Vor 200 Jahren unterzeichnete Zar Alexander I von Russland die Urkunde, mit der er Helsinki zur Hauptstadt des autonomen russischen Großfürstentums erhob. Rund zweieinhalb Jahrhunderte zuvor hatte der schwedische König Gustav Vasa die Stadt unter dem Namen Helsingfors als Gegenpol zum baltischen Tallin gegründet. Die wechselhafte Geschichte der Stadt ist beeinflusst von den Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in Skandinavien, von Pest, verheerenden Bränden und den Folgen zweier Weltkriege. Seit der Unabhängigkeit von Russland vor 95 Jahren ist Helsinki Hauptstadt der Republik Finnland. Im Jubiläumsjahr präsentiert Helsinki sich als selbstbewusste Metropole, deren Architektur und Monumente die Spuren von Nationalromantik und Unabhängigkeitswillen tragen. Dass die Stadt darüber hinaus exzellentes Design beherbergt, wurde durch die Wahl zur „Welthauptstadt des Designs 2012“ gewürdigt.

Die Region um den Finnischen Meerbusen bis zum Mittelalter:

Wikinger vertreiben die Samen und fördern die Christianisierung

Bis zum frühen Mittelalter liegt die Geschichte der Region am Finnischen Meerbusen weitgehend im Dunkeln, da aus der Zeit vor dem 11. Jahrhundert kaum Aufzeichnungen erhalten sind. In den Fjorden und auf den vorgelagerten Schäreninseln ließen sich finnisch-ugurische Stämme nieder. Die Ureinwohner, die Samen, zogen sich nach Norden zurück. Später kamen die Wikinger mit ihren schnellen Booten und machten aus den Siedlungen Handelsflecken an der Ostsee.

Die Schweden erobern die Region in mehreren Kreuzzügen

Mit den Kreuzzügen der Schweden gewann der Ort historisches Interesse. Mitte des 12. Jahrhunderts eroberte der schwedische König Erik IX die Region, rund ein Jahrhundert später baute Birger Jarl im Zweiten Schwedischen Kreuzzug diese Macht aus, mit Turku als Stützpunkt. Erste urkundliche Erwähnung findet Helsinki in einer päpstlichen Bulle aus dem Jahr 1171, von Papst Alexander III gerichtet an den Erzbischof von Uppsala. Dennoch fristete der Ort ein Dasein als unbedeutendes kleines Küstenstädtchen im Schatten florierender Handelszentren des Baltikums. Holzhäuser der Wikingerzeit prägten das Bild des Handelsflecken, damals noch am Vaantajoki gelegen, dem Flüsschen, das in den Finnischen Meerbusen mündet.

Gründung von Helsingfors und Entwicklung zur Hafenstadt

Unter dem Namen Helsingfors wurde Helsinki vom schwedischen König Gustav Vasa im Jahr 1550 offiziell gegründet. Die Konkurrenz mit der Republik Nowgorod und dem russischen Reich erforderte einen eigenen Handelshafen an der Ostsee. 1640 wurde die Stadt von ihrer ursprünglichen Stelle an den Ort verlegt, wo heute noch das Zentrum Helsinkis liegt. Der Nordische Krieg und der Russisch-Schwedische Krieg prägten die weiteren Geschicke der Stadt. 1748 wurde die Meeresfestung Suomenlinna errichtet und Helsinki gewann damit strategischen Status. Doch es dauerte nochmals 60 Jahre, bis der Zar nach dem Finnischen Krieg die Region im Jahre 1809 zur Hauptstadt des autonomen Großherzogtums Finnland machte.

Helsinki wird Hauptstadt des russischen Großfürstentums

Zar Alexander I von Russland verlegte die Hauptstadt weg von Turku, das enge Bindungen an Schweden hatte, nach Helsinki. Vor 200 Jahren, im April 1812, unterzeichnete er das Dokument, mit der er Helskinki zur Hauptstadt des Großfürstentums erhob. Rund 4000 Einwohner zählte der Ort zu diesem Zeitpunkt. Als großes Vorbild für den Wiederaufbau des jungen politischen Zentrums galt die Zarenstadt Sankt Petersburg mit ihren neoklassizistischen Gebäuden. Das historische Zentrum der Metropole ist bis heute Zeugnis dieser Ursprünge.

