Wenn's beim Fußball spannend wird, spricht man gern vom Herzschlagfinale. Dass man dies durchaus wörtlich nehmen kann, zeigte 2006 das Spiel Deutschland - Argentinien. Wissenschaftler haben damals ermittelt, dass das Risiko eines Herzinfarkts bei WM-Spielen mit deutscher Beteiligung deutlich erhöht ist. Das damalige Fußballdrama gegen Argentinien sorgte der Studie zufolge für die meisten Anfälle.
Deutschlands Sommermärchen von 2006 steht nun vor seiner Neuauflage. Es wird heiß am Samstag und Deutschland trifft bei der Weltmeisterschaft auf Argentinien. „Wenn es so spannend wird wie vor vier Jahren, dann bekommen die Rettungsdienste und Krankenhäuser viel zu tun“, sagt DAK-Ärztin Elisabeth Thomas. Gemeinsam mit der Herzstiftung rät die Kasse deshalb zu erhöhter Vorsorge und – im Ernstfall – zu schnellem Handeln.
Die Herzinfarktrate ist bei Weltmeister-Spielen fast drei Mal so hoch wie sonst
Eine Studie Münchener Wissenschaftler hat gezeigt, dass bei WM-Spielen der deutschen Mannschaft im Jahr 2006 die Gefahr von Herzattacken 2,66-mal so hoch lag wie an anderen Tagen. Den größten Peak gab es demnach im Achtelfinale, als Deutschland auf Argentinien traf und nach dem Elfmeterschießen mit 4:2 gewann. „Je dramatischer es zuging und je entscheidender das Spiel war, desto mehr Menschen erlitten einen Herzanfall. Menschen mit geschädigten Herzkranzgefäßen waren dabei deutlich gefährdeter als andere. Gerade für sie ist Zurückhaltung angesagt – sowohl was die Aufregung als auch den Konsum von Alkohol und Zigaretten angeht“, sagt Thomas. Als Ursache vermuten Mediziner auch Schlafmangel und die vor lauter Aufregung vergessenen Medikamente.
Für die Studie hatten Wissenschaftler Daten von Rettungsdiensten, Ambulanzen und Krankenhäusern im Großraum München zusammengetragen und mit dem WM-Spielverlauf verglichen. Männer erlitten während der Spiele mit deutscher Beteiligung und im Finale 3,3-mal so häufig eine Herzattacke wie an anderen Tagen, Frauen 1,8- mal so häufig.
So verhalten Sie sich bei einem Herzinfarkt richtig
Jeder vierte Infarktpatient stirbt, bevor er in die rettende Klinik kommt, weil zu lange gewartet und so eine rasche Behandlung verhindert wurde. Bei Infarktverdacht scheuen Betroffene, Angehörige und Helfer häufig den Rettungsdienst (112) anzurufen. Oft wird bei einem Herznotfall anstelle der 112 der Hausarzt oder der Ärztliche Notdienst angerufen. „Ein lebensgefährlicher Umweg“, warnt Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Becker, Herzspezialist und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Selbst wenn der Hausarzt kommt, kann er nichts anderes tun, als die 112 anzurufen. Das kostet den Betroffenen wertvolle lebensrettende Zeit, in der die verheerenden Folgen des Herzinfarkts ihren Lauf nehmen. Der Hausarzt hat in der Nachbetreuung eine wichtige Funktion.“
Anzeichen für einen Herzinfarkt sind: Schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen können. Auch ein starkes Engegefühl, heftiger Druck und ein Brennen im Brustkorb gehören dazu. Schweißausbruch, Übelkeit und Atemnot sind häufige Begleiterscheinungen.
Studie:
„Cardiovascular Events during World Cup Soccer“ wurde veröffentlicht in der Fachzeitschrift „The New England Journal of Medicine“ am 11. Februar 2008.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
