Die Zeit der Kelten liegt lange zurück. Ihre Behausungen und Gebräuche sind uns heutzutage fremd. Sie hinterließen uns eindrucksvolle Grabhügel, deren Inneres mit eisernen Waffen und wertvollem Schmuck gefüllt war. Doch beschränkt sich unser Wissen über die Kelten auf einzelne Funde, sodass der größte Teil ihrer einstigen Kultur meist im Dunkel der Geschichte verborgenen bleibt. Die Überlieferungen antiker Geschichtsschreiber verbunden mit archäologischen Funden regen zu vielerlei Spekulation und Phantasie an.

Das Keltenmuseum Heuneburg in Hundersingen im Landkreis Sigmaringen lädt zu einer Entdeckungsreise in die geheimnisvolle Welt der Kelten ein, während das Freilichtmuseum mit originalgetreuen Rekonstruktionen zum Eintreten in die Welt der Kelten einlädt.

Der Fürstensitz Heunburg

In der Mittel des ersten Jahrtausends v. Chr. erlebte die Heuneburg ihre Blütezeit. Auf einem Hochplateau erstreckte sich eine weiße Lehmziegelmauer, die nach mediterranem Vorbild errichtet wurde, weshalb die 20.000 Bewohner umfassende Siedlung auch als Burg bezeichnet wird. Als Wohnort und Herrschaftssymbol des keltischen Adels zugleich entwickelte sich die Heuneburg zum kulturellen und politischen Mittelpunkt einer ganzen Region. Während die Bauern als Nahrungsversorger in den weitläufigen Außensiedlungen lebten, gestaltete sich die Burg als Treffpunkt des Handels: etruskische und griechische Weinamphoren zeugen davon.

Die rekonstruierten Bauwerke

Im Herrenhaus wohnte der Fürst der Heuneburg. Dieses eindrucksvolle Gebäude ist zugleich das größte, das jemals auf dem Hochplateau errichtet worden war. 80 Meter der Lehmziegelmauer sowie ein Wohnhaus, ein Speicher für den Nahrungsvorrat, eine metallverarbeitende Werkstatt, ein Ofenhaus und ein Lagerhaus, über dessen Funktion nicht viel bekannt ist, gehören zu den Rekonstruktionen, die sich allesamt in der Südost-Ecke des Hochplateaus befinden. Auch wenn es schwierig ist, originalgetreue Rekonstruktionen herzustellen, so vermitteln die weiß verputzten, aus Pfosten, Flechtwerk und Lehm errichteten Gebäude glaubwürdige Bilder keltischer Siedlungsart.

Die Welt der Kelten aus der Sicht der Geschichtsschreiber

Im 5. Jh. vor Chr. sind es die antiken griechichen Geschichtsschreiber Herodot und Hekataios, die als Erste das Volk der Kelten erwähnen. Dieses sei das westlichste aller europäischen Völker und die Donau, der längste Fluss Europas, entspringe in ihrem Gebiet. Im 4. Jh. v. Chr. berichtet uns Ephoros von Kyme von den Kelten als ein Volk der vier großen Barbarennationen (Kelten, Skythen, Perser, Libyer). Auch römische Autoren beschäftigten sich mit der Herkunft und dem Siedlungsgebiet der Kelten. Der Feldherr Caesar hinterließ uns mit seinen Ausführungen über den Gallischen Krieg politisch motivierte Beschreibungen der keltischen Stämme und deren Lebensweisen, da er dadurch versuchte, sein diplomatisches und militärisches Vorgehen nördlich der Alpen zu rechtfertigen. Der spätantike Historiograph Ammianus Marcellinus interessierte sich für den Ursprung dieses rätselhaften Volkes und vermutete sogar, dass die ersten Kelten Trojaner gewesen seien, die im Trojanischen Krieg vor den Griechen flüchteten.