Wie Phönix aus der Asche - Der Wiederaufbau nach dem großen Brand

Johan Albrecht Ehrenström und Carl Ludwig Engel wurden mit dem Wiederaufbau der Stadt beauftragt, die 1809 durch einen Brand in großen Teilen zerstört worden war. Ehrenströms Vision des neuen Helsinki war eine großzügige Metropole mit weiten, geraden, geometrisch angelegten Straßen nach dem Vorbild griechischer antiker Städte. Das mittelalterliche Städtchen mit gewundenen Gäßchen und Holzhäusern verwandelte sich in eine weit angelegte Stadt mit Steinhäusern nach klassizistischem Muster. Rund um den Senatsplatz entstanden das Regierungspalais, das Hauptgebäude der Universität, die Nationalbibliothek und der legendäre Weiße Dom. Rund ein halbes Jahrhundert nach ihrer Erhebung zur Hauptstadt erhielt Helsinki ein weiteres Zeugnis religiöser Baukunst: die Uspenski Kathedrale.

Finnische Nationalromantik und Jugendstil prägen auch Helsinki

Am Übergang zum 20. Jahrhundert hielt der finnische Jugenstil Einzug in die Metropole. Maler, Handwerker und Architekten Finnlands verwirklichten ihre einzigartige Version der Kunstrichtung, ausgehend von einer neuen Nationalromantik. Elemente des mitteleuropäischen Jugendstils und der Arts & Crafts Bewegung verschmolzen mit Traditionen Kareliens. Der von Eliel Saarinen entworfene Hauptbahnhof und der Stadtteil Katjanokka sind Zeugnisse dieser Epoche. Zum Beispiel durch Studentenwohnhäuser, die an alte Ritterburgen erinnern und Stadthäuser, deren Balkone individuell den Wünschen und Vorstellungen ihrer Bewohner angepasst waren. Die bronzene Havis Amanda Statue wurde 1908 von Ville Vallgren geschaffen. Sie symbolisiert die Geburt der Stadt Helsinki durch eine der Ostsee entstiegene Jungfrau.

Die Weltkriege und die Unabhängigkeit Finnlands

Das Ende des Ersten Weltkriegs brachte Finnland 1917 die politische Unabhängigkeit. Helsinki blieb nach wie vor Hauptstadt der jungen Republik. Die neue Unabhängigkeit drückte sich in zahlreichen Architekturstilen aus. Das Olympiastadion, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg im Stil des Funktionalismus gebaut, wurde wegen des Krieges erst viel später, zu den Olympischen Spielen 1952, genutzt. 1969 entstand die legendäre Felsenkathedrale, eine in den Felsen gebaute Kirche. Einer der angesehendsten finnischen Architekten, Alvar Aalto, schuf 1971 die Finlandia Halle. Die Musikhalle wie auch der Felsendom Temppeliaukio repräsentieren den Modernismus.

Zeitgenössische Strömungen und kontemporäres Design

Mit dem 1998 gebauten Museum für zeitgenössische Kunst Kiasma und dem High Tech Center in Ruohalahti verwirklichte sich in Helsinki moderne Avantgarde der Architektur in minimalistischen Glasgebäuden. Höhepunkt bildete die Fertigstellung der neuen Musikhalle in unmittelbarer Nähe zur Finlandia Halle im Herbst 2011.

Helsinkis Bedeutung in der Nachkriegszeit

1973 fand die erste Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Helsinki statt. 2012 ist Helsinki Austragungsort der Eishockey-WM. Mit einer neuen Skater-Anlage kommen auch junge Sportler in Helsinki auf ihre Kosten. Zahlreichen Aktionen rund um den Titel „Welthauptstadt des Designs 2012“ macht Helsinki 2012 für Kenner und Liebhaber finnischen Designs zu einer besonderen Attraktion.

Quellen: