinrich erschien nicht zu dem Treffen mit Lothar. Sondern zog von Köln, wo er den jungen Otto in seine Obhut genommen hatte, über Corvey nach Sachsen. Dort rief Heinrich alle Großen zur Feier des Palmsonntages nach Magdeburg und warb er um Unterstützung für ihn als König. Doch hatte er nur wenig Erfolg. Mit seiner Anhängerschaft zog er dann nach Quedlinburg. Dort feierten sie in bewusster Anlehnung an die ottonischen Traditionen das Osterfest.
Heinrich versuchte weiter in Verhandlungen die Zustimmung der Anwesenden zu seiner Erhebung zum König zu erhalten. In diesem Kreis, zu dem Mieszko I. von Polen, Boleslaw II. von Böhmen und der Slawenfürst Mistui gehörten, schaffte er dies.
Heinrichs Gegner formierten sich
Heinrichs Gegner verließen Quedlinburg und schlossen sich auf der Asselburg zu einer zusammen. Als Heinrich davon erfuhr zog er mit Truppen von Quedlinburg nach Werla. Dann schickte er den Bischof Folcmar von Utrecht als Unterhändler zu ihnen. In den Verhandlungen wurde klar, dass die Gegner Heinrichs nicht bereit waren, ihren Treueid auf den jungen Otto III. zu brechen. Sie waren nur zu Friedensverhandlungen mit Heinrich in Seesen bereit.
Heinrich konnte sich nicht durchsetzen
Daraufhin brach Heinrich nach Bayern auf. Dort erkannten die Bischöfe und einige Grafen ihn als König an. Die Entscheidung über die Nachfolge von Otto II. hing nun vom Verhalten der Großen in Franken ab. Doch auch die hielten an der Thronfolge Ottos III. fest.
Heinrich der Zänker hätte nun um den Königstitel kämpfen müssen. Doch den militärischen Konflikt scheute er. So übergab er den Knaben am 29. Juni 984 im thüringischen Rohr an seine Mutter Theophanu und Großmutter Adelheid. Die beiden Frauen wirkten dann unangefochten bis 994 als Regenten.
Dafür erhielt Heinrich der Zänker sein Herzogtum Bayern zurück. Er starb am 28. August 995 in Gandersheim und wurde in der dortigen Stiftskirche beigesetzt. Sein ältester Sohn Heinrich folgte ihm als Herzog von Bayern. 1002 errang der nach Kämpfen die Würde des römisch-deutschen Königs und wurde 1014 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.
