Helmuth von Moltke – Stratege für Preußen

Standbild von Moltke am Großen Stern in Berlin - Harald Rossa
Standbild von Moltke am Großen Stern in Berlin - Harald Rossa
Helmuth von Moltke war über 30 Jahre Chef des Generalstabs in Preußen bzw. Deutschland. Er warnte am Ende seines Lebens vor weiteren Kriegen.

Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke brachte es als Soldat bis zum Generalfeldmarschall. Als Chef des preußischen Generalstabes hatte er wesentlichen Anteil an den Siegen Preußens in den Einigungskriegen gegen Dänemark 1864, gegen Österreich 1866 und gegen Frankreich 1870/71.

Elternhaus und Jugend

Helmuth von Moltke stammte aus einem alten mecklenburgischen Adelsgeschlecht. Sein Vater war Friedrich Philipp Victor von Moltke. Der stand bis 1796 in preußischem Militärdienst. 1800 lebte er in Parchim. Dort kam am 26. Oktober 1800 sein dritter Sohn Helmuth zur Welt. 1806 trat der Vater in den dänischen Militärdienst. Seine drei ältesten Söhne wurden 1811 als Kadetten an der Kadettenakademie in Kopenhagen angenommen. Helmuth von Moltke wurde am 20. Januar 1818 Secondelieutenant und diente im dänischen Infanterieregiment Oldenburg in Rendsburg. Schon bald bewarb er sich um die Aufnahme in die Armee Preußens. Dieser Wunsch erfüllte sich im Januar 1822.

Der junge Moltke in Preußen

Preußen bot dem ehrgeizigen Helmuth von Moltke andere Möglichkeiten als Dänemark. Sein Talent wurde erkannt und Carl von Clausewitz war ein Förderer des jungen Offiziers. Er diente zunächst als Secondelieutenant in dem Leibgrenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm III. in Frankfurt/Oder. Von 1823 bis 1826 besuchte er die Kriegsakademie. 1833 wurde er in den Großen Generalstab berufen.

Gastspiel im Osmanischen Reich

1835 erhielt Helmuth von Moltke Urlaub für eine Bildungsreise in den Südosten Europas. Der Sultan des Osmanischen Reiches erbat 1836 seine Unterstützung als Instrukteur der türkischen Truppen. Diese Aufgabe nahm Moltke bis 1839 wahr. In dieser Zeit bereiste er die Schwarzmeerküste, das Taurusgebirge und Mesopotamien. Im Frühjahr 1837 begleitete er Sultan Mahmud II. in die Donaufürstentümer. 1838 beteiligte er sich an einem Feldzug gegen die Kurden. Im selben Jahr zog die osmanische Armee gegen die ägyptischen Truppen Mehmet Alis unter dessen Sohn Ibrahim Pascha in Syrien. Moltke nahm an der entscheidenden Schlacht von Nizip, in der die osmanischen Truppen vernichtend geschlagen wurden, am 24. Juni 1839 teil.

Rückkehr nach Preußen 1839

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde Moltke zum Major befördert. Am 20. April 1842 heiratete er Marie Burt aus Itzehoe.

1846 wurde er als Adjutant des Prinzen Karl Heinrich von Preußen nach Rom geschickt. Nach dessen Tod 1846 kam Moltke zum Generalkommando am Rhein. 1849 wurde er Chef des Generalstabs des IV. Armeekorps. 1856 übernahm er das Amt des Adjutanten des späteren Kaisers Friedrich III.

Ermut von Moltke wurde 1857 Chef des preußischen Generalstabes

Am 29. Oktober 1857 wurde er Range eines Generalmajors mit Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Generalstabs der Armee beauftragt. Am 18. September 1858 wurde er endgültig zum Chef des Generalstabes ernannt.

1862 wurde er mit Planungen für den Fall eines Krieges gegen Dänemark beauftragt. In Kenntnis der Stärken und Schwächen der dänischen Armee entwickelte Moltke einen Plan, der als ein Vorläufer des später so berühmten Schlieffen-Plans gilt. 1864 kam es dann zu dem deutsch-dänischen Krieg.

Auch die Planungen für den Krieg gegen Österreich 1866 trugen die Handschrift Moltkes. Der Generalstabschef führte während der entscheidenden Schlacht bei Königgrätz persönlich das Kommando.

1867 kaufte Helmuth von Moltke als Altersruhesitz das Gut Kreisau in Schlesien. Im Alter von 43 Jahren starb am 24. Dezember 1868 seine Gattin Burt. Für sie wurde auf dem Kapellenberg in Kreisau ein Mausoleum errichtet.

Nach dem Sieg über Frankreich wurde Helmuth von Moltke am 28. Oktober 1870 der erblichen Titel eines Grafen verleihen. Am 16. Juni 1871 wurde er schließlich zum Generalfeldmarschall ernannt. Auch im hohen Alter blieb er der Chef des Generalsstabs. Aus „Altersgründen“ wurde er am 9. August 1888, kurz nach der Regierungsübernahme durch Wilhelm II., in den Ruhestand verabschiedet.

Der Politiker Helmuth von Moltke

Helmuth von Moltke gehörte seit 1867 der Konservativen Partei an. Er war Mitglied des Parlaments der Norddeutschen Bundes und später des Deutschen Reichstags. Dessen Alterpräsident war er ab 1881. Seit 1872 war er auch Mitglied des Preußischen Herrenhauses.

Helmuth von Moltke galt neben Otto von Bismarck und Albrecht von Roon als Vordenker der Reichsgründung 1871. Der Militär Moltke, der seit 1871 gemeinsam mit dem Kaiser die direkte Befehlsgewalt über die Armee hatte, akzeptierte das von Bismarck geforderten Primat der Politik über das Militär.

In seiner letzten Rede vor dem Reichstag, die er mit fast 90 Jahren am 14. Mai 1890 kurz nach der Entlassung Bismarcks als Reichskanzler hielt, warnte er vor einem neuen Krieg in Europa: „Meine Herren, es kann ein siebenjähriger, es kann ein dreißigjähriger Krieg werden – und wehe dem, der zuerst die Lunte in das Pulverfass schleudert!“.

Tod 1891

Helmuth von Moltke starb am 24. April 1891 in Berlin. Er wurde in dem Mausoleum auf dem Kapellenberg des Gutes Kreisau beigesetzt. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind seine sterblichen Überreste verschollen.

Literatur

  • Olaf Jessen: Die Moltkes. Biographie einer Familie, C. H. Beck München 2010, ISBN 978-3-406-604997
  • Roland G. Foerster (Hrsg.): Generalfeldmarschall von Moltke. Bedeutung und Wirkung. Oldenbourg München 1991, ISBN 3-486-55900-1
  • German Werth: Der Krimkrieg. Ullstein Taschenbuch Berlin 1997, ISBN 3-548-34949-8
  • Franz Herre: Moltke. Der Mann und sein Jahrhundert. Deutsche Verlags Anstalt Stuttgart 1984

Bild

Standbild des Helmuth von Moltke am Großen Stern im Berliner Tiergarten.

Die Statue aus Laaser Marmor schuf der Bildhauer Joseph Uphues. Sie stand ursprünglich am Königsplatz in Berlin, dem heutigen Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude, und wurde dort am 25. Oktober 1905 in Gegenwart von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria feierlich enthüllt. Am 19. April 1939 wurde sie im Rahmen der Vorbereitungen für die Welthauptstadt Germania zum Großen Stern im Tiergarten umgesetzt.