Heißer TV-Herbst in den USA: Die neuen Serien im Überblick

Dem US-Zuschauer wird ein bunter Mix aus Retro-Drama, Event- und Krimiserien geboten. Doch nur die quotenstärksten Serien überleben diesen Herbst.

Mitte September startet die Herbstseason, die sogenannte „Fall season“, im US-Fernsehen. Mit ihr beginnt auch der alljährliche Kampf um Einschaltquoten, denn im TV-Geschäft gilt vor allem eine Regel: Nur die quotenstärksten Serien (Drama und Comedy) werden die erste Staffel überleben. Deshalb werden sie in aller Regel in Sendeblöcken zusammen mit langjährigen Erfolgsformaten ausgestrahlt. Kriterien wie Qualität und Originalität sind eher nachrangig. Dies zeigt sich stärker denn je in den eher schwachen Serienstarts der Season 2010-2011. Einen ersten Überblick über das Herbstprogramm bietet dieser Artikel.

Comedy nach Maß: „$H*! MY DAD SAYS“

Die Idee zur neuen Comedy mit William Shatner („Star Trek“, „Boston Legal“) schien zunächst originell. Basierend auf dem populären Twitter Feed von Justin Halpern, der die verbalen Entgleisungen seines Vaters über die amerikanische Politik und Gesellschaft mit Millionen von Twitteranhängern teilte, schrieben die Schöpfer von „Will and Grace“ einen Comedy-Pilotfilm. Mit dem in die Jahre gekommenen, aber wundervoll komischen Shatner engagierten sie eine Fernsehikone und neben ihm die Erfolgsregisseure von Comedyhits wie „Friends“ und „Frasier“. Nichtsdestotrotz bleibt ein Twitter Feed ein Twitter Feed. Aus dem Stoff eine halbstündige Comedyserie zu kreieren scheint unmöglich. Insbesondere, da die Serie im Networkfernsehen gesendet wird und somit an die engen moralischen Richtlinien des amerikanischen Mainstream gebunden ist. Spielräume für derbe Witze und Zynismus sind kaum zu erwarten.

Das CBS Network strahlt die Show direkt nach dem Erfolgshit „Two And A Half Men“ aus. Es wird sich bald zeigen, ob die Zuschauer am Fernseher bleiben, um Shatner fluchen zu sehen oder doch lieber schnell auf Twitter nachschauen.

Lauer Aufguss: „LAW & ORDER: LA“ und „HAWAII FIVE-0“

Mit „Law & Order“ schuf Dick Wolf 1990 einen TV-Hit, der sich in zwei weiteren Ablegerserien erfolgreich fortsetzte. Nach 20 Jahren auf Sendung schien das Publikum der Genreserie, die ein Mix aus Kriminal- und Gerichtsdrama war, allerdings endgültig überdrüssig geworden zu sein. So beendete der Sender NBC die Serie in diesem Mai, kündigte zugleich aber an, mit „Law & Order: Los Angeles“ einen weiteren Ableger zu starten. Also wurde das bewährte Konzept übernommen, das Setting von New York nach L.A. verlegt. Dies ist nicht nur unoriginell, sondern zeigt deutlich, dass hier lediglich neue Gesichter gecastet und Schauplätze variiert wurden, um die Einschaltquoten zu pushen. Anfangs mag der Setting-Trick gelingen, aber ein anhaltender Erfolg wird stärker denn je von der Qualität der Schauspieler und Drehbücher abhängen.

Ein weiterer Versuch, alte Serienformate wieder aufzugreifen, wird mit „Hawaii Five-0“ (in Deutschland bekannt als „Hawaii Fünf-0“) deutlich. Der Pilotfilm lässt erahnen, dass einzig der Serientitel einer vor allem in den Siebzigern erfolgreichen Krimiserie übernommen wurde, um Standardkost abzuliefern. Mit Alex O’Laughlin („Moonlight“) und Daniel Dae Kim (Jin aus „Lost“) in den Hauptrollen und der exotischen Location Hawaii setzen die Produzenten auf Erfolg, kopieren inhaltlich und visuell jedoch Erfolgsformate wie „CIS: Miami“ und „NCIS: Los Angeles“.

