
- Die Lippen des Kamels ist eine Mehndimotiv - David Dennis
Mehndi, eine Art der Körperbemalung aus Indien, hat auch im Westen seit den 90er Jahren stark an Beliebtheit zugenommen; ohne Zweifel durch Prominente mit Hennatattoos und den Einfluss von Bollywood.
Was ist Mehndi oder Henna?
Mehndi (auch Mehendi oder Mehandi geschrieben) ist die Kunst der Körperbemalung („Bodypainting“), normalerweise auf Händen und Füßen, die besonders in Südost- und Südwestasien sowie Nordafrika weit verbreitet ist. Hennapulver wird aus den Blättern des Hennastrauchs (Lawsonian Inermis) gewonnen, der mit zwei bis sechs Metern Höhe eher ein kleiner Baum ist (siehe Foto). Die Hennablätter werden erst getrocknet und dann zu einem feinen Pulver zerstoßen und durchgesiebt. Das Pulver wird mit ein bisschen Wasser vermischt und so lange geknetet, bis es pastenartig ist.
Wie man Mehndi aufträgt
Früher wurden die aufwändigen Mehndimotive mithilfe von Streichhölzern oder Zahnstochern aufgetragen; heute kommt die Hennapaste fertig aus Papier- oder Plastiktütchen, die man nur unten aufschneiden und dann die Paste von oben herausdrücken muss (siehe Foto unten). Je kleiner die Öffnung, um so feiner die Muster und es versteht sich von selbst, dass man zur Mehndimalerei Ruhe und Geduld braucht. Und natürlich Vorlagen für die neusten Hennamotive.
In Indien, wo die Nachfrage nach Mehndi zu Stoßzeiten wie Hochzeiten und Feiertagen wie Diwali sehr groß ist, bieten auch Schönheitssalons diesen Service an. Viele junge Frauen spezialisieren sich auf die Hennamalerei und machen sogar Hausbesuche.
Sobald sie einmal aufgetragen ist, trocknet die feuchte, dunkelbraune Henna-Paste recht schnell und wird hellbraun und trocken, so dass man sie einfach abbröckeln kann. Das Mehndi sollte so lange wie möglich nicht mit Wasser in Berührung kommen, aber bei den Händen zum Beispiel ist das kaum für länger als zwei Stunden möglich. Auf den Handflächen verblassen die Mehndi-Motive daher auch am schnellsten.
Henna-Tradition und Verwendung
Das Schmücken mit Henna hat eine lange kulturgeschichtliche Tradition. Die wahrscheinlich frühsten Hinweise sind Statuetten junger Frauen mit Mehndi-ähnlichen Bemalungen von circa 1500 v. Chr. Sie wurden entlang der Mittelmeerküste gefunden und weisen auf eine Verbindung von Henna mit fruchtbaren jungen Frauen hin, die bis heute besteht.
Henna wird auch schon seit langem für ayurvedische Arzneimittel verwendet, da es eine kühlende, reizlindernde und antiseptische Wirkung haben soll. Sogar die stark riechenden weißen Blüten der Hennapflanze werden in Parfüms benutzt. Das Auftragen von Mehndi ist daher unbedenklich, da die Henna-Paste völlig natürlich ist und von selbst wieder weggeht; die Mehndimotive werden nach etwa zwei Wochen verblassen.
Die Bezeichnung Hennatattoo mag zwar werbewirksam sein, führt aber in die Irre, da Mehndi-Verzierungen nicht von Dauer sind. Besondere Vorsicht ist bei Produkten geboten, die als „schwarzes Henna“ auf dem Markt sind – sie wurden wahrscheinlich mit dem künstlichen Färbemittel PPD angereichert, das auch in einigen Haarfärbemitteln gefunden werden und Allergien auslösen kann, nur um das Mehndi schwärzer und tattooähnlicher erscheinen zu lassen.
Indische Hochzeiten: das Mehndi-Fest und Mehndi als Brautschmuck
Zwei oder drei Tage vor der eigentlichen Hochzeit in Indien lädt die Braut alle weiblichen Verwandten zum Mehndifest ein, bei der die Hände und Füße der Gäste mit Henna bemalt werden. Die Mehndimotive der Braut sind am aufwändigsten, da sie ihr im bevorstehenden Eheleben Glück bringen sollen.
Außerdem bieten die Stunden, in denen das Mehndi trocknet, der Braut Gelegenheit, sich vor der hektischen Hochzeit noch einmal auszuruhen und verwöhnen zu lassen. Das ist auch ihre Chance, Fragen zum Eheleben zu stellen und reichlich gute Ratschläge zum Thema zu erhalten. Das Mehndi-Fest ist eine fröhliche Angelegenheit, die Freundinnen und Verwandte zusammenbringt und dem Junggsellinnenabschied nicht unähnlich erscheint.
Was bedeuten die verschiedenen Mehndi-Motive?
Die Bedeutung und Verwendung der verschiedenen Hennamotive hängt vom Anlass und der Art der Feierlichkeit ab, aber im allgemeinen soll Mehndi Glück bringen und die Trägerin beschützen. Hochzeitsmehndis zum Beispiel werden hauptsächlich Symbole enthalten, die Fruchtbarkeit und Liebe verkörpern. Hier ist eine kurze Auflistung der häufigsten Mehndimotive und ihrer Bedeutung:
- Blumen und Blätter – Fruchtbarkeit
- Blumenranke oder Skorpion – Liebe, Schutz vor dem bösen Blick
- Kamellippen – Fruchtbarkeit
- Knospen – neues Leben, Liebe
- Ganesha, der Elefantengott – Gesundheit, Schutz vor Bösem
- Mandalas – Weisheit, spirituelle Erleuchtung
- Pfau, Paisleymuster – Liebe, Fruchtbarkeit, Glück
Ein indischer Brauch ist, den Vornamen oder die Initialen des Bräutigams im Mehndischmuck der Braut zu verstecken. Kann er ihn nicht finden, muss er der Braut etwas schenken und es wird gesagt, dass sie die Oberhand in der Beziehung haben werde.
Es wird auch gesagt, dass, je dunkler das Mehndi der Braut sei, um so mehr sie ihre Schwiegermutter mögen werde. Eine Braut muss auch nicht bei der Hausarbeit helfen, so lange ihr Hochzeitsmehndi noch nicht verblasst ist. Kein Wunder also, dass einige indische Bräute Zitronensaft über das frisch aufgetragene Mehndi träufeln, damit es dunkler wird und länger hält.
Mehr zum Thema Mehndi und kostenlose Hennamotive gibt’s bei Henna-Paste. Hennamalerei ist nur ein Bestandteil der indischen Hochzeitsgarderobe, die sehr vielseitig und farbenfroh ist. Von Interesse ist vielleicht auch eine Gegenüberstellung der Vorteile von Sari und Lehenga.
