Heute um 20 Uhr ins Theater? Bei Facebook gibt es "Effi Briest"

Maxim Gorki Theater - Maxim Gorki Theater
Maxim Gorki Theater - Maxim Gorki Theater
Nicht zu schaffen? Duschen, aufstylen, Haare, Make-up - und die entsprechende Kleidung auswählen? Schließlich ist es schon halb acht. Doch im Internet - ...

... ja, im Internet ist es möglich. Denn aufstylen muss man sich hier nicht unbedingt, der Theaterbesuch geht hier ausnahmsweise auch mal in der Jogginghose oder in einem anderen Freizeitdress. Mal sehen, ob es denn klappt. Das Berliner Maxim Gorki Theater will "Effi Briest" von Theodor Fontane heute im Internet aufführen. Das Stück mit dem abgewandelten Titel "Effi Briest 2.0" wird heute (20.00 Uhr) im sozialen Netzwerk Facebook zu sehen sein. Damit sollen vor allem jüngere Menschen angesprochen werden. Die Hauptrollen übernehmen den Angaben zufolge Mitarbeiter einer Werbeagentur. Für Nebenrollen waren im Vorfeld Darsteller über das soziale Netzwerk gesucht worden.

Ja, also wer dabei sein will, gleich geht es los

Ja, also wer dabei sein will, gleich geht es los. der Vorhang raschelt schon, ein paar Darsteller luschern schon durch die Ritzen. Doch halt, wir sind bei Facebook. Da ist schließlich alles nur virtuell. Denkt der Laie. Doch dahinter stehen, wie im richtigen Leben, auch richtige Menschen. Bei Facebook gibt es nämlich den Link zur offenen Gruppe.

Was ist das eigentlich für ein Stück?

