
- Medizin - Gerd Altmann / pixelio.de
Geschieden, Geköpft, Gestorben, Geschieden, Geköpft, Überlebt - so lautet ein Abzählreim in England, der sich auf die sechs Ehen von Heinrich VIII bezieht. Der König selbst hätte es zu Lebzeiten wohl nie für möglich gehalten, dass seine Person auch Jahrhunderte später auf solch breites Interesse stößt. Es gab jedoch nur wenige historische Persönlichkeiten, die eine so bewegte Vita aufweisen können wie ebenjener Britenkönig, der das Reich von 1509 - 1547 beherrschte.
Die Sehnsucht nach einem Erben
Im nachmittelalterlichen Hochadel war es eine Tatsache von allerhöchstem Belang: Ein Herrscher musste für einen blutsverwandten Erben sorgen. Zu groß war die Gefahr, dass sich die Thronfolge andernfalls in unerwünschte Richtungen entwickelte. Auch Heinrich ging es da nicht anders. Die Aussichten standen jedoch gut, als er mit achtzehn Jahren König wurde und die spanische Prinzessin Katharina von Aragon heiratete.
Das Paar machte sich sogleich an die Erfüllung seiner Pflicht, einen Thronerben zu zeugen, was ein Jahr später bereits glückte. Das Kind war jedoch eine Totgeburt. Ein Jahr später gebar die Königin einen Sohn, der aber nur 52 Tage lebte. Danach folgte wieder eine Totgeburt und ein früh verstorbener Säugling. Erst Jahre später kam es zu einer erneuten Schwangerschaft, und Katharina von Aragon gebar diesmal ein lebendes Mädchen - Mary, die spätere Königin Maria I. Danach erlitt die Königin noch einmal eine Totgeburt.
Zu dieser Zeit nahm sich König Heinrich eine Mätresse, mit der er alsbald einen Sohn namens Henry Fitzroy zeugte. Da es jedoch unehelich geboren war, hatte das Kind keinen Anspruch auf den Thron. Dennoch sah sich Heinrich durch diesen Umstand bestätigt, dass das vergebliche Warten auf einen königlichen Sohn nicht seine Schuld sein könne.
Zweite Ehe - neue Chance?
Im Januar 1533 heiratete Heinrich Anne Boleyn. Um die Scheidung von Katharina von Aragon zu erwirken, brach er sogar mit dem Katholizismus und gründete die anglikanische Kirche. Er war entschlossener denn je, den Thronanspruch seiner Familie durch eine Anzahl männlicher Erben zu sichern. Und tatsächlich - bereits am 7. Septmeber 1533 gebar ihm Anne ein Kind. Jedoch - es war wieder ein Mädchen! Das Kind würde später als Elisabeth I. in die Geschichte eingehen. Der König war darüber tief enttäuscht, und seine Zuneigung zu Anne erlosch rasch. Die verzweifelte Königin erlitt in der Folge eine Fehlgeburt, und Heinrich schritt zur Tat. Da auch seine zweite Ehefrau offenbar nicht zum Gebären taugte, ließ er sie 1536 unter dem Vorwand des Ehebruchs hinrichten.
Jane Seymour trat sogleich die Nachfolge an und heiratete den König nur Tage nach der Hinrichtung ihrer Vorgängerin. Am 12. Oktober 1537 ging der innigste Wunsch Heinrichs endlich in Erfüllung - die Königin gebar einen Sohn! Edward sollte jedoch ein kränkliches Kind werden und hatte nur sechzehn Jahre zu leben - davon sechs Jahre als König. Auch seine Mutter Jane hatte kein Glück - sie starb wenige Tage nach seiner Geburt am Kindbettfieber. Danach nahm sich der König im Laufe der Zeit noch drei Ehefrauen - keine gebar dem Monarchen jedoch ein weiteres Kind.
Die Syphilis - schuld an Heinrichs Elend?
Zahlreiche Hinweise lassen den Schluss zu, dass sich König Heinrich bei einer seiner zahlreichen Mätressen schon früh mit dieser heimtückischen Seuche angesteckt hatte, die Ende des 15. Jahrhunderts von den Seefahrern nach Europa eingeschleppt worden war, und die er in der Folge an seine Ehefrauen weitergab. Diese Theorie würden deren große Probleme mit ihren Schwangerschaften erklären: die Syphilis-Erreger werden bereits im Mutterleib an das Ungeborene weitergegeben, was vermehrte Fehl- und Totgeburten zur Folge hat. Überlebende Kinder entwickeln sich meist langsamer und sind oft von schwacher und kränklicher Statur. Diese Beschreibung trifft z.b. genau auf Edward zu - Heinrichs einzigen Sohn. Auch auf Portraits von Königin Maria I. - Heinrichs erste Tochter - wollen Mediziner typische Syphilis-Anzeichen entdecken: Zahnveränderungen, sogenannte Tonnenzähne, und eine Sattelnase. Sie wurde nur 42 Jahre alt und erlitt wie schon ihre Mutter zahlreiche Fehlgeburten, ein weiterer Hinweis auf die chronische Infektion. Lediglich im Antlitz von Königin Elisabeth I. - Heinrichs zweiter Tochter - sind keine Anzeichen der Krankheit festzustellen, was natürlich auch am damaligen Portraitierer liegen kann. Es wird jedoch auch die Meinung vertreten, dass Elisabeth gar nicht Heinrichs Tochter war.
Auch bei König Heinrich selbst lassen sich heute Sympthome der Erkrankung erkennen, wie etwa die nachlassende Geisteskraft in seinen letzten Lebensjahren. Berichte über die zunehmende Schwerfälligkeit des Königs lassen sich auch durch andere wahrscheinliche Leiden erklären, wie etwa Diabetes oder generell seine beträchtliche Leibesfülle (er wog zuletzt 160 kg) - oder aber durch ein durch Syphilis-Bakterien geschädigtes Rückenmark. Letztendlich starb der König mit 54 Jahren als ein psychophatischer, unbeweglicher und schwer kranker Mann - Hinweise auf Syphilis im letzten Stadium? Was auch immer der Grund für die hohe Kindersterblichkeit im Hause Tudor war, es brachte viel Leid über Heinrichs Ehefrauen und nicht zuletzt ihn selbst.
Quellen: Beschreibung Syphilis
Hampton Court Palace - das legendäre Schloß König Heinrichs VIII
