Das ist der heißeste Sommer im heutigen Deutschland. Und jener war der kälteste Sommer: Wann verdient ein Sommer solche Bewertungen? Antworten auf diese Fragen fallen wohl bei verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich aus. Umfragen dürften in diesem Fall nicht weiterhelfen, zumal die Erinnerung ja maximal ein paar Jahrzehnte zurückreicht. Gott sei Dank gibt es Messungen, archivierte und gesicherte Daten, die bei Recherchen weiterhelfen. Auf der Suche nach dem vermutlich kältesten Sommer in Deutschland muss man nämlich beispielsweise viele, viele Jahre in der Zeit zurückgehen.
Wetterdaten aus etwa drei Jahrhunderten
Wetterstationen beobachten das Wetter in Deutschland mit seinen Temperaturen bereits seit einer ganzen Weile: Laut Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurde etwa in Berlin im Jahr 1701 mit der Wetterbeobachtung begonnen. Seit Ende des Jahres 1755 existiert hier eine lückenlose Datenreihe. Auch andere Wetterstationen begannen etwa zu jener Zeit Daten zu liefern, sodass Vergleiche über Jahrhunderte möglich werden. Starten wir einmal einen solchen Vergleich.
Kältester Sommer in Deutschland
Kältester Sommer in Deutschland war nach Angaben des DWD der Sommer des Jahres 1816. Man spricht auch vom Jahr ohne Sommer. Insgesamt soll die Temperatur aufgrund eines Vulkanausbruchs vorübergehend um durchschnittlich 0,9 Grad Celsius gesunken sein. Ausgebrochen war ein Jahr zuvor der indonesische Vulkan Tambora, dessen damaliger Ausbruch als der größte aller Zeiten gilt. Eine Unmenge von Asche und anderen Teilchen soll mit der Kraft von 170.000 Hiroshima-Atombomben in die Atmosphäre geschleudert worden sein. Eine um knapp ein Grad gesunkene Durchschnittstemperatur klingt nicht nach sehr viel. Tatsächlich soll das dazu geführt haben, dass es laut Chronik in Süddeutschland Sommerfrost gab und dass Ernteausfälle zu schrecklichen Hungersnöten führten. Einen Sommer wie den von 1816 gab es seither nicht wieder. Als kälteste Sommer in neuerer Zeit gelten in Deutschland die Sommermonate der Jahre 1913 und 1956 mit durchschnittlich 14,7 Grad.
Und heißester Sommer in Deutschland
Der bisher wärmste Sommer in Deutschland liegt noch gar nicht allzu weit zurück; er lag im Jahr 2003. Die Temperatur wich damals um etwa 3,4 Grad Celsius von der durchschnittlichen Normaltemperatur in den deutschen Sommermonaten ab und erreichte durchschnittliche 19,7 Grad Celsius. In jenem Jahr verzeichneten die Städte Freiburg und Karlsruhe im August des Jahres die Rekordtemperatur von 40,2 Grad Celsius. Die wurde zuvor erst einmal erreicht: Im ebenfalls als Jahrhundertsommer in die Geschichte eingegangenen Jahr 1983 und zwar am 27. Juli in Gärmersdorf/Oberpfalz. Geht man noch etwas weiter in der frühen Geschichte zurück, stößt man auf weitere Jahrhundertsommer. Sie können es jedoch allesamt nicht mit 2003 aufnehmen, der heißester Sommer Deutschlands bleibt. Da gäbe es etwa das Jahr 1976 mit Temperaturen bis zu etwa 38 Grad Celsius. Damals sprach man auch von „Europas großer Dürre“. Ein Jahr zuvor hatte Showmaster und Entertainer Rudi Carrell noch sein Lied „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ im TV angestimmt. Es schien geholfen zu haben.
Deutsche Sonnenrekorde
Die meisten Sonnentage gab es 1994: 403 Stunden am Kap Arkona (Rügen). Bei durchschnittlich etwa 15,5 Stunden zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang im deutschen Juli macht das insgesamt 26 Sonnentage innerhalb des Monats. Wirft man einen Blick auf die durchschnittliche Sonnenscheindauer pro Jahr, so ist Zinnowitz auf der Insel Usedom mit durchschnittlich 1.917 Sonnenstunden pro Jahr der sonnenreichste Ort in Deutschland. Der Berechnung liegen Daten von 1961 bis 1990 zugrunde. Das andere Ende der Skala bildet Ruhpolding mit durchschnittlich 1.159 Stunden Sonnenschein pro Jahr.
Und wie wird der nächste Sommer?
Das ist leider eine derjenigen Fragen, die dieser Artikel nicht beantworten kann. Es war schon immer etwas einfacher, in die Vergangenheit und nicht in die Zukunft zu blicken. Und so lassen wir die Kristallkugel am besten im Schrank, überlassen Prognosen den Profis, die sich bei langfristigen Voraussagen auch bisweilen verschätzen, und harren einfach der Dinge, die da kommen. Wer weiß? Vielleicht wird es ja ein Rekordsommer?
