Kaiser Otto der Große war der Namensgeber für die Ottonen. Der Begründer dieser Dynastie der Ostfränkischen Könige war Heinrich I. aus dem sächsischen Adelsgeschlecht der Liudolfinger. Als dessen Stammvater gilt der sächsische Graf Liudolf.
Die Ottonen regierten als Könige das Ostfrankenreich von 919 bis 1024. Otto I. sicherte sich für dieses Reich den Titel des römischen Kaisers.
Graf Liudolf
Liudolf ist die erste historisch fassbare Person des Geschlechts. Er wurde um 805 geboren. 840 wurde er vermutlich Graf in Sachsen. Er war mit Oda aus dem Geschlecht der Billunger verheiratet. Liudolf verfügte über großen Grundbesitz im westlichen Harzvorland. 852 begründete er in Brunshausen ein Nonnenkloster. 881 wurde das Kloster nach Gandersheim verlegt. Dort fand Oda ihre letzte Ruhestätte. Liudolf starb im März 866.
Brun
Liudolfs ältester Sohn Brun kam um 830 zur Welt. Er folgte seinem Vater als Graf. Am 2. Februar 880 fiel er im Kampf mit Normannen.
Otto der Erlauchte
Bruns Erbe war sein jüngerer Bruder Otto der Erlauchte. Otto war Graf im Eichsfeld sowie im Gau Südthüringen. 908 wurde er als Laienabt der Klosters Hersfeld genannt. In den Aufzeichnungen des Klosters wurde er als Herzog bezeichnet. Karolingische Urkunden nannten ihn nur als Grafen.
Otto war mit der fränkischen Babenbergerin Hadwig verheiratet. Nur der 876 geborene Heinrich erreichte das Erwachsenenalter und folgte seinem am 30. November 912 verstorbenen Vater als Herzog der Sachsen.
Heinrich I. – König von 919 bis 936
Heinrich I. dehnte sein Herrschaftsgebiet nach Osten aus und geriet dadurch mit dem König Konrad I. in Konflikt. Doch Konrad selbst empfahl ihn als seinen Nachfolger. So wurde 919 in Fritzlar von den fränkischen und sächsischen Großen zum ostfränkischen König gewählt.
Ein dauerndes Problem seiner Regierungszeit waren die ständigen Angriffe der Ungarn. Durch seinen Sieg in der Schlacht von Riade 933 konnte er die Gefahr durch die Ungarn deutlich vermindern. In diesem Jahr gewann er auch die Oberherrschaft über die Elbslawen und Böhmen.
Die Einheit des Reiches wollte er bewahren. Dazu erließ er 929 die Quedlinburger Hausordnung. Mit der wurde sein zweiter Sohn Otto zum Nachfolger als König bestimmt.
Otto der Große – König von 936 bis 973
Ottos Herrschaft begann mit einem Konflikt in der Familie. Sein Bruder Heinrich beanspruchte ebenfalls die Königswürde. Dieses Problem konnte er lösen und spann danach durch Heiratspolitik ein dynastisches Geflecht unter den Herzögen. Seinen Sohn Liudolf aus erster Ehe mit Editha benannte er zum Thronfolger.
Nach Edithas Tod zog Otto I. erstmals nach Italien. Dort heirate er Adelheid von Burgund und wurde dadurch König der Langobarden bzw. von Italien. Das führte dann zu einem schweren Konflikt mit seinem Sohn Liudolf. 955 konnte Otto I. durch seinen Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld die Gefahr durch die Ungarn endgültig bannen und seine Stellung im Reich festigen,
961 brach Otto I. zum zweiten Mal nach Italien auf. 962 ließ er sich in Rom von Papst Johannes XII. zum Kaiser krönen. Damit nahm er die Tradition des römischen Kaisertums von Karl dem Großen wieder auf. Sein erster Sohn Liudolf war inzwischen verstorben. Seinen ersten Sohn Otto aus der Ehe mit Adelheid verheiratete mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu.
Nur kurz hielt sich Otto I. 965 im Norden des Reiches auf. Neue Probleme in Italien veranlassten seinen dritten Zug nach Italien. Während seines Aufenthalts im Süden konnte er 968 lang gehegte Pläne zur Gründung des Erzbistums Magdeburg umsetzen. Erst 973 kehrte er in den Norden zurück und starb im Mai 973 in Memleben.
