
- Heinrich VIII. - www.tudorplace.com.ar
Heinrich VIII., König von England (1509 - 1547) und Irland (seit 1541), wurde am 28. Juni 1491 in Greenwich geboren und starb am 28. Januar 1547 in Westminster. Heinrich war der zweite Sohn Heinrichs VII. und Elisabeths von York.
Die Thronbesteigung
Als sein älterer Bruder Arthur 1502 starb, wurde Heinrich offiziell Thronfolger. Er war überaus intelligent und überragte auf humanistischem und theologischem Gebiet. Heinrich war groß und von sportlicher Statur, ein unermüdlicher Athlet, Jäger und Tänzer.
Als der 18-jährige Heinrich seinem Vater nach dessen Tod im Jahr 1509 auf dem Thron nachfolgte, sah England dem neuen König mit hohen Erwartungen entgegen. Kurz nach seiner Thronbesteigung heiratete Heinrich Katharina von Aragonien, die Witwe seines Bruders Arthur. Katharina, deren Eltern das spanische Königspaar Ferdinand II. und Isabella I. waren, schenkte nach mehreren Tot- und Fehlgeburten im Jahr 1516 der späteren Königin Maria I. das Leben.
Zu Beginn seiner Regentschaft waren die alltäglichen Regierungsgeschäfte dem jungen Monarchen ein Gräuel. Er genoss es zwar, als Herrscher dazustehen, beschäftigte sich aber lieber mit seinen zahlreichen Hobbys und überließ die Geschäfte dem Lordkanzler und späteren Kardinal Thomas Wolsey, dem er blind vertraute und der loyal zu seinem König stand.
Heinrichs Außenpolitik
Heinrichs Interesse an der Außenpolitik war auf Westeuropa gerichtet. Hier lag sein Fokus auf den sich ständig verschiebenden Bündnissen um die Könige von Spanien und Frankreich und dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Heinrich war verwandtschaftlich mit allen drei verbunden - seine Ehefrau Katharina war die Tochter des Königs von Spanien, seine Schwester Mary war seit 1514 verheiratet mit Louis XII. von Frankreich und der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Karl V. war der Neffe seiner Frau.
1512-14 ließ Heinrich sich von seinem Schwiegervater in einen Krieg gegen Frankreich hineindrängen, in dem er 1513 einen Sieg bei Guinegate verbuchen konnte. Ebenfalls im Jahr 1513 wurde Jakob IV. von Schottland, der ein Verbündeter Frankreichs war und für Frankreich in England einmarschierte, in der Schlacht von Flodden Fields von englischen Truppen besiegt. Lordkanzler Wolsey beeinflusste Heinrich im Folgenden, eine Politik des Gleichgewichts zwischen Frankreich und Kaiser Karl V. einzuleiten. In den Jahren 1522-25 und 1543-46 folgten noch zwei weitere Kriege gegen Frankreich. Von Kampfhandlungen auf französischem Boden während des ersten Krieges zog sich der König zurück, um Unruhen im eigenen Land seine Aufmerksamkeit zu widmen. Der zweite endete 1546 schließlich in einem Frieden mit Frankreich.
Scheidung von Katharina von Aragonien
Ende der 1520er Jahre bekundete Heinrich den Wunsch, sich von Katharina scheiden zu lassen. Er machte geltend, die Ehe sei nie gültig gewesen, da er die Witwe seines Bruders geheiratet hatte. Der wahre Grund war jedoch, dass Heinrich dringend einen männlichen Nachkommen benötigte, um das Haus Tudor ungefährdet auf dem Thron zu halten. Katharina hatte ihm keinen Sohn geboren und - inzwischen in den Vierzigern - konnte keine Kinder mehr bekommen. Außerdem hatte Heinrich sich in die junge Hofdame Anne Boleyn verliebt und wollte frei sein, um sie zu heiraten.
Heinrich und Wolsey beantragten also die Annullierung der Ehe beim Papst in Rom. Der englische König galt als gläubiger Katholik. Rom hatte ihm den Ehrentitel Fidei Defensor, Verteidiger des Glaubens, verliehen, nachdem Heinrich 1521 eine brennende Schrift gegen Luther verfasst hatte. Deshalb waren der König und sein Lordkanzler sich sicher, dass die Angelegenheit in kurzer Zeit positiv entschieden sein würde. Doch Papst Klemens VII. konnte nicht frei handeln. Er war nach der Eroberung Roms durch den Kaiser praktisch ein Gefangener Karls V. und lehnte somit unter dem Druck des Kaisers – Katharinas Neffen – die Eheannullierung ab.
Bruch mit Rom
Heinrich setzte daraufhin Kardinal Wolsey ab und klagte ihn des Hochverrats an. Wolsey starb auf dem Weg zum Prozess und entging somit der Hinrichtung. Sein Nachfolger Sir Thomas More, ein Freund und enger Vertrauter Heinrichs, weigerte sich jedoch, die Scheidung von Katharina zu unterstützen und trat 1532 von seinem Amt als Lordkanzler zurück.
Heinrich stützte sich im Folgenden auf Thomas Cromwell, um den Bruch mit Rom zu vollziehen. Die Ereignisse überschlugen sich nun. 1532 wurde der englische Klerus gesetzlich verpflichtet, Heinrich VIII. als Supreme Head, als Oberstes Haupt der Kirche, anzuerkennen.
Im Januar 1533 heiratete Heinrich die schwangere Anne Boleyn, im März erging das Gesetz, das Rom Eingriffe in englische Rechtsfälle verbot, womit staatsrechtlich die Reformation in England vollzogen wurde. Im Mai erklärte der von Heinrich ernannte Erzbischof von Canterbury, Thomas Cranmer, die Ehe mit Katharina für nichtig. Im Juni erfolgte die Krönung Annes zur Königin und am 7. September 1533 wurde ihre Tochter, die spätere Elisabeth I., geboren.
Als Heinrich daraufhin vom Papst exkommuniziert wurde, sagte er sich vollends von Rom los. 1534 erging der Act of Supremacy, ein Parlamentsgesetz, das die von Rom unabhängige anglikanische Staatskirche mit dem König als Oberhaupt begründete. Alle Untertanen wurden zum Eid auf die neue Kirchenverfassung und Thronfolge, welche Annes Nachkommen den Anspruch auf den Thron zuschrieb, verpflichtet. Eidesverweigerer wurden hingerichtet, so auch der Humanist und frühere Freund Heinrichs Thomas More.
Heinrichs Ehefrauen
1536 hatte Heinrich immer noch keinen männlichen Thronfolger. Tief enttäuscht ließ er Anne unter dem Vorwand des Inzests und Ehebruchs hinrichten. Nachdem ihre Nachfolgerin Jane Seymour bei der Geburt des lang ersehnten Thronfolgers Eduard VI. gestorben war, heiratete Heinrich 1540 auf Cromwells Drängen hin Anna von Kleve, ließ die Ehe aber bereits nach einem halben Jahr wieder annullieren. Heinrichs fünfte Ehefrau, Catherine Howard ließ er 1542 ebenfalls wegen Ehebruchs hinrichten. Seine letzte Frau, Catherine Parr, heiratete er 1543.
Nach Heinrichs Tod im Jahr 1547 folgten ihm seine drei Kinder Eduard VI., Maria I. und Elisabeth I. nacheinander auf den Thron.