Heutzutage herrscht ein ambivalentes Bild vor: einerseits werden die Kelten als kunstfertige Handwerker angesehen, die auch in der Lage waren, Siedlungen mit mehreren tausend Bewohnern zu unterhalten; andererseits verbinden wir mit ihnen das Mystische der heilige Haine und Druiden sowie grausame Menschenopfer, was ihnen auch die Bezeichnung als Kopfjäger einbrachte.

Epochen der keltischen Geschichte

Die vielen Bronzezeitkulturen Mitteleuropas sind oft schwer zu fassen. Mit dem Beginn der Eisenzeit in Europas um 800 v. Chr. werden die Kelten als eigenständige Kultur greifbar und wir verbinden mit ihnen früheisenzeitliche Siedlungen und reich ausgestattete Gräber. Das Siedlungsgebiet der keltischen Hallstattkultur erstreckte sich vom heutigen Nordostfrankreich bis auf den Balkan. Der namengebende Ort Hallstatt – gelegen am Hallstätter See in Österreich – war zu jener Zeit ein bedeutendes Zentrum im Salzkammergut. Heute zählt das romantische Städtchen zu den Weltkulturerben. Fürstensitze, reich ausgestattete Gräber und weitreichende Handelsbeziehungen mit mediterranen Nachbarn sind die bedeutendsten Merkmale der Hallstattzeit, in die auch die Blütezeit der Heuneburg fällt.

Die folgende La-Tène-Zeit wird auch als Zeit der großen keltischen Wanderungen bezeichnet. Von Spanien bis nach Anatolien, von Italien bis nach Irland: Überall konnte man Kelten antreffen. Während die Gesellschaft zuvor streng hierarchisch geordnet war und viele Fürsten über ihr jeweiliges Territorium herrschten, so veränderte sich diese Sozialstruktur am Übergang zur La-Tène-Zeit grundlegend. Die Gründe für den Machtverlust des Adels sind schwer auszumachen. Ihre Herrschaftssitze fielen nicht selten den Flammen zum Opfer. Auch die Heuneburg ereilte diese Schicksal.

Gegen Ende jener Epoche bildete sich zunehmend eine städtische Lebensweise heraus. Mehrere tausend Bewohner umfassende Siedlungen entstanden nördlich der Alpen. Doch die Unabhängigkeit der keltischen Stämme, die sich nur zu oft untereinander bekriegten, fand in der Schlacht bei Alesia im Jahre 52 v. Chr. ihr Ende. Der unwiderstehliche Feldherr Caesar hatte seine militärischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Gallien, das in etwa dem heutigen Frankreich entspricht, sollte über Jahrhunderte hinweg unter dem Einfluss des Römischen Reiches stehen.

Das Museum

Das Keltenmuseum und die dazugehörige Freilichtanlage bieten dem Besucher Einblicke in eine längst vergangene Zeit. Funde direkt vom Hochplateau und den Außensiedlungen veranschaulichen den Alltag jener Menschen, während prunkvolle Grabbeigaben aus den umliegenden Grabhügeln Einblicke in Kulthandlungen und Jenseitsvorstellungen gewähren. Ein Rundwanderweg führt an den Grabhügeln vorbei durch die Umgebung der Heuneburg.

Das schwäbische Troja

Gegen Ende des Jahres 2010 machte die Heuneburg Schlagzeilen, als das Grab einer Keltenfürstin unweit der Heuneburg geborgen wurde. Von der Stuttgarter Zeitung wurde jene 7,5 x 6 Meter große „Schatzkiste“ euphorisch als Grab des „schwäbischen Troja“ bezeichnet. Das Landesamt für Denkmalpflege in Ludwigsburg widmet sich nun der Untersuchung des Grabes, das mit seinen Beigaben, bestehend aus Goldschmuck, Perlen und Bernstein, schon jetzt eine Sensation darstellt.

Literatur

Krause, Arnulf: Die Welt der Kelten – Geschichte und Mythos eines rätselhaften Volkes, 2004, Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main

Links

Ein Grab des "schwäbischen Troja" gehoben