Hernandez: Boxer mit großem, stolzem Herz

Das deutsche Cruisergewicht hat eine neue Hoffnung - S. Hofschlaeger  / pixelio.de
Das deutsche Cruisergewicht hat eine neue Hoffnung - S. Hofschlaeger / pixelio.de
In Frankfurt boxte Ex-Weltmeister "USS" Cunningham gegen Hernandez, Frontkämpfer des Cruisergewichts. Er traf auf einen Kämpfer mit großem, stolzem Herz.

Frankfurt. Er ist ein Boxer, der seine Stadt Havanna und seine erste Heimat verließ, den Atlantik überquerte und in Europa zur Hoffnung der deutschen Boxszene gereift ist. Die Zuschauer füllten die Frankfurter Fraport Arena für diesen aufstrebenden Boxer und den wichtigsten Kampf der Cruisergewichtsszene. In der Nacht zum 5. Februar hat Yoan Pablo Hernandez beim IBF WM-Kampf mit unverbanntem kriegerischem Blut und bestehendem Temperament den zähen Schlagabtausch verdient nach Punkten gewonnen, als wollte er diesen Kampftag wie einen unzertrümmerbaren Jahrestag verteidigen. So schaffte er auch den doppelten Sprung über den Schatten des Steve "USS" Cunningham. Nach der 12. Runde hob er mit stolzem Herzen den Gürtel wie eine edle Standarte.

Nach zwei Niederschlägen in der 4. Runde konnte der Ex-Weltmeister "USS" Cunningham (35), der erfahrenere Profi aus Philadelphia, zwar zurückkommen, strauchelte aber auch in der 12. Runde. Auf diesem Wege konnte der Mann mit dem dünnen Vollbart auch seinen 28. Profikampf ohne einen erlittenen und zerschmetternden Knock Out beenden, unterlag allerdings nach einstimmigem Punkturteil dem Kubaner Hernandez. Er wurde von Trainergröße Ulli Wegner unterstützt. Der Boxer der roten Ringecke und 27jährige Weltmeister Hernandez hatte auch im ersten Duell im Oktober 2011 die schnelleren Punches angebracht und dadurch die Komplimente der weltweiten Boxszene eingeholt und Hoffnungen des deutschen Boxbetriebes wie an einem ehrwürdigen, goldenen Traum genährt. Für den Revanchekampf in Frankfurt hatte "USS " Cunningham im Gym seines Cutman´s im Norden Philadelphia´s gearbeitet.

Überlegtes Boxen in den ersten Runden

"USS" Cunningham - in seinem 13. Profijahr - boxte anfangs antastend, ging mit seinen linken Haken heran, aber Hernandez konterte ihn gut aus. Zum Ende der ersten Runde stocherte "USS" Cuningham mit mehreren Japs zu einigen Punktversuchen. Der jüngere Boxer aus Havanna konnte sie aber mit Führhandschlägen und drei Treffern parieren. Der Kommentator der ARD Live - Übertragung fasste den Kampfverlauf vor dem ersten Pausengong derart zusammen: "Exzellentes Boxen in den ersten Minuten."

In der 2. Runde brachte Hernandez, der in der für Gegner leichter kalkulierbaren Rechtsauslage boxte, zwei gute Hände an Cunningham´s Körper an. "USS" Cunningham schnellte mit einem Kopftreffer zurück. Hernandez blieb den Vorgaben seines Trainers Ulli Wegner loyal und konnte bis zur 5. Runde eine leichte, harmonische und fast natürliche Dominanz erzeugen.

Cunningham geht in der 4. Runde auf die Bretter

In der 3. Runde prallten gute Haken auf Cunningham´s kurze Rippen. Der 1,93 Meter große Titelverteidiger aus einem Vorort Havanna´s hielt sich noch vermehrt in der Ringmitte. Dort brachte er erfolgreiche Schwinger durch und baute seinen Punktevorsprung müßig, aber kontinuierlich aus. Es schwoll nichts einer derben Wut an oder der Feindseligkeit und Unversöhnlichkeit zwischen einem marxistischen Anhänger und Yankee der Nordstaaten, die derart hätte stigmatisiert werden können. Vielmehr beobachtete jeder in der Frankfurter Arena das überlegte, maßvolle, zähe Boxen zweier großer Cruisergewichtler. Zweier profilierter Boxer, die über ihren Anspruch auf den Gürtel nicht hinwegtäuschen und sich durchsetzen wollten.

