Gerade jetzt im Frühjahr und Sommer leiden viele Menschen unter Pollenallergie und Heuschnupfen. Rinnende Nase, juckende Augen und eine Dauermüdigkeit wirken sehr belastend auf Körper und Psyche. Es macht aber meist keinen Sinn, einfach Durchzuhalten und darauf zu hoffen, dass die Monate des Pollenflugs bald vorbei gehen. Denn in vielen Fällen kommt die Allergie im Jahr darauf stärker wieder, oft auch begleitet durch gefährliche Asthmaattacken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat deshalb auch die Notwendigkeit betont, möglichst frühzeitig mit einer derartigen Therapie zu beginnen und nicht zu lange zu warten.
Was ist Hyposensibilisierung?
Die Hyposensibilisierung ist eine Behandlungsform, die bei bestimmten Allergien mit hoher Erfolgsquote angewandt wird. Der Körper wird in extrem niedrig dosierter Form und ärztlich kontrolliertem Ausmaß über längere Zeit mit dem allergieauslösenden Stoff konfrontiert. Der Körper reagiert auf diesen "Eindringling" und bildet Schutzmechanismen. Nach und nach gewöhnt sich der Körper an das Allergen und verliert seine Überempfindlichkeit.
Für wen ist Hyposensibilisierung geeignet?
Bei der Behandlung spielen Alter des Patienten und Dauer des Bestehens der Allergie eine wesentliche Rolle. Für Kleinkinder und Erwachsene ab 50 Jahren ist die Hyposensibilisierung nicht geeignet. Bei älteren Patienten mit längerem Krankheitsverlauf sind die immunologischen Verhältnisse oft bereits so fixiert, dass sie schlechter beeinflussbar sind. In Folge sinkt die Erfolgsrate der Behandlung. Von Vorteil ist, wenn relativ bald nach Diagnose der Allergie mit der Hyposensibilisierung begonnen wird. Je länger die Allergie schon besteht, desto schwieriger wird die Behandlung.
Wie läuft die Behandlung ab?
Üblicherweise wird bei der Hyposensibilisierung der Wirkstoff unter die Haut gespritzt. Dies nennt sich subkutane Immuntherapie (SCIT). Dabei spritzt der Arzt den Allergenextrakt in die Rückseite des Oberarms. Seit einiger Zeit gibt es auch eine angenehmere Alternative mit Tabletten oder Tropfen: die so genannte sublinguale Immuntherapie (SLIT). Dabei hält der Patient den Wirkstoff ein bis zwei Minuten unter der Zunge, bevor er ihn herunterschlucken darf. Anfänglich über 4 Wochen täglich mit steigender Allergendosis bis zur individuellen Höchstdosis, danach 3x die Woche über 3 Jahre lang wird die Behandlung fortgeführt. Die im Kühlschrank zu lagernden Tropfen sollten möglichst immer zur gleichen Zeit eingenommen werden.
Gab es anfangs nur wenige Studien zu dieser alternativen Einnahmeform, so wird diese jetzt immer öfter auch von Dermatologen forciert. Denn gerade Kinder (aber auch viele Erwachsene) fürchten sich vor Spritzen und lassen sich somit meist auf keine langjährige Spritzentherapie ein.
Wer übernimmt die Kosten?
Die Kosten für eine Hyposensibilisierungsbehandlung werden in Deutschland von allen Krankenkassen übernommen.
Bei welchen Allergien wirkt die Hyposensibilisierung besonders gut?
Außer bei Heuschnupfen und bei Pollenallergie ist eine hohe Erfolgsquote bei folgenden Allergien zu verzeichnen:
- Haustaubmilbenallergie
- Insektengiftallergie
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
