Kaiser Otto III. starb 1002 überraschend auf einem Feldzug in Italien. Er hatte keine Nachkommen und für seine Nachfolge keine Regelungen getroffen. Allgemein gültige Regeln für die Nachfolge gab es nicht.
Der bayrische Herzog Heinrich der IV. war ein Urenkel von König Heinrich I., dem Begründer der Dynastie der Ottonen. Aus dieser engen Verwandtschaft zum verstorbenen König leitete er Ansprüche auf die Krone des Reiches ab.
Die Kandidaten für die Wahl zum König
Anwärter auf die Krone waren vor allem die Herzöge des Reiches. Darüber hinaus meldete der Markgraf Ekkehard I. von Meißen seine Kandidatur an. Als aussichtsreichster Kandidat galt der Herzog Hermann II. von Schwaben aus dem Geschlecht der Konradiner. Der weitere Kandidat erzog Heinrich IV. von Bayern, der Sohn des nach langem Streit mit Otto II. entmachteten Heinrich des Zänkers. Heinrich war der mit Otto III. am Nächsten verwandte Anwärter auf die Thronfolge.
Ekkehard von Meißen wurde im April 1002 im Harz erschlagen und schied daher aus dem Rennen um die Krone aus.
Heinrich meldete massiv seine Ansprüche an
Seine Ansprüche auf die Krone dokumentierte Heinrich beim Empfang des Leichenzuges Ottos III. in Polling. Er veranlasste die Beisetzung der Eingeweide des Kaisers im Kloster St. Afra in Augsburg- Dann zwang Heinrich den Erzbischof Heribert von Köln zur Herausgabe der Reichskleinodien. Doch die Heilige Lanze, damals das wichtigste Symbol des Reiches, war nicht dabei. Die hatte Heribert schon voraus gesandt. Da ließ der Bayernherzog den Erzbischof Heribert und später auch dessen Bruder, den Würzburger Bischof Heinrich, festsetzen. Doch fast alle Begleiter des Leichenzuges sprachen sich gegen eine Nachfolge durch Heinrich aus.
Ostern 1002 wurde Otto III. im Kaiserdom zu Aachen beigesetzt. Auch danach lehnten die anwesenden Großen des Reichs eine Wahl von Heinrich zum König ab und sprachen sich für den Schwabenherzog Herrmann aus.
Die Versammlung von Werla
16 sächsische Fürsten und Bischöfe trafen sich in Frohse. Sie wollten Ekkehard zum Königskandidaten nominieren. Doch diese Versammlung vertagte sich ohne Ergebnis auf eine weitere Zusammenkunft in Werla. In Werla konnte dann der Franke Heinrich von Schweinfurt die Versammlung für Heinrich von Bayern gewinnen.
Heinrich ließ sich wählen
Nach der Versammlung in Werla zog Heinrich IV. von Bayern mit einer Streitmacht nach Mainz. Der Mainzer Erzbischof Willigis gab ihm die Zusage, ihn nach erfolgter Wahl im Mainzer Dom zu krönen.
Heinrich ließ sich am 7. Juni 1002 von den in Mainz anwesenden geistlichen und weltlichen Fürsten zum König wählen. Dabei verzichtete er auf die Abhaltung der erforderlichen allgemeinen Wahlversammlung. Denn die Vertreter Lothringens, Sachsens und Thüringens waren nicht anwesend.
Willigis war als Erzbischof von Mainz für die Krönung zuständig und nahm diese unmittelbar nach der Wahl im Mainzer Dom vor. Doch Königswahl und Krönung entsprachen nicht den Traditionen. Denn die Wahl und Krönung und die folgende Thronsetzung auf dem Karlsthron fand bisher stets in Aachen statt.
Der Königsumritt
Die Mängel seiner Wahl zum König veranlasste Heinrich zu einem langen Königsumritt durch das Reich, um die Huldigungen der Stämme entgegen zu nehmen.
Hermann von Schwaben hatte die Wahl und die Krönung in Mainz nicht anerkannt. Daher begann Heinrich Ende Juni 1002 einen Feldzug gegen den Konradiner. Der führte ihn nach Straßburg und schließlich auf die Insel Reichenau. Über Bamberg ritt er nach Kirchberg bei Jena. Dort huldigten ihm am 20. Juli 1002 die Thüringer unter Führung des Grafen Wilhelm II. von Weimar huldigten.
Vom 24. bis zum 28. Juli kam es in Merseburg zu Verhandlungen mit den sächsischen Großen. Unter ihnen waren Herzog Bernhard von Sachsen, Herzog Boleslaw I. von Polen, Markgraf Lothar der Nordmark, Pfalzgraf Friedrich von Sachsen, Bischof Arnulf von Halberstadt und Bischof Bernward von Hildesheim. Diese Gespräche endeten mit einer Anerkennung Heinrichs als König. Allerdings unter Bedingungen.
Heinrich musste die Rechte der Sachen an der Königskrone anerkennen. Weiter musste er geloben, das alte sächsische Recht zu achten und die allein die Wahl der Sachsen als Königswahl gelten zu lassen. Danach überreichte ihm der sächsische Herzog Bernhard ihm die Heilige Lanze und Heinrich II. wurde ein weiteres Mal gekrönt.
Am 10. August fand in Paderborn die Krönung seiner Ehefrau Kunigunde zur Königin statt. Am 18. August 1002 versöhnte sich Heinrich in Duisburg mit dem Kölner Erzbischof Heribert. Anschließend huldigten ihm die Bischöfe Lothringens. Nach Aufenthalten in Nimwegen und Utrecht ließ Heinrich sich am 8. September in Aachen noch einmal krönen.
Am 1. Oktober kam es in Bruchsal zur Unterwerfung des Herzog Hermann und des schwäbischen Adels. Über Augsburg kam Heinrich nach Regensburg. Dort huldigte ihm seine Gefolgschaft vom 11. bis 24. November. Über Frankfurt am Main erreichte er schließlich Diedenhofen (Thionville). Dort hielt er am 15. Januar 1003 einen Hoftag und eine Reichssynode ab. Seine Stellung als König hatte er gefestigt.
Literatur
- Stefan Weinfurter: Heinrich II. (1002–1024). Herrscher am Ende der Zeiten, 3. Auflage, Pustet Regensburg 2002, ISBN 3-7917-1654-9
- Ekkehard Eickhoff: Kaiser Otto III. Die erste Jahrtausendwende und die Entfaltung Europas. 2. Auflage, Klett-Cotta Stuttgart 2000, ISBN 3-608-94188-6.
- Gerd Althoff: Otto III. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1997, ISBN 3-89678-021-2
- Bernd Schneidmüller: Otto III. – Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Stuttgart 1997, ISBN 978-3-799-54251-7
