Hexenröhrlinge: Flockenstieliger und Netzstieliger Hexenröhrling

Flockenstieliger Hexenröhrling - Jaroslav Maly
Flockenstieliger Hexenröhrling - Jaroslav Maly
Wo der Flockenstielige und der Netzstielige Hexenröhrling zu finden sind - wann die beiden Speisepilze Saison haben - Wissenswertes über die Hexenröhrlinge.

Der Flockenstielige und der Netzstielige Hexenröhrling sind ausgezeichnete Speisepilze, die von manchen Sammlern hoch geschätzt werden. Vom Frühsommer bis in den Herbst hinein können beide Hexenröhrlinge gesammelt werden. Hier erfährt man wo diese Pilze zu finden sind, die wichtigsten Erkennungsmerkmale, mit welchem Giftpilz eine Verwechslung besteht und was man bei der Zubereitung der beiden Hexenröhrlinge unbedingt beachten muss.

Flockenstieliger Hexenröhrling (Boletus erythropus)

Der 6 bis 20 cm breite Hut des Flockenstieligen Hexenröhrlings ist erst halbkugelig, dann polsterförmig gewölbt. Er ist hellbraun bis schwarzbraun gefärbt, sehr dickfleischig und fest. Die Huthaut ist samtig oder feinfilzig und im feuchten Zustand schmierig bis klebrig. Ältere Flockenstielige Hexenröhrlinge weisen eine kahle und glänzende Hutoberfläche auf. Die Röhren dieser Pilzart sind am Stiel ausgebuchtet angewachsen und sind hellgelb bis grüngelblich gefärbt. Die Poren besitzen einen auffallend orangefarbenen bis dunkelroten Farbton und die Porenöffnungen sind rund und eng. Bei Druck laufen die Röhren und die Poren sofort dunkelblau bis schwarzblau an. Der Flockenstielige Hexenröhrling hat einen vollen dickbauchigen Stiel, der auf gelbem Grund mit kleinen orangeroten Flocken oder kleinflockiger Punktierung bedeckt ist. Zur Basis hin wird der Stiel gräulichgelb oder gelbbraun. Auch er reagiert auf leichten Druck mit rascher dunkler Verfärbung. Dieser Hexenröhrling hat ein festes, gelbes Fleisch, welches beim Anschnitt oder an Bruchstellen im Sekundenbruchteil grün, dann dunkelbläulich anläuft. Madenfraßstellen sind hingegen leicht rötlich verfärbt. Der Geschmack ist angenehm mild und der Geruch ist neutral. Zu finden ist der Flockenstielige Hexenröhrling im Laub- und Nadelwald, im Flachland besonders unter Eichen und Rotbuchen, im Bergland meist unter Fichten und Tannen. Er bevorzugt neutrale und saure Böden und meidet kalkreiche Böden. Saison: Mai - November

Netzstieliger Hexenröhrling (Boletus luridus)

Der Hut des Netzstieligen Hexenröhrlings wird 6 bis 20 cm breit, zeigt sich anfangs halbkugelig, später polsterförmig. Die Farbe spielt zwischen olivgelb, olivbraun, ockerfarben und rotbraun. Am Hutrand ist der Netzstielige Hexenröhrling rosa bis rötlich gefärbt. Mitunter gibt es auch Netzstielige Hexenröhrlinge mit komplett rot gefärbten Hut. Die Hutoberfläche ist feinsamtig und bei reifen Pilzen glatt. Die Röhren sind gelb bis olivgrün gefärbt. Die Oberfläche der Poren ist kräftig orangerot bis karminrot, die Porenöffnungen sind rundlich und klein. Bei Berührung laufen die Röhren und die Poren dunkelblau an. Der Netzstielige Hexenröhrling hat einen dickbauchigen Stiel, der auf gelbem bis orangelbem Grund mit einem dunkelroten adrigen Netz überzogen ist. Das Fleisch ist hellgelb und fest und genau wie beim Flockenstieligen Hexenröhrling beim Anschnitt sofort blauend. Im Stielgrund ist das Fleisch rötlich gefärbt. Geruch und Geschmack sind beim Netzstieligen Hexenröhrling nicht sehr auffallend. Dieser Hexenröhrling wächst im Laub- und Nadelwald unter Eichen, Linden und Buchen. Er liebt kalkhaltige, trockene und basische Böden. Saison: Juni - Oktober

Wissenswertes über die Hexenröhrlinge

Hexenröhrlinge gehören zur Klasse der Ständerpilze (Basidiomycetes) und zur Gattung der Dickröhrlinge (Boletus). Alle Hexenröhrlinge besitzen rote Poren und blau anlaufendes Fleisch. Diesem Phänomen verdanken sie auch ihren unheilvollen Namen. Denn Früher glaubten die Meschen, dass diese dunkle Verfärbung des Pilzfleisches mit Hexerei zu tun hätte. In Wahrheit entsteht die Blaufärbung einzig und allein durch die Oxidation bestimmter Inhaltsstoffe (Pulvinsäure-Derivate). Geschmacklich überragen der Flockenstielige und der Netzstielige Hexenröhrling sogar den Steinpilz, wobei der Flockenstielige Hexenröhrling als der besserer der beiden Speisepilze gilt. Beide Hexenröhrlinge sind roh giftig, darum sollte man die Pilze vor dem Verzehr gut kochen. Unerfahrene Sammler könnten diese essbaren Hexenpilze mit dem giftigen Satansröhrling (Boletus satanas) verwechseln, der aber durch seine deutlich hellere und gräuliche Hutfarbe gut zu unterscheiden ist.

Weitere Arten der Hexenröhrlinge

Die meisten Pilzsammler kennen gerade mal zwei Arten des Hexenröhrlings, doch der Hexenröhrling hat eine große Familie. Neben dem Netzstieligen und dem Flockenstieligen Hexenröhrling gibt es noch folgende Arten:

  • Kaukasischer Hexenröhrling (Boletus caucasicus)
  • Täuschender Hexenröhrling (Boletus comptus)
  • Blutroter Hexenröhrling (Boletus dupainii)
  • Gelbhütiger Purpur-Röhrling (Boletus luteocupreus)
  • Büscheliger Hexenröhrling (Boletus permagnificus)
  • Duftender Hexenröhrling (Boletus poychylochromus)
  • Glattstieliger Hexenröhrling (Boletus queletii)

Quellen:

  • Unsere Pilze/ Hans Mauch und Konrad Lauber/ Hallwag, Steinbachs Naturführer: Pilze / Mosaik Verlag

Bildquelle: Jaroslav Maly/ naturfoto-cz.de

Anna, Ghezzi

Anna Ghezzi - Als ständige Autorin der Rubrik Pilze freut es mich besonders, Sie durch die zauberhafte und faszinierende Welt der Mykologie ...

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