Herzerkrankungen und die tägliche Zeit vor dem Bildschirm

Erhöhtes Herzinfarktrisiko am Bildschirm - Konstantin Gastmann / pixelio.de
Erhöhtes Herzinfarktrisiko am Bildschirm - Konstantin Gastmann / pixelio.de
Egal ob Hobby oder Beruf - wer täglich viel Zeit vor dem Bildschirm verbringt, hat ein stark erhöhtes Risiko, an einem Herzinfarkt zu erkranken.

Gewusst hat es ja jeder irgendwie: Wer viel Zeit vor dem Monitor verbringt, der setzt sich einem höheren Risiko aus, frühzeitig an einem Herzinfarkt zu sterben. Egal ob beim Spielen, Surfen im Internet oder Fernsehen, wer in seiner Freizeit lange und oft in die Röhre guckt, lebt ungesünder. Ausgleichen kann man dieses Risiko durch viel Sport, den Verzicht auf Chips, Bier und allzu süße Limonaden – so die gängige Meinung.

Die Studie des American College of Cardiology über Herzkrankheiten

Eine ernüchternde Studie zu diesem Thema ist nun im Journal of the American College of Cardiology erschienen. Dort hat man seit 2003 insgesamt über 4500 Menschen untersucht und in Hinsicht auf tödliche sowie nicht tödliche Herzerkrankungen beobachtet. Die untersuchten Personen sollten auch Angaben zu der Zeit machen, welche sie täglich vor dem Bildschirm verbringen sowie zu körperlicher Betätigung in der Freizeit und auf Arbeit. Das Ergebnis hat selbst die Leiter der Studie überrascht: Wer täglich auf Arbeit oder in seiner Freizeit mehr als vier Stunden vor dem Bildschirm sitzt, hat gegenüber Menschen, welche weniger als zwei Stunden ihres Tages auf diese Art verbringen, ein 125 Prozent höheres Risiko, eine Herzerkrankung zu erleiden.

Zusätzliche Faktoren spielen bei der Arbeit vor dem Bildschirm kaum eine Rolle

Dabei ist es interessanterweise vollkommen egal, welchen sonstigen Faktoren diese Person ausgesetzt ist. In ihrer Studie rechneten die Wissenschaftler Umstände wie schwere körperliche Arbeit, den Blutdruck, das Alter und Geschlecht, die soziale Herkunft sowie Verhaltensweisen wie Rauchen und übertriebenen Alkoholkonsum aus den Versuchsergebnissen heraus. Es hat den Anschein, als hätte allein die Zeit, welche man vor dem Bildschirm verbringt, einen Einfluss auf das Risiko, an einem Herzinfarkt zu erkranken. Dieses Risiko soll ab etwa 4 Stunden täglich besonders hoch sein. Auch, ob man vor dem Computer oder dem Fernseher sitzt und ob man sich dabei aktiv oder passiv mit dem Programm beschäftigt, spielt hierbei keine Rolle. 25% der statistisch ermittelten Zusammenhänge zwischen Bildschirmzeit und Herzerkrankungen könnten allerdings auch auf Faktoren wie einen überdurchschnittlich hohen BMI oder einen erhöhten Cholesterinspiegel, welche durch langes Sitzen verursacht werden, zurückzuführen sein.

Sport und gesunde Ernährung sind kein Ausgleich

Es wird also ersichtlich, dass gesunde Ernährung und sportliche Betätigung das Herzinfarktrisiko, welches durch lange Arbeitszeiten am Bildschirm verursacht wird, der Studie zufolge nicht vermindern können. Diese Verhaltensweisen beugen selbstverständlich dem Risiko vor, durch mangelhafte Ernährung oder körperliche Trägheit an Herzkrankheiten zu leiden. Einen Ausgleich zum Spielen am Computer, dem Surfen oder übertriebenen Fernsehkonsum bieten sie scheinbar - anders als oft angenommen - nicht. Lediglich eine Verminderung der Zeit, welche man am Bildschirm verbringt, kann den Studienergebnissen zufolge hier Abhilfe schaffen und das Risiko senken.

Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel niemals fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – ersetzen können.

Bildnachweis: Konstantin Gastmann / pixelio.de