
- schwarz und weiss / pixelio - nimkenja
Für die einen verkörpert die japanische Zeichentrick-Katze Liebreiz schlechthin, für die anderen ist es einfach nur eine rosa Pest, die oftmals ganze Kindergärten befällt und Mädchen zu bonbonfarbenen Klons werden lässt. Ein Blick in die Mädchenzimmer von Fernost bis hierher lässt eines erkennen - hinter dem Logo mit der Katze steckt ein riesiges Marketing-System. So mächtig, dass neuerdings auch immer mehr Erwachsene zu Hello-Kitty-Kleidung tendieren. "Kidults" nennt man diese neue Zielgruppenerscheinung.
1974 in Japan geboren
Im Geburtsjahr des VW Golf hob auch die japanische Firma Sanrio den Kassenschlager mit der roten Masche am Ohr aus der Taufe. Das erste Produkt, das im Hello-Kitty-Design auf den Markt kam, war eine kleine Geldbörse. Heute gibt es bereits 22.000 Produkte, mit denen Sanrio die Hälfte ihres jährlichen Umsatzes erzielt - etwa eine Milliarde US-Dollar.
Der Hello-Kitty-Vibrator
1997 kam ein "vibrierendes Schultermassagegerät" im Hello-Kitty-Design auf dem Markt. Das Gerät war von Sanrio offiziell lizensiert und freigegeben worden und wurde über den Spielwaren-Sektor und Fast-Food-Restaurants verkauft. Dabei handelt es sich um einen batteriebetriebenen Plastikstab, an dem sich unten ein Dreh-Regler und oben eine Hello-Kitty-Figur befindet. Die Zweideutigkeit dieses Massagegerätes dürfte jedem aufgeklärten Erwachsenen blitzschnell auffallen, nur die Produzenten kamen unverhältnismäßig langsam zu dieser Erkenntnis. Zwei Jahre später tauchten erstmals Videos auf, die den Einsatz des Gerätes zur Schultermassage als Sexspielzeug zeigten. Nach Verwendung in japanischen Sexvideos erlangte der Stab schnell Kultstatus. Sanrio kämpfte in der Folge um Rückziehung der Lizenz. Das Massagegerät verschwand aus dem Verkauf, bis es als Vibrator deklariert und speziell für die erwachsene Zielgruppe produziert wieder offiziell den Weg in die Verkaufsregale fand. Heute kann man den Vibrator um etwa 25 Euro bei sämtlichen Versandhäusern erwerben.
Wehenschmerz zwischen rosa Katzen
Der Kitty-Hype dürfte in Fernost noch um einiges stärker sein als hierzulande und treibt dort seine skurrilen Blüten. In Taiwan hat die erste Hello-Kitty-Geburtsklinik eröffnet. Ausstattung und Einrichtung, die Kleidung von Ärzten und Schwestern, ja sogar der werdenden Müttern selbst, alles ist im bekannten rosa-weißen Design gehalten. Die Klinik-Leitung erhofft sich dadurch offenbar emotionale Unterstützung für Mütter und Babys.
Medizin-Kitty hält Einzug
Im medizinischen Bereich hat das Katzen-Konterfei eigentlich nichts verloren, denken Sie? Weit gefehlt. Sanrio ist offenbar dabei, gerade diesen Bereich für sich zu erschließen. Mittlerweile kann man sich beim Zahnarzt in seinen kariösen Zahn anstatt der üblichen Kunstoff- oder Amalgamfüllungen ein stylisches Hello-Kitty-Inlay machen lassen. Auch Blutdruck-Patienten können sich freuen, die neue Arm-Manschette zieren fröhlich bunte Japan-Katzen. Ob Pillendosen, Nikotinpflaster oder Kontaktlinsen, wahren Fans eröffnen sich immer mehr Möglichkeiten, ihren Liebling in das Alltagsleben zu integrieren. Merkwürdig, denken Sie? Dann haben Sie das Hello-Kitty-Maschinengewehr noch nicht gesehen...
Quellen:
Info zur Hello-Kitty-Geburtsklinik, Hello-Kitty-Medizinprodukte, Hello-Kitty-Kontaktlinsen