Otto II. – König von 973 bis 983
Otto II. folgte 973 seinem Vater als König. Sein Regierungsantritt war ebenfalls mit einem Thronstreit in der Familie verbunden. Der Bayernherzog Heinrich der Zänker begehrte letztlich erfolglos gegen Otto auf. Dazu beschäftigte den jungen König bis 978 auch ein Streit um Lothringen. Otto II. versuchte wie sein Vater das Königtum zu stärken. Doch war auch er sehr stark in Italien gebunden und zog 980 in den Süden. Dort erlitt er 983 im Kampf gegen die Sarazenen eine vernichtende Niederlage. Und im Osten kam es 983 zu einem erfolgreichen Aufstand slawischer Stämme. Im Dezember 983 starb er in Rom. Doch zuvor hatte er seinen dreijährigen Sohn Otto III. zum Nachfolger wählen und zur Krönung nach Aachen bringen lassen.
Otto III. – König von 983 bis 1002
Wieder begehrte Heinrich der Zänker die Königswürde. Doch er konnte sich gegen die Anhänger Ottos nicht durchsetzen. Für den mit 3 Jahren zum König gesalbten Otto III. übernahm seine Mutter Theophanu und später seine Großmutter Adelheid die Regentschaft.
Ab 994 nahm Otto III. selbst die Herrschaft wahr. Ab 996 weilte er überwiegend in Italien. 999 pilgerte er nach Gnesen. Auf einem Feldzug gegen Rom starb er kinderlos und ohne nominierten Nachfolger im Februar 1002 auf der Burg Paterno.
Heinrich II. – König von 1002 bis 1024
Heinrich II. war der Sohn von Heinrich dem Zänker und nächster Verwandter von Otto III. Trotz starker Widerstände im Reich konnte er sich als König etablieren.
Heinrich II. überließ die Dinge in Italien vorzugsweise den lokalen Machthabern. Er konzentrierte seine Tätigkeit auf den Norden des Reiches. Große Probleme bekam er im Osten. Dem polnischen Herzog Boleslaw I. gelang nach langwierigen Kämpfen die Anerkennung seiner Gleichrangigkeit mit dem König des Ostfrankenreiches.
1014 ließ sich Heinrich II. zum Kaiser krönen. 1021 versuchte er in einem Feldzug die Machtfrage zwischen dem Reich und Byzanz in Süditalien zu klären. Doch das gelang nicht.
Am 13. Juli 1024 starb Heinrich II. und wurde im Dom zu Bamberg beigesetzt. Er hatte keine Nachkommen. Mit ihm erlosch die Dynastie der Ottonen. Sein Nachfolger wurde der Salier Konrad II.
Literatur zu den Ottonen
- Ludger Körntgen: Ottonen und Salier. 3. Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2010, ISBN 978-3-534-23776-0
- Hagen Keller und Gerd Althoff: Spätantike bis zum Ende des Mittelalters. Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen. Krisen und Konsolidierungen 888–1024. 10. Auflage, Klett-Cotta Stuttgart 2008, ISBN 978-3-608-60003-2
- Klaus G. Beuckers, Johannes Cramer und Michael Imhof (Hrsg.): Die Ottonen. Kunst, Architektur und Geschichte. 2. Auflage, Imhof Petersberg 2006, ISBN 978-3-9325-2691-6
- Gerd Althoff: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. 2. erweiterte Auflage, Kohlhammer Stuttgart 2005, ISBN 3-17-018597-7
- Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter: Ottonische Neuanfänge. Philipp von Zabern Mainz 2001, ISBN 978-3-8053-2701-
- Hagen Keller: Die Ottonen. C. H. Beck München 2001, ISBN 3-406-44746-5
- Helmut Beumann: Die Ottonen. 5. Auflage, Kohlhammer Stuttgart 2000, ISBN 3-17-016473-2
- Matthias Becher: Rex, Dux und Gens. Untersuchungen zur Entstehung des sächsischen Herzogtums im 9. und 10. Jahrhundert. Matthiesen Verlag Husum 1996, ISBN 978-3-7868-1444-3
