Hemingway auf Key West (1928 bis 1939)

Der "Mythos Hemingway" wird geprägt und gepflegt

Hemingway in Key West - Copyright holder unknown, public domain
Hemingway in Key West - Copyright holder unknown, public domain
Das Meer sollte Hemingways große Liebe werden, "The Old Man and the Sea" sein größter Erfolg. Vorerst gilt es aber, Erfahrungen zu sammeln und zu verarbeiten.

Nachdem der inzwischen erfolgreiche Schriftsteller Ernest Hemingway Paris 1928 den Rücken gekehrt, eine nicht sehr schöne Scheidung hinter sich gebracht und in Amerika familiäre Dinge geregelt hat, beziehen Hemingway, seine zweite Frau Pauline Pfeiffer und ihr Sohn Patrick ein Haus auf Key West. Hier findet der Schriftsteller etwas Neues, Großes … – das Meer.

Tod und Verantwortung

Vorerst gilt es eine Erfahrung ganz anderer Art zu verarbeiten, nämlich dass sich Hemingways Vater umbringt. Der Schriftsteller verabscheut die Tat des in Oak Park verehrten Arztes, macht auch seine autoritäre Mutter für das Geschehene verantwortlich und steht nun als Oberhaupt der Familie da, ein Umstand, der den freiheitsliebenden Menschen Hemingway wohl nicht glücklich machen kann. So kümmert er sich um die finanziellen Angelegenheiten, schreibt seiner Mutter den einen oder anderen Brief und hofft damit seinen Anteil getan zu haben.

Hemingway: Sloopy Joe's

Hemingway überarbeitet 1929 seinen zweiten Roman "A Farewell to Arms" ("In einem anderen Land"), welcher seine Erinnerungen an die Zeit an der italienisch-österreichischen Front während des ersten Weltkriegs aufrollt. Es sollte ein überragender Erfolg werden.

Hemingway war zeit seines Lebens ein Schriftsteller, der diszipliniert zwei oder drei Stunden am Morgen geschrieben hat, den Rest des Tages damit zubrachte, seinen Erfahrungsschatz zu erweitern. Nun, Key West war zu dieser Zeit ein wildes Fleckchen Erde, das Klima tropisch, die Bars ein Platz für Fischer, Tagelöhner und andere wilde Figuren. Der richtige Platz also, neue Einblicke zu erhalten. "Sloopy Joe’s" und andere Bars hatten Saison, und mit Josie Russell, einem neuen trinkfesten Freund, unternahm man Trips bis Havanna, nicht immer nur um zu Fischen.

Hemingway: Stierkampf, Jagen und Fischen

Hemingway hatte es mit seinen literarischen Erfolgen nun geschafft, das Leben zu führen, welches ihm vorschwebte. Man unternimmt Reisen zu den Fiestas nach Pamplona, Hemingway entdeckt in Afrika seine Liebe zur Großwildjagd, Havanna ist sowieso nur ein paar Seemeilen entfernt, der Mann genießt und ist getrieben, neue Erkenntnisse zu finden, Einsichten zu gewinnen, Einblicke in das Leben an sich, immer mit dem Hintergrund, dass der Tod unausweichliches Schicksal ist. So entsteht auch ein Werk, welches in Hemingways literarischer Biografie seltsam abgesondert steht: "Death in the Afternoon" ("Tod am Nachmittag"), eine sperrige, unzugänglich und detailverliebte Abhandlung des Stierkampfs, eine Erklärung, vielleicht auch eine Entschuldigung.

Sturm auf Key West

Am 2. September 1935 traf ein verheerender Hurrikan die Inseln. Der Sturm war vorausgesagt worden, und es kamen 423 Menschen ums Leben, darunter 259 Veteranen des ersten Weltkriegs, die dem Sturm in billigen Lagern fast ungeschützt ausgesetzt waren. Hemingway – bis dato ein unpolitischer Mensch – machte die Regierung aufs Schärfste verantwortlich, denn eine Evakuierung wäre möglich gewesen. Er schrieb, dass "die Altgedienten in diesen Lagern praktisch ermordet" wurden. Ab diesem Zeitpunkt konnte man von Hemingway auch politische Statements hören und lesen.

Freunde und Martha Gellhorn

Besuche waren auf Key West an der Tagesordnung. Hemingway begrüßte Freunde wie Maxwell Perkins, Redakteur bei Scribners; die Künstler Henry Strater und Waldo Pierce; John Dos Passos (der Hemingway Key West überschwänglich empfohlen hatte); oder auch seinen Jugendfreund Bill Smith. So verbrachte Hemingway mehr Zeit in den Bars oder auf See als bei seiner Frau. Und es kam wie es kommen musste, im Dezember 1936 saß eine erfolgreiche Frau an der Bar des "Sloopy Joe's", Martha Gellhorn, eine aufstrebende Journalistin und Autorin. Sie und Hemingway wurden vorgestellt, und Martha Gellhorn sollte seine dritte Ehefrau werden.

Große Werke Hemingways

Hemingway zog rastlos zwischen Key West, Wyoming, Afrika und Spanien umher, verarbeitete dies in "The Green Hills of Africa" (1935), "To Have and Have Not" (1937, später eine der wenigen ansprechenden Verfilmungen eines Hemingway Stoffes mit Humphrey Bogart und Laureen Bacall); außerdem die Kurzgeschichtensammlung "Winner Take Nothing" (1932). Auch erschienen 1936 (vorerst in Magazinen) die herausragenden Erzählungen "The Short Happy Life of Francis Macomber" und "The Snows of Kilimanjaro".

Zu neuen Ufern

Martha Gellhorn engagierte sich für die Sache der Republikaner im “Spanischen Bürgerkrieg“ (1936 bis 1939) und sie und Hemingway trafen sich im "Hotel Florida" in Madrid. Es war das Ende seiner zweiten Ehe und 1939 das Ende seiner Zeit auf Key West.

außerdem bei suite101

Hemingway in Paris

Hemingway und der Spanische Bürgerkrieg

Hemingway und der Zweite Weltkrieg

A.P.Schlöglmeier, Michael Stoifl

A.P. Schlöglmeier - A.P. (Andreas Pankraz) Schlöglmeier wurde 1970 unter anderem Namen geboren, ist Gastronom, Maler und Schriftsteller. Lebhaft zur ...

rss