
- A Moveable Feast - Michael Stoifl
Ernest Hemingway und seine Frau Elisabeth Hadley Hemingway (geb. Richardson) erreichten Paris wenige Tage vor dem Weihnachtsfest 1921, einige Monate nach ihrer Heirat. Man kann sich vorstellen, dass das junge Paar voller Hoffnung und Träume nach Europa kam. Mit sich hatten sie ein wenig Geld, gerade genug um einige Monate über die Runden zu kommen, obschon Europa nach dem Krieg für Amerikaner ein Wechselparadies war. Hemingway hatte außerdem einen schlecht bezahlten Job als Europa-Korrespondent für den Kansas Star, eine amerikanische Zeitung. Außerdem einige Empfehlungsbriefe seines Mentors Sherwood Anderson, welche ihm die Türen in die literarische Szene Paris’ öffnen sollten.
Paris und Hemingway, das war wohl Liebe auf den ersten Blick, man mietete sich ein Zimmer im Hotel Jacob, heute noch zu finden unter Hotel d’Angleterre. Später zog das junge Paar in eine Wohnung in der Rue du Cardinal Lemoine. Die ersten Monate in Paris waren ohne Zweifel hart, Hemingway schrieb Artikel für den Star, versuchte sich an eigenen Kurzgeschichten, verdiente als Boxer einiges dazu, verkehrte in Sylvia Beachs Buchladen Shakespeare and Company, wurde auch zu Gertrude Stein geladen und machte Bekanntschaft mit namhaften Künstlern jener Zeit, unter anderem Picasso oder James Joyce, welcher gerade an seinem Meisterwerk Ulysses schrieb. Hemingway und Hadley waren zwar nicht in der Lage finanziell mit der Boheme von Paris mitzuhalten, versuchten allerdings dies niemanden merken zu lassen. Man kann annehmen, dass der spätere Nobelpreisträger einiges an Phantasie an den Tag legte um in den Cafes und Bars eine joviale Figur zu machen. Später sollte er sagen, dass er seiner Frau selbst erlegte Pariser Tauben zum Kochen mitbrachte, aber genug Geld oder Kredit hatte um mit einem Bekannten noch einen Drink am Nachhauseweg zu nehmen.
Erste literarische Erfolge Hemingways
Im August wurde in kleiner Auflage Hemingways erstes Buch Three Stories And Ten Poems veröffentlicht, im Oktober kam Hemingways erster Sohn Bumby zur Welt und mit den Erfahrungen einer Spanienreise begann die Liebe zum Stierkampf. Außerdem wechselte er die Zeitung und schrieb fortan für den Toronto Star. Man kam finanziell gut über die Runden, die Korrespondententätigkeit brachte Hemingway bis an den Schreibtisch Mussolinis von dem er schrieb, er (Mussolini) sei wohl Europas größte Irreführung. Einige seiner Kurzgeschichten wurden in Zeitschriften veröffentlicht und in New York brachte der angesehene Verlag Boni and Liveright eine Sammlung unter dem Titel In Our Time, darunter famose erste Geschichten wie Indian Camp.
A Moveable Feast
Im März 1925 kamen Zelda und Scott Fitzgerald nach Paris, ein glamouröses Pärchen, er erfolgreicher Schriftsteller (The Great Gatsby), sie Südstaatenschönheit. Vom ersten Moment an verband Scott und Ernest große Sympathie und im Gegensatz dazu empfanden Zelda und Hemingway nur Abneigung zueinander. Der Alkohol floss in Strömen, man genoss das Pariser Leben.
Im Sommer besuchte Hemingway die Fiesta in Pamplona und begann im August seinen ersten Roman The Sun Also Rises welcher sein internationaler Durchbruch werden sollte. Allerdings galt es zuerst aus seinem Vertrag mit Boni and Liveright auszusteigen. Das war nicht so einfach und darum unterbrach er sein aktuelles Projekt um in nur sechs Wochen die sarkastische Story The Torrents of Spring zu schreiben, eine Satire auf Boni and Liverights Starautor und Hemingways Förderer Sherwood Anderson. Es war dem Verlag unmöglich dies zu veröffentlichen und Hemingway war frei The Sun Also Rises bei Scribner’s, einem größeren Verlag zu veröffentlichen. Es wurde DER Roman der Lost Generation.
Verlorene Generation
So gut es literarisch auch lief, privat zogen Wolken auf. Man fuhr zum Skifahren nach Schruns in Österreich und eine Freundin Hadleys, Pauline Pfeifer, begleitete die Eheleute. Was soll man sagen, Pauline wurde Hemingways zweite Ehefrau und Hemingway sollte später schreiben, dass Paris ab diesem Zeitpunkt nicht mehr dasselbe war.
“That was the end of the first part of Paris. Paris was never to be the same again although it was always Paris and you changed as it changed.” – aus “A Moveable Feast”
Eine weitere Kurzgeschichtensammlung Men Without Women wurde veröffentlicht, und die Zeit zum Aufbruch war gekommen. Pauline besaß ein Haus auf Key West in Florida und man verließ Paris im April 1928.
Hemingway besuchte Paris noch einige Male, unter anderem während des Spanischen Bürgerkriegs und auch 1944 bei der Befreiung der Stadt. Später sollte er in A Moveable Feast, seinen Erinnerungen an Paris der 1920er Jahre schreiben, dass ihm diese Stadt alles gegeben hat, in einer Zeit als "wir arm und glücklich waren".
“If you are lucky enough to have lived in Paris as a young man, then wherever you go for the rest of your life, it stays with you, for Paris is a moveable feast.”
Ernest Hemingway zu einem Freund, 1950
außerdem bei suite101
Hemingway und der Spanische Bürgerkrieg
Hemingway und der Zweite Weltkrieg