„UNDERCOVERS“ und „THE EVENT“: Post-Lost-Syndrom

J.J. Abrams, Produzent von Hit-Serien wie „Lost“ und „Fringe“, startet nach dem Ende der Insel-Mystery-Serie einen weiteren Versuch, das Publikum mit Suspensegeschichten zu unterhalten. Diesmal auf dem Sender NBC. Im Gegensatz zu seinen bisherigen Serien ist „Undercovers“ schnittig, kurzweilig und witzig. Erzählt wird die Geschichte eines Ehepaars, das gleichzeitig auch ein hervorragendes Spionageteam abgibt. Abrams und Co-Produzent Josh Reims setzen auf freche Unterhaltung mit den beiden Newcomern Boris Kodjoe und Gugu Mbatha-Raw in den Hauptrollen. Unübersehbar sind allerdings die Anleihen aus Brad Pitt und Angelina Jolies Fun-Thriller „Mr. und Mrs. Smith“ sowie der Spionage-Comedy-Serie „Chuck“.

Ebenfalls auf NBC startet mit „The Event“ eine weitere Mystery-Serie, die den Eventcharakter plakativ im Namen trägt. Jason Ritter („Joan of Arcadia“, „The Education of Charlie Banks“) spielt einen Detektiv auf der Suche nach seiner Verlobten, die unter ominösen Umständen verschwand. Die Beweise verdichten sich, dass ihr Verschwinden weit mehr als eine simple Entführung ist. In den Trailern zum Pilotfilm ist von „der größten Verschwörung in der Geschichte der Menschheit“ die Rede. Dies erinnert ein wenig an „The DaVinci Code“ und tatsächlich bricht schnell Chaos aus. Neben Ritter gehören Laura Innes („ER“), Scott Patterson („Gilmore Girls“) und Zeljko Ivanek („Heroes“) zur Besetzung. Die Besetzung ist fabelhaft. Der Erfolg von „The Event“ wird sich jedoch daran messen müssen, ob es den Autoren gelingt, die Geschichten geradliniger als bei „Lost“, „Heroes“ oder „FlashForward“ zu präsentieren.

Weitere Serienstarts im US-amerikanischen TV-Programm

Der Kabelsender HBO, vor allem bekannt durch „Sex And The City“, unterhält das geneigte Publikum ab Herbst mit „Boardwalk Empire“, einer ambitionierten Gangsterserie, die während der Zeit der Prohibition (Verbot von Alkohol) in den Vereinigten Staaten spielt. Mit dem Charakterdarsteller Steve Buscemi in der Hauptrolle und unter der Regie von Starregisseur Martin Scorsese wurde viel Aufwand betrieben, um an den Erfolg von „Die Sopranos“ anzuknüpfen. Der Pilotfilm allein verschlang die Rekordsumme von 18 Millionen US-Dollar. HBO wird beweisen müssen, ob man allein mit Qualität punkten kann. So gut die Serie auch geschrieben und der Hintergrund recherchiert sein mag, eine Garantie für ein besonderes Interesse der Zuschauer an jener Epoche Amerikas gibt es nicht.

Der Teenie-Sender The CW, bekannt für seine Hits „Smallville“, „Supernatural“ und „The Vampire Diaries“, versucht sich mit einem Remake der 90er Jahre Thrillerserie „Nikita“ um eine ausgebildete Killerin, die dem Militär entflieht. Außerdem wird den weiblichen Teenies die Serie „Hellcats“ aufgehalst, die emotionale Höhen und Tiefen von Cheerleaderinnen einer Collegemannschaft widerspiegeln soll. Bleibt zu hoffen, dass hier nicht nur Make-up und neueste Modetrends werbewirksam angepriesen werden sollen.

Widar Wendt, Widar Wendt

Widar Wendt - Widar Wendt stammt trotz seines seltenen norwegischen Vornamens aus dem beschaulichen Norden Deutschlands. Als Kind der 80er und 90er ...

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