Henning Mankell - Wallanders erster Fall

Buchcover - dtv-Verlag
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Die Neugier vieler Kurt Wallander-Fans und ihre hartnäckigen Fragen an den Autor, haben Henning Mankell dazu bewogen, dieses Buch zu schreiben.

Es gibt fiktionale Persönlichkeiten, welche die Fähigkeit haben, Leser in ihren Bann zu ziehen und sie nach jedem Buch ein Stück süchtiger nach Informationen zurück zu lassen. Keine Frage – der eigenbrötlerische Kurt Wallander darf zu dieser Art gezählt werden. Jedem Leser, dem es nach der Lektüre eines Kriminalromans über Kurt Wallander wie oben beschrieben ergeht, ist dieses Buch wärmstens zu empfehlen.

Die ungewohnte Form des Buches

In "Wallanders erster Fall" dreht Mankell die Uhr zurück, stellt die Chronologie seiner bisherigen Büchern auf den Kopf und lässt den Leser auf den blutjungen Wallander treffen. Erst einmal; denn das Buch kommt nicht wie üblich, wie aus einem Stück gegossen daher. Mankell erzählt hier mehrere Geschichten, die in sich geschlossen sind und jeweils einen Fall behandeln. Von Erzählung zu Erzählung springt der Leser in verschiedene Lebenszeiten des Protagonisten Wallander, kann an seiner jeweiligen Lebenssituation teilhaben, bis zu dem Zeitpunkt, als ihm der Fall "Möder ohne Gesicht" begegnet. Der Lesefluss ändert sich durch diese Erzählart erheblich und dürfte für große Wallanderfans etwas Gewöhnungsbedürftig sein.

Begegnung mit vertrauten Personen

In der ersten Erzählung des Buches, welche demselbigen auch den Titel verliehen haben dürfte, treffen wir auf einen Kurt Wallander Anfang zwanzig. Er ist noch Streifenpolizist in Malmö, weiß jedoch genau, dass er zur Kriminalpolizei möchte. Auf dieses Ziel arbeitet er hin, ehrgeizig, hartnäckig und ungewöhnlich wie immer. Der erste Fall ermöglicht es ihm, seine Fähigkeiten zu erproben, denn überraschenderweise wird er in die Ermittlungen eingebunden. Sein Vater zieht gerade aufs Land und seine Schwester wohnt bereits in Stockholm. Er hat soeben Mona kennen gelernt und ist sich sicher, dass er mit ihr die Zukunft gestalten möchte. Doch die Schwierigkeiten der Beziehung zeichnen sich schon zu Beginn ab und werden sich, wie bekannt, verschärfen. In der zweiten Geschichte wechselt Wallander dann, als Kriminalassistent, nach Ystad. Auf dem Revier arbeiten die bekannten Personen, die auch im Buch "Mörder ohne Gesicht" eine Rolle spielen. Die prägendste Beziehung für Wallander entwickelt sich zwischen ihm und Rydberg, was von Mankell in den Erzählungen beleuchtet wird.

Eindruck eines Skizzenbuches

Fans des skandinavischen Kommissars kommen bei diesem Buch voll auf ihre Kosten. Denn wer Wallander kennt und mehr über ihn und seine Familie erfahren möchte, wird in diesem Buch fündig und kann das Bild seiner Persönlichkeit abrunden und vertiefen. Natürlich trifft man dabei nicht auf große Geheimnisse und eklatante Überraschungen. Vielmehr hält man an Stationen seines Lebens inne, erhält eine Momentaufnahme, um gleich darauf wieder einen Zeitsprung zu machen. Zu verdanken ist dieser Eindruck der Form des Buches. Dadurch, dass Mankell mehrere abgeschlossene, zeitlich stark auseinander liegende Erzählungen aneinander reiht, entsteht der Eindruck einer Sammlung von Fallgeschichten, die er skizzenhaft wie sie waren, einfach noch nicht in einen abgeschlossenen Roman verwandeln konnte. Trotzdem ist das Buch absolut lesenswert, denn die Fälle sind gewohnt ungewohnt und spannend geschildert, so dass man das Buch so schnell wie möglich zu Ende lesen möchte, um nach der Lektüre zu bedauern, dass es ein Ende hat.

Buch

Henning Mankell, Wallanders erster Fall, dtv-Verlag, € 9.95, ISBN-Nr.: 978-3-423-20700-3

Silvia Kraus, Fotostudio Thomas Ceska

Silvia Kraus - Sprachen, Texte und Bücher sind meine Leidenschaft! Als Rätoromanin im Kanton Graubünden in der Schweiz aufgewachsen, wurde ...

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