Effi Briest, Theodor Fontane? Was ist das eigentlich für ein Stück? Bei Inhaltsangabe haben wir die Zusammenfassung: "Der Roman 'Effi Briest' von Theodor Fontane aus dem Jahr 1896 spielt in Kessin, Hinterpommern, und handelt von der jungen Effi Briest, die ihren Ehemann betrügt und daraufhin von ihrer Familie verstoßen wird. Anschließend stirbt sie an ihrem zerbrochenen Herzen. Effi Briest wächst in einer wohlhabenden und ansehnlichen Familie in einem Herrenhaus in Hohen-Cremmen auf. Eines Tages empfangen ihre Eltern Besuch des Barons von Innstetten, der Landrat in Hinterpommern ist und in seiner Jugend Effis Mutter verehrte. Effis Mutter sieht die Möglichkeit, ihre Tochter gut zu verheiraten und so kommt es noch am selben Tag zu der Verlobung von Effi und dem Baron. Obwohl dieser weit über zwanzig Jahre älter ist als Effi, lässt sich diese auf die Hochzeit ein. Nach der Hochzeitsreise lässt sich das Ehepaar im hinterpommerschen Kessin nieder. Effi bewundert ihr neues Heim zunächst. Es ist ein stattliches großes Anwesen, das Effi gerne wohnlicher gestalten möchte. Auch die Stadt mit all den Anwohnern, die teilweise aus fernen Ländern kommen, faszinieren Effi. Sie freundet sich sehr schnell mit dem Apotheker Gieshübler an, der sich mit seiner aufgeschlossenen Art sehr von dem biederen Rest der Anwohner unterscheidet. Als ihr Ehemann zu einem Treffen mit dem Reichskanzler Bismarck reist, fühlt Effi sich allein. ... Der Baron hat kein Verständnis für seine Frau und lässt die Sorgen seiner Frau außer Acht. Effi wird schwanger und im Sommer kommt ihre Tochter Annie auf die Welt. Effi stellt das Hausmädchen Roswitha ein, die ihr nicht mehr von der Seite weicht. Im selben Jahr trifft der Landwehrbezirkskommandeur Major von Crampas mit seiner Familie in Kessin ein. Die Familie Innstetten freundet sich schnell mit den Crampas an. Es herrscht ein harmonisches Verhältnis zwischen allen. Effi fühlt sich mit der Zeit jedoch immer mehr zu dem stattlichen Major angezogen. Bei einer Schlittenfahrt können sie und der Major einander nicht mehr widerstehen und es kommt zu einem Kuss zwischen den Beiden. Innstetten bekommt in der Zwischenzeit eine Stellung in Berlin und die Familie zieht um. Effi ist froh über den Umzug. So kommt sie los von dem Major und von der Einsamkeit in Kessin. In Berlin blüht sie richtig auf und nimmt immer mehr am gesellschaftlichen Leben der Stadt teil. Sie wird sogar zu einer der Ehrendamen um Kaiser Wilhelm und dessen Frau. Einige Jahre später fährt Effi auf Anraten ihres Arztes zur Kur. Sie soll damit die Aussichten auf die Geburt eines Sohnes verbessern, der den Familienstamm weiterführen kann. Während Effi in Ems weilt, findet ihr Ehemann Liebesbriefe von Major Crampas in Effis Nähkästchen. Aufgrund seiner verletzten Ehre bittet er den Major zu einem Duell, bei welchem er Crampas erschiesst. Effi wird von ihrem Ehemann und Tochter Annie verlassen. Auch ihre Eltern verbannen sie wegen der gesellschaftlichen Schande aus ihrem Elternhaus. Effi bleibt allein mit Ihrer Haushälterin Roswitha in Berlin zurück. Sie leidet immer stärker an der Vereinsamung. Vor allem die Trennung von ihrer Tochter lässt sie mehr und mehr kränkeln. Nach drei Jahren kommt es endlich wieder zu einem Treffen mit ihrer Tochter Annie. Doch diese ist aufgrund der Erziehung durch ihrem Vater kalt und distanziert. Effi erleidet deswegen einen Zusammenbruch, woraufhin ihre Eltern sie zu sich holen. Zuerst scheint es als wenn das Elternhaus Effi gut tut. Sie nimmt wieder Kraft auf und trifft sich sogar mit einigen Freunden. Doch mit der Zeit wird Effi immer melancholischer und depressiver. Der Schmerz in ihrem Herzen wird immer größer. Schließlich stirbt sie im Alter von nur 29 Jahren in ihrem Elternhaus. Auf ihrem Grabstein steht nur 'Effi Briest'. Fontanes Roman 'Effi Briest' zeigt deutlich den Druck der gesellschaftlichen Konventionen, dem eine junge Frau Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts immer noch ausgesetzt war. Effi konnte über ihr Leben nicht selbst entscheiden. Unter dem Einfluss ihrer Mutter heiratet sie zwar wohlhabend, aber nicht glücklich. Die Tatsache, dass ihre Tochter nach dem Scheitern ihrer Ehe bei dem Vater aufwächst, weist auf die niedrige gesellschaftliche Stellung einer Frau dieser Zeit hin."

Jetzt muss nur noch das Pubklikum kommen

Ja, dann ist ja fast alles zu "Effi Briest" gesagt. Da muss das Publikum dann nur noch kommen. Und dieser Artikel muss beendet werden, sonst kann das ja nicht mehr klappen.

Nachtrag: 1188 Zuschauer sollen da sein. Ganz schön voll! Es ist wie im richtigen Leben: Es wird getuschelt, gekichert, das Handy klingelt, es wird viel gehustet und vor allem kommentiert. Einige kommen sogar zu spät. Aber das macht gar nichts. Alles in allem ein tolles Experiment! Eins noch: Till Haverkamp schreibt nach der Vorstellung: "Eins hab ich vermisst: Geert von Innstetten setzt seinen Beziehungsstatus auf 'es ist kompliziert' als er die Briefe findet ;-)".

Foto: Maxim Gorki Theater

Gabriele Schreib M.A. - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - frischer Wind vom Hohen Norden Politologin, Redakteurin, Autorin Schreiben, Erlebtes und ...

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