Ein vorläufiger Höhepunkt: Cunningham sackte etwa 55 Sekunden vor Schluss der 4. Runde, nach klaren Treffern des Kubaners, zweimal zu Boden. Rettete sich aber noch in die Pause.

"Weiche aus, kontere und geh nach vorne"

In der Ringecke riet ihm sein Coach in der Ansprache, während er die Wasserflasche über dessen verschwitzte, schwarze Visage goss und ihn an die Taktik mahnte: "Du musst einen Schritt zur Seite machen, ihn kommen lassen, ihn beschäftigen, damit er arbeitet und dann kontern und nach vorne gehen."

In den Folgerunden wurde Hernandez offener als zuvor. Er vernachlässigte die Verteidigung nach dem ungekrönten Knock-Out. Cunningham gab nicht auf. Aber es reichte nicht aus, sich nur gegen eine Entmutigung zu stemmen. Er marschierte auf einer sauberen, konzentrierten Stufe zwischen den Ringseilen gegen Hernandez. Er konnte den Punktestand mit seiner Führhand aber nicht in eine verfallende Statistik schmettern und seine Chancen, die sich nach der 6. Runde immer mehr anboten, nicht nutzen. "USS" Cunningham, der seinen Spitznamen wegen seiner Dienstzeit auf einem US-Marineschiff erhielt, verfiel auch in eine eher passive und abwartende Boxhaltung. Er konnte keinen eisernen Schlag durchsetzen. Wenngleich Cunningham nun, auch zur Freude der Zuschauer in der Arena, von denen sich einige später brasilianische, auch kubanische köstliche Zigarren ansteckten, vor ihren laienhaften, panischen Instruktionen die Taktikvorgaben seines Coaches strukturiert und verbessert umsetzte. Er kam, ohne theatralischen Überlegungen, wieder in den Kampf zurück. Er reduzierte den Punktvorsprung des Kubaners. Aber der Schlag mit dem großen Herzen und dem zertrümmernden Ursprung, vor dem Ausbluten, wie bei einer allerletzten Schlacht, blieb aus.

Vorteile und ein neues Temperament im Cruisergewicht

Zum Kampfende zeugte der Kubaner Hernandez von seinen Fortschritten, den Entwicklungen seiner Physis, den solidarischen Adern und Rippen, dem Glanz und setzte auch die strategischen Maßgaben schlauer um: Er ließ sich kaum in die Ringecke schieben und legte wirkungsvolle Pausen ein, um dann seine Schlagfolgen noch schmetternder und wirkungsvoller wie in den teils exzellent kontrollierten zwölf Runden zu dosieren. So gibt Hernandez dem deutschen Boxbetrieb erneut neuen Aufschwung und temperamantvolle Visionen, ja entfesselte, umfassende Beiträge. Zum Ergebnis und der Situationsaufnahme in seiner Gewichtsklasse passt auch seine persönliche Einschätzung, die Yoan Pablo Hernandez mit leichterem Blut und zurückhaltender formulierte: Er fühle sich bestens im Cruisergewicht. Weiter erklärte er: "Ich habe mich hier behauptet und es zieht mich nicht aus dem Cruisergewicht."

Seine Gegner indes hoffen, dass es ihn aus sportlichen und finanziellen Anreizen dennoch in die mehr beachtete Liga der Schwergewichtler ziehen wird, die sich direkt über dem Cruisergewicht befindet, weil sie nicht wissen, wie sie ihm gegenüber, in dieser Verfassung, bestehen können. Einem Boxer, der die nächsten Kampfverträge gelassen und stolz unterzeichnen wird.

Denis Civan - Termine 20. Mai Europäischer Tag der Meere 23. Mai Tag des demokratischen Grundgesetzes (Deutschland) 08. Juni Beginn ...

rss