Herbst: Feste, Bräuche, Götter und Traditionen

Herbstanfang mit Lichterfest, St. Martin, Gänsebraten und Depression

Herbst - Kornelia Matzanke
Herbst - Kornelia Matzanke
Bunte Blätter, Kürbisse, Gänse und Laternenumzüge: Die Übergangszeit zwischen Sommer und Winter ist nicht nur bei uns mit vielen unterschiedlichen Traditionen verbunden.

Wer erinnert sich nicht an mit bunten Blättern beklebtes Papier und Kastanienmännchen, die im Herbst in der Schule und zu Hause mit großem Eifer erstellt und ausgestellt wurden. Doch kreatives Gestalten ist nur einer von vielen Bräuchen, die zur Herbstzeit jedes Jahr wieder neu belebt werden.

Lichterfeste, Laternenumzüge, St. Martin und Gänsebraten

Eine jahrtausendealte Tradition ist das Entzünden von Kerzen und Lichtern, um vor allem Kindern die Furcht vor der immer früher beginnenden Nacht zu nehmen.

Dieses Lichterfest wird heute nach christlicher Tradition am 11.11., dem Tag des heiligen Martin, mit Laternenumzügen, Gesang und dem darauf folgendem Martinsgans-Essen begangen. Wie dieses Tier zu dieser zweifelhaften Ehre kam, ist nicht gesichert: Einer Erzählung nach versteckte sich der heilige Martin in einem Gänsestall, als er zum Bischof geweiht werden sollte, durch das aufgeregte Schnattern der Tiere jedoch vergeblich. Eine andere Geschichte berichtet davon, dass eine Schar Gänse Bischof Martin bei einer Predigt gestört haben sollen und daraufhin eingefangen und verspeist wurden.

Der Martinstag war jedoch auch der traditionelle Tag des „Zehnten“, an dem die Steuern bezahlt werden mussten. Dies geschah damals jedoch häufig in Naturalien. Gerade Gänse boten sich dabei an, um diese nicht über die bevorstehende Winterzeit durchfüttern zu müssen.

Herbsttraditionen aus aller Welt

Aber nicht nur das erst kürzlich auch bei uns immer beliebter werdende Halloween zeigen, dass es in vielen Kulturen Feste und Bräuche gibt, die traditionell zur Herbstzeit begangen werden. So entspricht das in den USA und Kanada gefeierte Thanksgiving zwar formell unserem Erntedankfest, hat dort aber einen viel größeren Stellenwert und ist zudem mit der Erinnerung an das Pionierleben der Pilgerväter verknüpft.

In China glaubt man sogar an eine eigene Gottheit, Ru Shou, ein Sendbote des Himmelsgottes, der dem Herbst, aber auch der Himmelsrichtung Westen zugeordnet wird. Er verkündet, immer in Begleitung eines doppelten Drachen, Strafe und Unheil. Zu den ältesten traditionellen Festen der alt-iranischen Völker gehört das Mehragan-Fest, das im Oktober zur Tag- und Nachtgleiche, dem Herbstäquinoktium, gefeiert wird.

Herbstdepression: Licht, Luft und Bewegung helfen

Doch leider ist der Beginn dieser Jahreszeit nicht für alle ein Grund zum Feiern. Die kürzer werdenden Tage und das graue, kältere, oft auch nasse Wetter sind häufige Ursachen für die so genannte Herbstdepression, die saisonal auftritt und im Frühjahr wieder verschwindet.

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts leiden rund zehn Prozent der deutschen Bevölkerung an dieser Form der depressiven Verstimmung, 86 Prozent der betroffenen Personen sind Frauen. Schon drei Tage nass-kaltes Wetter kann als Auslöser für die häufigsten Symptome fungieren: Müdigkeit trotz ausreichenden Schlafes, Antriebslosigkeit, Unkonzentriertheit und Gereiztheit, aber auch Heißhunger-Attacken auf Süßes und Kohlenhydrate mit folgender Gewichtszunahme, bis hin zum Nachlassen der Libido. Als Ursache dafür konnte hauptsächlich Lichtmangel nachgewiesen werden, der den für Stimmungen ausschlaggebenden Hormonhaushalt negativ beeinflusst.

So gibt es glücklicherweise ein einfaches Mittel zur Vorbeugung oder Überwindung einer Herbstdepression: Bewegung im Freien. Schon eine halbe Stunde am Tag, möglichst morgens, genügt auch bei bewölktem Himmel, um dem Körper genug Licht (lat.: Lux) zukommen zu lassen.

In besonders schweren Fällen muss der oder die Betroffene mit einer speziellen Lichttherapie, auch Phototherapie genannt, behandelt werden, bei der eine Speziallampe mit einer Intensität von 2500 Lux eingesetzt wird. Schon die Bestrahlung von einer Stunde täglich genügt meist, um nach einer Woche gegen depressive Verstimmungen gewappnet zu sein.

Die Vermutung liegt nah, dass Hundebesitzer seltener an Herbstdepressionen leiden, als andere. Diese könnten aber vielleicht ihre Freude an einem anderen, bisher nicht erwähnten weit verbreiteten Brauch finden, bei dem ein Tier an der Leine gehalten wird: Drachen steigen lassen.

Kornelia Matzanke Politik- und Sozialwissenschaft, Kornelia Matzanke

Kornelia Matzanke - Politik- und Sozialwissenschaftlerin Studium der Ethnologie, Kunstgeschichte und klassischen Archäologie an der Freien ...

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